Kardinal Sako in Budapest: "Der Papstbesuch hat den Irak verändert"

Heilige Messe am 7. September 2021 beim Internationalen Eucharistischen Kongress im ungarischen Budapest.
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch
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Ein Kardinal und Patriarch hat auf dem Internationalen Eucharistischen Kongress in Budapest gesagt, dass der Besuch von Papst Franziskus im Irak im März einen tiefgreifenden Einfluss auf das Land gehabt habe.

Kardinal Louis Raphaël Sako sagte am 7. September, dass die Reise des Papstes die Atmosphäre in dem Land im Nahen Osten verändert habe, berichtete die Catholic News Agency (CNA).

Andere Redner am gestrigen Dienstag sprachen über die Rolle der heiligen Eucharistie als Grundlage des Verständnisses echter Brüderlichkeit und als niemals versiegende Quelle die ungehindert fließt. 

Der 52. Internationale Eucharistische Kongress wurde am 5. September mit einem 1.000-köpfigen Chor und einer Messe mit Erstkommunionen eröffnet, wie CNA Deutsch berichtete. Noch bis Ende der Woche treffen sich Katholiken aus aller Welt in der ungarischen Hauptstadt. 

Auf dem Programm der Veranstaltung stehen Kardinäle aus fünf Kontinenten, die die Morgengebete, Katechesen, Zeugnisse und Workshops des Kongresses leiten werden. 

Die Veranstaltung wird am 12. September mit einer von Papst Franziskus zelebrierten Abschlussmesse auf dem Heldenplatz ihren Höhepunkt erreichen.

Kardinal Robert Sarah wird am 8. September eine Messe in der Kirche der Heiligen Engel in Gazdagrét feiern und Kardinal Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg wird am 10. September eine Messe zelebrieren.

"Der Papst hat mit seinen Botschaften die Herzen aller Iraker berührt, vor allem der Muslime. Und jetzt hat sich in den Straßen, in der Masse, in der Bevölkerung etwas verändert", so der Patriarch.

"Die Christen sind stolz darauf, und jetzt werden sie auch sehr geschätzt."

In seiner Rede im Kongress- und Ausstellungszentrum Hungexpo Budapest, dem Hauptveranstaltungsort des Kongresses, erinnerte das 73-jährige Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche an das bahnbrechende Treffen zwischen dem Papst und dem obersten schiitischen Geistlichen des Irak, Großajatollah Ali al-Sistani.

"Ich war bei ihm, um Ajatollah Sistani, die oberste schiitische Autorität, zu besuchen. Und der Imam sagte etwas sehr Wichtiges. Er sagte: 'Ihr seid Christen' - das heißt, Christen und der Papst - 'Ihr seid ein Teil von uns, und wir sind ein Teil von euch. Das heißt, wir sind Brüder.'"

Sako sprach am dritten Tag des Internationalen Eucharistischen Kongresses, der am 5. September mit einem 1.000-köpfigen Chor und einer Messe mit Erstkommunionen eröffnet wurde.

Der Kongress sollte ursprünglich im Jahr 2020 stattfinden, wurde aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf 2021 verschoben.

Die einwöchige Veranstaltung wird am 12. September mit einer von Papst Franziskus zelebrierten Abschlussmesse auf dem Budapester Heldenplatz ihren Höhepunkt erreichen.

In seiner Ansprache beschrieb Kardinal Sako die Geschichte und Spiritualität der chaldäisch-katholischen Kirche, einer der 23 katholischen Ostkirchen, die in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl stehen.

Die Kirche hat ihre Wurzeln in der apostolischen Zeit, nahm aber ihre heutige historische Form im 16. Jahrhundert an, als die Mitglieder der alten Kirche des Ostens ihre Gemeinschaft mit Rom bekräftigten.

Die Kirche wird von einem Patriarchat geleitet, das seinen Sitz in der Kathedrale Maria, Mutter der Schmerzen, in der irakischen Hauptstadt Bagdad hat. Sie hat mehr als 600.000 Mitglieder, die hauptsächlich im Irak, aber auch in Diasporagemeinden auf der ganzen Welt leben.

Sako sagte, die chaldäische Kirche habe seit ihren Anfängen bis heute Märtyrer hervorgebracht.

"Das Märtyrertum ist das Charisma/der Charme der chaldäischen Kirche, denn seit ihrer Gründung hat sie Verfolgung durch Perser, muslimische Araber, Mongolen, Osmanen und heute durch Extremisten wie al-Qaida und ISIS erlebt", bemerkte er.

"In einer Nacht im Jahr 2014 verließen 120.000 Menschen ihre Häuser, ohne irgendetwas, nur mit ihrer Kleidung. Und wir bewundern, dass niemand seinen Glauben verlassen hat. Niemand ist zum Islam konvertiert, nur um zu Hause zu bleiben und geschützt zu sein. Sie alle haben ihre Häuser verlassen, um in andere Städte Kurdistans zu gehen."

Sako dankte der ungarischen Regierung dafür, dass sie den irakischen Christen mit dem Programm "Ungarn hilft" beim Wiederaufbau von Häusern, Schulen und Kirchen hilft, die von ISIS in der Ninive-Ebene zerstört wurden.

Er sagte, dass Teleskuf, eine Stadt im Nordirak, nun als "Bint al Majjar" ("Die Tochter Ungarns") bekannt sei, in Anerkennung der ungarischen Rolle beim Wiederaufbau der Stadt.

In seinem Zeugnis erklärte Sako, dass die chaldäisch-katholische Spiritualität die zentrale Bedeutung der Gnade betont.

"Sie ist sehr positiv, nichts Negatives", sagte er. "Es ist selten, dass wir über Abtötung sprechen. Selbst unser Kreuz ist leer, ohne Körper, denn er ist auferstanden. Und wir nennen es 'das glorreiche Kreuz', und das gibt uns viel Hoffnung während unserer Verfolgungen."

Zu den weiteren Rednern des Kongresses am Dienstag gehörte Kardinal Gérald Lacroix aus Quebec.

Der Primas von Kanada hielt eine Katechese über die Eucharistie als "unerschöpfliche Quelle des Friedens und der Versöhnung".

"Unseren Glauben in Gemeinschaft mit Gott zu leben, ist die Grundlage für ein gesundes christliches Leben", sagte er. "Aber zu lernen, in Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern zu leben, ist unvermeidlich, unverzichtbar und, seien wir ehrlich, eine ziemliche Herausforderung."

"Die Teilnahme an der Eucharistie ist nicht nur eine Begegnung mit dem Herrn, ein Zusammensein mit ihm, sondern auch eine Schule, in der wir lernen, andere zu lieben und ihnen gegenüber offen zu sein. Ohne das gibt es kein wahres Christentum."

In seinem Zeugnis betrachtete Kardinal Sako die Zukunft des Irak. Er sagte, die einzige Möglichkeit, die innere Spaltung des Landes zu überwinden und Minderheiten zu schützen, sei "ein starker säkularer Zivilstaat und eine echte Demokratie, wie sie in den meisten Ländern der Welt praktiziert wird."

Zum Abschluss seiner Ansprache sagte er: "Dieser Internationale Eucharistische Kongress sollte eine Gelegenheit für jeden Christen sein, seine Eingliederung in Christus zu vertiefen und dann die Gemeinschaft und Einheit unter ihnen durch ihre Zugehörigkeit zur Kirche zu stärken."

"Jede Eucharistiefeier ist eine Feier des letzten Abendmahls und trägt die Bedeutung des Teilens und Zusammenseins in sich. Lasst uns unseren geistlichen Weg zu unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus vollenden, der uns nicht in der Finsternis zurücklässt, sondern uns mit dem Licht seiner Auferstehung anstrahlt."

Er fügte hinzu: "Ich schlage vor, dass Sie von diesem eucharistischen Kongress aus einen Appell für Frieden und Brüderlichkeit starten können, damit die Stimmen der Waffen und Kriege und des gegenseitigen Tötens aufhören. Ich denke, das wird auch auf dem Hintergrund unseres Glaubens und der Eucharistie geschehen.

Der Vormittag endete mit einer Messe, die von Erzbischof José S. Palma von Cebu auf den Philippinen zelebriert wurde. Der 71-jährige Erzbischof ist nach Angaben der Organisatoren derjenige Redner, der die weiteste Anreise auf sich genommen hat, um an der Veranstaltung teilzunehmen.

Die philippinischen Bischöfe wollten eigentlich eine Delegation von 500 Katholiken nach Ungarn schicken, entschieden sich aber stattdessen für einen nationalen eucharistischen Online-Kongress in Solidarität mit dem Treffen in Budapest.

In seiner Predigt sagte Palma: "Meine lieben Brüder und Schwestern, wir, die wir mit den Quellen der Gnaden Gottes in der Eucharistie gesegnet und gesättigt wurden, sind von nun an dazu berufen, Kanäle des Friedens für andere zu sein."

"Wie eine Quelle, die ungehindert fließt, bis sie jeden Winkel und jeden Raum, den sie erreicht, bewässert und erfüllt, so lasst uns den Frieden Gottes zu allen Völkern ausstrahlen, bis an die Enden der Erde, wo immer wir uns befinden."

"Möge der Friede Gottes immer mit uns sein, wenn wir diese Mission erfüllen. Und möge unsere Heilige Mutter, die Königin des Friedens, für uns alle Fürsprache einlegen."

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