Norwegischer Bischof warnt vor "Illusion zu glauben, dass wir die Welt gewinnen können"

Bischof Erik Varden OCSO
Foto: Martin Rothweiler / EWTN Deutschland
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Bischof Erik Varden OCSO hat in seiner Predigt zum Fest des hl. Olav am Freitag im norwegischen Trondheim erklärt, wenn es um den Glauben gehe, liege "die Betonung auf dem freien Willen". Dabei handle es sich um "ein großes Geheimnis".

Das Fest des hl. Olav fällt zusammen mit dem Sendestart von EWTN Norwegen. Unterstützt wird der neue Sender von EWTN Deutschland – und auch dort wurde das Pontifikalamt mit Varden, dem trappistischen Prälat von Trondheim, übertragen. (CNA Deutsch ist ein Service von EWTN News.)

Christus habe in der Heiligen Schrift nicht nur Fragen wie "Willst du gesund werden?" gestellt (Joh 5,6), sondern die Kirche verlange vor dem Sakramentenempfang ein "klares Ja". Selbst bei der täglichen Kommunion "hält uns der Priester die konsekrierte Hostie vor Augen und sagt: 'Der Leib Christi.' Wir antworten 'Amen' und erkennen damit die Gegenwart des Herrn an."

"Aber nicht nur das", ergänzte Varden. "Wir bestätigen auch, dass wir frei und beharrlich an dem Bund festhalten wollen, den dieses Sakrament konkretisiert, den Bund in Jesu Blut. Wenn wir zur Kommunion gehen, erklären wir: 'Ja, ich will im Blick auf den neuen und ewigen Bund leben, der am Kreuz zum Heil der Welt geschlossen wurde.'"

Verhältnis von Kirche und Welt

Der Bischof sprach außerdem über das Verhältnis von Kirche und Welt. Dabei warnte er: "Eine Allianz mit der Welt, auch wenn ich sie damit ganz gewinne, kann mich meine Seele, mein Wesen kosten. Und wenn ich mein Wesen verloren habe, nichts mehr bin, welche Rolle spielt dann noch, was ich habe?"

"Wir katholische Christen befinden uns anno 2022 im Kielwasser eines Konzils, das die liebliche Vision hatte, die Welt würde sich für Christus öffnen", erklärte Varden. "In den frühen Sechzigerjahren war die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch präsent genug, um sich dem Glauben hinzugeben, die Menschheit müsse sich doch nach einem solch überwältigenden Trauma erneuern. Eine erhabene Hoffnung, die wir aber heute kaum noch begreifen können, wenn wir den Sturm sehen, den wir nur wenige Jahrzehnte später ernten."

"Es ist reine Illusion zu glauben, dass wir die Welt gewinnen können", machte der Bischof deutlich. "Versuchen wir es, setzen wir die Seele aufs Spiel. Es ist auch gar nicht das Ziel, das wir anstreben sollen. Wir sollen das Evangelium unverkürzt bis ans Ende der Welt tragen: Das ist das Gebot Christi."

Das Bekenntnis zu Christus werde "ein Randphänomen bleiben", aber Christen seien ohnehin nicht berufen, "irgendetwas zu gewinnen, sondern treu zu sein; als Zeugen Christi zu leben, mag die Welt unser Zeugnis ruhig verachten."

Dennoch dürfe man die Welt nicht "verteufeln", denn Christus sei gekommen um sie zu erlösen: "Unsere Mitmenschen sollen wir achten. Die meisten wollen ja das Gute; ein Problem ergibt sich aber, wenn Verwirrung um die Frage ausbricht, was denn das Gute sei."

Varden lud die Gläubigen ein, die Kirchenväter zu studieren: "Bei ihnen finden wir Inspiration und Ausgewogenheit." Moderne Einwände gegen den Glauben seien dort häufig bereits beantwortet.

Dietrich Bonhoeffer

Zum Abschluss seiner Predigt erinnerte Varden an den protestantischen Pastor Dietrich Bonhoeffer, der sich dem Hitler-Regime in Deutschland widersetzt hatte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste.

Der Bischof zitierte Bonhoeffer:

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.

Bonhoeffer sei "ein Weizenkorn" gewesen, "das in die dunkle Erde gesät wurde. Doch was für eine Ernte hat dieser Same hervorgebracht! Ja, auch in unseren Tagen kann ein christliches Leben so aussehen."

Dies habe "eine tragische Dimension",räumte Varden ein, sei aber "weder traurig noch bitter. Ganz im Gegenteil, es ist geprägt von Leichtigkeit, Freude, menschlicher Wärme und einer ganz eigenen, unwiderstehlich anziehenden Freiheit. Daran sollten wir uns erinnern, wenn wir heute das Fest des heiligen Olav feiern, des Märtyrers."

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