Nach Einreiseverbot für Erzbischof: "Außenminister" des Vatikans besucht Weißrussland

Erzbischof Paul Richard Gallagher
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Ein hoher Beamter des Vatikans ist zu Gesprächen in Weißrussland eingetroffen, nachdem dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz des Landes die Rückkehr in sein Heimatland verwehrt worden ist.

Die staatlichen Medien in Weißrussland berichteten am 11. September, dass Erzbischof Paul Richard Gallagher für vier Tage zu diplomatischen Gesprächen in Weißrussland zu Gast sei, einen Monat nachdem die umstrittenen Präsidentschaftswahlen des Landes ausgedehnte Proteste ausgelöst hatten.

Der Besuch des Vatikan-Sekretärs für die Beziehungen zu den Staaten werde ein Treffen mit Wladimir Makei, dem belarussischen Außenminister, umfassen und am 14. September zu Ende gehen, teilte das Außenministerium mit.

Das Pressebüro des Heiligen Stuhls bestätigte am Freitag, dass Gallagher nach Weißrussland gereist sei. Er beabsichtige, "die Aufmerksamkeit und Nähe des Heiligen Vaters zur katholischen Kirche und zum ganzen Land zum Ausdruck zu bringen", hieß es weiter. Gallaghers Arbeitsprogramm werde "Treffen mit den zivilen Behörden und den Verantwortlichen der katholischen Kirche" beinhalten.

Die Reise des Vatikan-Diplomaten nach Weißrussland folgt etwa eine Woche nach dem Einreiseverbot für Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk-Mohilev in sein Heimatland. Kondrusiewicz, ein weißrussischer Staatsbürger, wurde ohne Erklärung von den Grenzsoldaten zurückgewiesen, als er am 31. August nach einer Reise nach Polen versuchte, nach Weißrussland zurückzukehren.

Kondrusiewicz, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz des Landes, hatte Demonstranten verteidigt, nachdem diese nach der Wahl, bei der der Amtsinhaber Alexander Lukaschenko mit 80% der Stimmen den Sieg davontrug, von Polizeikräften festgenommen worden waren.

 

Weißrussland grenzt an Russland, die Ukraine, Polen, Litauen und Lettland. Es war Schauplatz von Protesten seit Alexander Lukaschenko mit 80 Prozent der Stimmen zum Gewinner der Präsidentschaftswahlen erklärt worden war. Lukaschenko ist seit 1994 – drei Jahre nachdem das Land seine Unabhängigkeit erlangt hatte - Präsident.

Die Polizei hat tausende Demonstranten verhaftet, die einen Nachzählung der Stimmen gefordert hatten. Trotz strenger Unterdrückung wurden die Proteste im ganzen Land fortgesetzt.

Mitten in der Krise befindet sich nun der Erzbischof von Minsk-Mahiljou und Präsident der katholischen Bischofskonferenz des Landes, Monsignore Tadeusz Kondrusiewicz, im Exil und kann seit dem vergangenen 31. August nicht betreten, da ihm die Grenzschutzbeamten die Einreise verweigert haben.

Wenige Tage zuvor hatte sich Erzbischof Kondrusiewicz mit Innenminister Juri Karajew getroffen, um seine Besorgnis über die harte Reaktion der Regierung auf die Proteste auszudrücken.

In der Predigt der Messe am 5. September, die die offizielle Website der katholischen Kirche in Weißrussland, catholic.by veröffentlicht hat, grüßte Monsignore Kasabutsky alle Versammelten und bat sie, gemeinsam zu beten. Er verglich dieses Gebet mit einem Balsam, der die trauernden Seelen heilen kann.

Im Anschluss richtete der Weihbischof einen kurzen Gruß in englischer Sprache an die Diplomaten, die am Gebet teilnahmen, und so ihre Solidarität mit dem Volk in dieser humanitären Krise ausdrückten.

In seiner Predigt erinnerte der Weihbischof von zunächst an die Schrecken, die viele Teilnehmer der Proteste durchgemacht hatten; einige von ihnen sollten nie nach Hause zurückkehren.

"Vergib uns, Gott, dass in unserem Land Menschen gestorben sind; es ist eine Tragödie , die Tragödie unseres ganzen Volkes. Ich glaube, dass diese Menschen, selbst wenn sie ungläubig waren, selbst wenn sie weit von Gott entfernt waren... Gott hat in ihren Herzen Zuflucht gesucht." Der Weihbischof fügte hinzu, dass diese Menschen nur deshalb starben, weil sie Wahrheit und Gerechtigkeit wollten.

Er berichtete auch von Personen, die ihm erzählt hatten, im Gefängnis in der Akrestsin-Straße und in anderen Haftanstalten gefoltert worden zu sein.

"Wir Weißrussen waren immer friedliche, friedliebende Menschen. Wir haben immer in Harmonie gelebt, aber wir säen diesen Hass, wir säen diesen Zorn in unsere Herzen. Heute beten wir besonders für alle Menschen, die Gewalt erlitten haben (…). Wir beten für all diese Personen besonders, weil jede von ihnen ein psychologisches Trauma hat, mit dem sie lange wird leben müssen", sagte er.

Bischof Kassabuzki erklärte, die einzige Rettung in dieser Situation liege im Gebet.

"Das Gebet kann einer Person helfen, ihre menschliche Gestalt wiederzuerlangen", so der Bischof, der alle - auch die Ungläubigen - bat, die Kraft zu finden, denen Gutes zu wünschen, die uns Unrecht getan haben.

Er nutzte die Gelegenheit auch, um eine Betrachtung über die Situation von Erzbischof Kondrusiewicz anzustellen und über den Vorwurf gegen ihn, "in die Politik zu gehen."

"Wenn wir heute sagen, dass wir gegen Gewalt sind – ist das Politik? Wenn wir heute sagen, dass wir gegen Folter sind – ist das Politik? Wenn wir jeden Tag beten, dass es so etwas in unserem Land nie geben soll – ist das Politik? Wenn wir sagen, dass wir in Wahrheit, in Ehrlichkeit, mit Wohlwollen leben wollen – ist das Politik? Wir mischen uns nicht in die Politik ein: wie beten nur für unser Volk, für unsere Nation, ohne Ausnahme" versicherte er.

Im Namen des Metropoliten von Minsk-Mahiljou dankte Weihbischof Kassabuzki allen Teilnehmern aufrichtig und vertraute das gesamte weißrussische Volk Gott und der Fürsprache der Jungfrau Maria an.

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