Klerikalismus ist im Heiligen Land "sehr offensichtlich", sagt Patriarch Pizzaballa

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa
Foto: Cristian Gennari/OESSH

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem hat gesagt, dass der Klerikalismus im Heiligen Land "sehr offensichtlich" ist.

In seiner Predigt am Neujahrstag in der Co-Kathedrale des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem sagte Patriarch Pierbattista Pizzaballa: "Es ist kein Geheimnis, dass es eine gewisse Distanz zwischen dem Klerus und den Laien gibt, und das ist sicherlich nicht einzigartig in unserer Kirche. Es ist ein gemeinsames Thema für viele Kirchen in der Welt."

"Die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien wird oft missverstanden und endet damit, dass man 'einfach tut, was der Priester will'", sagte der Patriarch am 1. Januar.

Er ermutigte zu einer größeren aktiven Beteiligung der Laien am Leben der Kirche. "Es ist schwierig, gebildete, engagierte Laien zu finden, die bereit sind, einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Das ist ein echtes Hindernis, das man in Betracht ziehen muss", sagte er, "besonders wenn man an die zukünftige Generation denkt, die im Leben der Kirche führend sein will und nicht nur Vollstrecker von Befehlen und Weisungen."

Die heilige Messe des Patriarchen, die auch per Livestream übertragen wurde, fand zum Hochfest der Gottesmutter Maria statt.

Der Friede und sein Gegenteil

In seiner Predigt reflektierte Pizzaballa über das vor der Kirche in Jerusalem liegende Jahr und die Notwendigkeit, über den Frieden "aus einer internen, kirchlichen Perspektive, die mit unserem diözesanen Leben verbunden ist, nachzudenken."

"Es ist schwierig, von Frieden zu sprechen, wenn wir um uns herum das genaue Gegenteil erleben", sagte er, "aber ich denke, wir können auch innehalten und über die Barrieren nachdenken, die wir manchmal unbewusst in uns selbst und zwischen uns errichten."

Er erinnerte an die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres, darunter die Coronavirus-Pandemie und Probleme auf diözesaner, gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Der Patriarch verwies auch auf die "lange Pause" der Vakanz des Sitzes des Lateinischen Patriarchats, die von 2016 bis zur Ernennung Pizzaballas durch Papst Franziskus im Oktober 2020 dauerte. Pizzaballa war während der Sedisvakanz der Apostolische Administrator der Diözese.

"Nach einer fast völligen Lähmung aufgrund der Pandemie müssen wir jetzt mit Zuversicht und Entschlossenheit nach vorne schauen, um den Weg unserer ganzen Kirche wieder aufzunehmen", sagte er.

Konflikte und Nationalitäten

Neben dem Klerikalismus seien weitere Herausforderungen, mit denen die katholische Kirche in Jerusalem konfrontiert sei, der Generationenkonflikt und die Unterscheidung zwischen Einheimischen und Ausländern.

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut schätzungsweise 293.000 lateinische Katholiken in Israel, den palästinensischen Gebieten, Jordanien und Zypern.

In seiner Predigt wies Pizzaballa auf die Schwierigkeiten hin, die damit verbunden sind, eine Diözese zu sein, die vier Länder mit vier verschiedenen nationalen Identitäten abdeckt, zusätzlich zu den sprachlichen Unterschieden.

"Nationale Identitäten sind selbst ein positives und notwendiges Element, und niemand stellt das in Frage", sagte er. "Aber genauso wie es nationale Identitäten gibt, gibt es auch eine kirchliche Identität, die über diese hinausgeht. Es gibt nicht vier Kirchen, sondern nur eine Kirche, die verschiedene Geschichten und Identitäten in sich trägt. All die verschiedenen Identitäten verbinden sich zu einer pluralen, vielgestaltigen, offenen und nicht monochromen Identität einer Kirche, die nicht von Identitätskonflikten absorbiert wird."

Die Beziehung zu Christus

Die Lösung all dieser Probleme, so schlug er vor, besteht darin, "von unserer Beziehung zu Christus und nicht von unseren Bedürfnissen auszugehen und unser Herz in das Herz Christi zu legen..."

"Wir können nicht ohne Liebe leben, und die Liebe, von der wir ausgehen müssen, ist die Liebe dessen, der sein Leben für uns und unsere Erlösung gegeben hat. Das wird der Weg sein, der uns erwartet", erklärte er.

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