Kardinal Stepinac: Serben und Kroaten studieren im Vatikan gemeinsam sein Leben

Das Grab des Kardinals in der Kathedrale von Zagreb.
Foto: Marcin Szala via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Am 12. und 13. Juli hat sich die gemischte katholisch-orthodoxe Kommission versammelt, um das Leben des seligen Kardinal Alois Stepinac zu beleuchten.

Sein Heiligsprechungsprozess wurde unterbrochen, um eine weitere historische Überprüfung der Figur des Kardinals zu ermöglichen. Denn die Diskussion um seine mögliche Heiligsprechung hatte Reibungen erzeugt, die weit über interne Fragen der katholischen Kirche hinausgehen. Die Kommission wird somit auch "nicht in den Heiligsprechungsprozess eingreifen", der alleinige Kompetenz des Heiligen Stuhles ist, wie mitgeteilt wurde.

Kardinal Stepinac, Bischof von Zagreb, erlebte von 1937 an den ersten Teil des Zweiten Weltkrieges und den Übergang zum kommunistischen Regime Titos. 1946 wurde er verhaftet und vom Gericht verurteilt. Er starb 1960, unter Hausarrest. Ein für viele heiliger Hirte, den Johannes Paul II. 1998 seliggesprochen hatte. Aber gerade diese Seligsprechung führte zu Perplexität und Widerstand in der serbischen Welt.

Deshalb entstand die Idee einer gemeinsamen Kommission, die Papst Franziskus nach mehreren Treffen und Beratungen zwischen Vertretern des Heiligen Stuhles, der Serbisch-Orthodoxen-Kirche und der kroatischen Bischofskonferenz eingerichtet hat. Den Vorsitz der Kommission hat Pater Bernard Ardura inne, Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften. Aufgabe des Kommission ist es, "eine wissenschaftliche Arbeit durchzuführen, gemäß der Methodologie der Geschichtswissenschaften, basierend auf der verfügbaren Dokumentation und ihrer Kontextualisierung."

Das nächste Treffen ist für den kommenden 17. und 18. Oktober in Zagreb vorgesehen. Weitere Begegnungen werden in den darauffolgenden 12 Monaten stattfinden.

Neben Pater Ardura gehören der Kommission auch Kardinal Josip  Bozanić, Erzbischof von Zagreb, sowie Ratko Perić, Bischof des Bistums Mostar-Duvno und der Bischof von Požega

Antun Škvorčević an, ebenso Jure Krišto

vom Kroatischen Institut für Geschichte und Mario Jareb vom Kroatischen Komitee für Geschichtswissenschaften.

Von serbischer Seiten nehmen Amfilohije, Metropolit von Montenegro und dem Küstengebiet; Porfirije, Metropolit von Zagreb und Ljubljana; Irinej, Bischof von Novi Sad und Batschka; Jovan, Bischof von Slawonien und Darko Tanasković, Botschafter und ständiger Vertreter der Republik Serbien bei der UNESCO, daran teil.

Aber warum ist die Figur von Kardinal Stepinac so umstritten? Professor Krišto erklärte in einer Email-Korrespondenz mit CNA vor einigen Monaten, dass das "kommunistische Regime sich Kardinal Stepinac entledigen wollte, da es offensichtlich war, dass er sich nicht unter deren mächtige Hand beugen würde. Das bedeutete auch, dass die katholische Kirche die einzige unabhängige Gruppierung gewesen wäre, da sie die Idee einer kroatischen katholischen Nationalkirche ablehnte."

Es war gerade aufgrund der Sympathien für das Regime Titos, dass gewisse westliche Intellektuelle das Urteil im kommunistischen Prozess, in dem Kardinal Stepinac als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, angenommen hatten, obwohl die Anschuldigungen praktisch unbegründet waren.

Auch nationalistische und auch konfessionelle Themen spielen in der Angelegenheit eine Rolle, da Serbien größtenteils orthodox ist und eineige Mitglieder der Orthodoxie der Idee "Großserbien" anhängen.

Aber für Professor Krišto "war Kardinal Stepinac vor allem ein wahrhafter Christ, dessen Handlungen von chirstlichen Normen, vom Evangelium, von den zehn Geboten diktiert waren; und das war es, was er in seinen zahlreichen Predigten hervorhob, die in der ganzen Welt bewundert und sogar von den Kommunisten gehört wurden, während sie in den Wäldern kämpften."

Sein Einfluss war so stark, dass das Regime Titos ihn durch die Verhaftung einzudämmen suchte. Trotz der Haft wurde er zum Fels des Vertrauens für alle Christen in den unterdrückerischen kommunistischen Regimen.

Alles wäre bereit für die Heiligsprechung und Papst Franziskus folgt, was Stepinac angeht, der Meinung seiner Vorgänger. Aber am Ende wurde alles verlangsamt.

Die Probleme sind vor allem politischer Natur. Kolinda Grabar-Kitarović, die kroatische Staatspräsidentin, wurde am 28. Mai 2015 von Papst Franziskus empfangen und fragte, wann man zur Heiligsprechung schreiten würde. Sofort kam eine serbische Reaktion: in einem Treffen in Belgrad mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, sagte der Präsident Serbiens, Tomislav Nikolić, eine Heiligsprechung wäre der Untergang für alles, was bisher an Gutem in der Ökumene getan worden sei. Papst Franziskus sprach am vergangenen 7. April auch mit dem damaligen noch kroatischen Ministerpräsidenten Tihomir Orešković über die Angelegenheit.

Es bleibt die Tatsache bestehen, dass Stepanic hoch verehrt wird. Sein Grab in der Kathedrale von Zagreb ist immer mit Blumen übersät. Jedes Jahr am 10. Februar wird seines Lebens gedacht.

Kardinal Stepinac wurde unter dem kommunistischen Regime das erste Mal am 17. Mai 1945 verhaftet und blieb bis zum 3. Juni im Gefängnis. Nach seiner Freilassung wurde er von Tito einbestellt, der ihm -  gemäß der in kommunistischen Regimen üblichen Praxis – vorschlug, ihn an die Spitze einer "katholischen Volkskirche" zu setzen; getrennt von Rom und mit dem Versprechen großer Ehrungen. Stepinac sagte Nein und besiegelte damit sein eigenes Urteil. Er wurde erneut verhaftet, ihm wurde ein Schauprozess gemacht und er wurde zu 16 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Nach fünf Jahren Haft im Gefängnis von Lepoglava, in dem er jede Art von Misshandlungen erlitt und in dem man mehrere Male versuchte, ihn zu vergiften, wurde er letztendlich in seine Heimatpfarrei Krašić, nahe Zagreb, geschickt, wo er unter Hausarrest blieb, bis er im Jahr 1960, vermutlich an den Folgen einer schleichenden Vergiftung, starb.

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