Papst Franziskus: "Mit dem Kreuz verhandelt man nicht!"

Gründonnerstag, 1. April 2021: Papst Franziskus feiert die Chrisam-Messe im Petersdom
Foto: EWTN News/Evandro Inetti/Vatican Pool

"Das Wort Jesu hat die Macht, all das zu Tage zu bringen, was man im Herzen trägt": Doch dafür müssen katholische Priester auch das Kreuz annehmnen und den Glauben verkündigen. Das hat Papst Franziskus am heutigen Gründonnerstag in seiner Predigt bei der Feier der Chrisammesse betont.

Im Kreuz gebe es "keine Zweideutigkeit", betonte der Papst gegenüber seinen Zuhörern, der damit erneut zur Evangelisierung aufrief – wenn auch im Kontext des nahenden Karfreitags in dieser Zeit des Triduum Sacrum.

Mit Blick auf eine Stelle im Evangelium nach Lukas erzählte der Pontifex, wie ein kleiner Satz den Hass der Menschen auf Jesus "auf heimtückische Weise viral" werden lässt, wie es Papst Franziskus am 1. April im Petersdom ausdrückte: "Wer ist denn das? Ist das nicht Josefs Sohn?"

Damit sei die Stimmung des Wohlwollens der Menschen in Nazareth gegen Jesus gekippt, sagte der Papst.

"Es handelt sich um einen jener zweideutigen Sätze, die man beiläufig in den Raum stellt. Der eine mag ihn aufgreifen, um Freude zum Ausdruck zu bringen: Wie wunderbar, dass einer aus so bescheidenen Verhältnissen mit solch einer Vollmacht redet! Und ein anderer kann ihn benutzen, um mit Verachtung zu sagen: Wo kommt der denn her? Für den hält er sich?"

Jesus habe in diesem Fall die bösartige Logik, die sich hinter dem Anschein eines einfachen Geredes in einem Dorf verbarg, entlarvt und beantwortet, fuhr Franziskus fort. "Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!" (Lk 4,23).

Der Herr habe auch hier – wie immer – keinen Dialog mit dem bösen Geist, dem Teufel geführt, so der Papst: "Er antwortet nur mit der Schrift."

"Das Wort Jesu hat die Macht, all das zu Tage zu bringen, was man im Herzen trägt: Es ist gewöhnlich ein Gemisch wie Weizen und Unkraut. Und dies ruft einen geistlichen Kampf hervor".

In diesem Fall sei Jesu Wort nicht angenommen worden, fügte Franziskus hinzu. Die Menge habe vielmehr zornentbrannt versucht, ihm das Leben zu nehmen. "Aber die 'Stunde' war noch nicht gekommen und der Herr, so sagt uns das Evangelium, 'schritt mitten durch sie hindurch und ging weg'".

Die Stunde war nicht gekommen, aber die Geschwindigkeit, mit der die tobende und verbissene Wut sich entlud, die den Messias in diesem Augenblick zu töten im Stande gewesen wäre, zeige, dass die Stunde "immer da ist", erklärte der Papst: Und dies möchte ich heute mit euch teilen, liebe Priester: dass die Stunde der freudigen Verkündigung und die Stunde der Verfolgung und des Kreuzes Hand in Hand gehen."

Die Verkündigung und das Kreuz

"Die Verkündigung des Evangeliums ist immer an die Annahme eines konkreten Kreuzes gebunden. Das sanfte Licht des Wortes bringt in den bereitwilligen Herzen Klarheit hervor und in denen, die es nicht sind, Ablehnung. Dies sehen wir ständig im Evangelium", so der Pontifex.

Die Bibel zeige, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft geheimnisvoll mit Verfolgung und Kreuz in Verbindung steht, sagte der Papst, der zum Abschluss seiner Predigt eine Anekdote aus seinem Leben erzählte.

"Es kam eine sehr alte Ordensschwester mit hellen, geradezu strahlenden Augen. Sie war eine Frau Gottes. Da habe ich den Wunsch verspürt, sie für mich um etwas zu bitten, und habe ihr gesagt: 'Schwester, als Buße beten Sie für mich, weil ich einer Gnade bedarf. Bitten Sie den Herrn darum. Und wenn Sie den Herrn darum bitten, wird er sie mir gewiss gewähren'. Sie schwieg und wartete eine gute Weile, als ob sie beten würde, und schaute mich dann an und sagte mir: 'Sicherlich wird der Herr Ihnen die Gnade geben, aber täuschen Sie sich nicht: er wird sie auf seine göttliche Weise geben'. Dies hat mir sehr gut getan: zu spüren, dass der Herr uns immer das gibt, worum wir bitten, aber er tut es auf seine göttliche Weise. Diese Weise bringt das Kreuz mit sich. Nicht aus Masochismus, sondern aus Liebe, aus Liebe bis zum Ende."

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