Papst Franziskus: Religionsfreiheit ist "beste Grundlage" für Zusammenleben

Papst Franziskus und der kasachische Präsident Qassym-Schomart Toqajew, 13. September 2022
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat sich in seiner ersten Ansprache nach seiner Ankunft in Kasachstan als "Pilger des Friedens" bezeichnet, der "auf der Suche nach Dialog und Einheit" sei. Die Religionsfreiheit sei "die beste Grundlage für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben", so der Papst im Rahmen seiner Begegnung mit den Vertretern der kasachischen Regierung und der Zivilgesellschaft sowie dem Diplomatischen Korps.

"Die rund hundertfünfzig ethnischen Gruppen und die mehr als achtzig Sprachen, die es im Land gibt, mit ihren unterschiedlichen Geschichten, kulturellen und religiösen Traditionen fügen sich zu einer außergewöhnlichen Symphonie und machen Kasachstan zu einem einzigartigen multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Labor und offenbaren seine besondere Berufung, Land der Begegnung zu sein", sagte der Pontifex.

Er wolle diesbezüglich den Beitrag der Religionen unterstreichen und "die Ehre haben, am siebten Kongress der Führer der Welt- und traditionellen Religionen teilzunehmen".

"Indem die Verfassung von Kasachstan das Land als weltanschaulich neutral definiert, sieht sie die Religions- und Glaubensfreiheit vor, ebenso wie die Freiheit, eine Religionszugehörigkeit abzulehnen und verbietet Zwangskonversion und Zwangsmitgliedschaft", sagte Papst Franziskus. "Eine gesunde weltanschauliche Neutralität, die die wertvolle und unersetzliche Rolle der Religion anerkennt und dem Extremismus, der sie zerstört, entgegenwirkt, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gleichbehandlung aller Bürger sowie für die Förderung des Zugehörigkeitsgefühls zum Staat bei allen ethnischen, sprachlichen, kulturellen und religiösen Gruppen."

Auch für die Religionen selbst sei es wichtig, die Möglichkeit zu haben, "sich frei zu äußern", weil sie "die unverzichtbare Aufgabe haben, das Absolute zu suchen und zu bezeugen".

"Gute Politik"

Eine "gute Politik" könne man daran erkennen, dass sie "den Menschen zuhört und auf ihre berechtigten Bedürfnisse antwortet", "die Zivilgesellschaft sowie Nichtregierungs- und humanitäre Organisationen kontinuierlich miteinbezieht" und "eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber Arbeitnehmern, Jugendlichen und den schwächsten Bevölkerungsschichten hat".

"Dieser wahrhaft demokratische Politikstil ist die wirksamste Antwort auf möglichen Extremismus, Personenkult und Populismus, die die Stabilität und das Wohlergehen der Völker bedrohen", sagte der Papst. "Ich denke dabei auch die Notwendigkeit einer gewissen wirtschaftlichen Sicherheit, die hier zu Beginn des Jahres in Gegenden gefordert wurde, in denen es trotz der reichlich vorhandenen Energieressourcen vielerlei Schwierigkeiten gibt. Diese Herausforderung betrifft nicht nur Kasachstan, sondern die ganze Welt, deren ganzheitliche Entwicklung durch eine weit verbreitete Ungerechtigkeit in Geiselhaft gehalten wird, weshalb die Ressourcen in ungleicher Weise verteilt sind."

Sowohl Staat als auch Wirtschaft seien aufgefordert, "alle Bevölkerungsgruppen gerecht und mit gleichen Rechten und Pflichten zu behandeln und die wirtschaftliche Entwicklung nicht im Hinblick auf den Verdienst einiger weniger, sondern auf die Würde eines jeden Arbeitnehmers zu fördern".

Diplomatie

Papst Franziskus sprach von einer "Notwendigkeit, das diplomatische Engagement zugunsten des Dialogs und der Begegnung zu erweitern". Dies werde "immer dringlicher, denn das Problem des einen ist heute das Problem aller, und wer in der Welt mehr Macht hat, trägt eine größere Verantwortung gegenüber den anderen, insbesondere gegenüber den Ländern, die am stärksten durch eine Logik des Konflikts erschüttert werden".

"Darauf sollte man achten und nicht nur auf die Interessen, die einem selbst zum Vorteil gereichen", sagte der Pontifex. "Es ist an der Zeit, das Zuspitzen von Rivalitäten und das Verfestigen einander entgegengesetzter Blöcke zu vermeiden. Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, die es den Völkern auf internationaler Ebene ermöglichen, einander zu verstehen und miteinander zu reden, und die einen neuen 'Geist von Helsinki' aufkommen lassen, den Willen, den Multilateralismus zu stärken, um mit Blick auf die kommenden Generationen eine stabilere und friedlichere Welt aufzubauen."

In diesem Kontext brachte Franziskus seine "tiefe Anerkennung für den Verzicht auf Atomwaffen zum Ausdruck, den dieses Land entschieden vollzogen hat, sowie für die Entwicklung einer Energie- und Umweltpolitik, die sich auf die Dekarbonisierung und Investitionen in saubere Energiequellen konzentriert, was die Weltausstellung vor fünf Jahren besonders herausgestellt hat".

"Zusammen mit der Aufmerksamkeit für den interreligiösen Dialog und die Toleranz sind dies konkrete Samen der Hoffnung, die in den gemeinsamen Boden der Menschheit gepflanzt wurden und die wir nun für die kommenden Generationen pflegen müssen", fasste der Papst zusammen und erwähnte ausdrücklich "die jungen Menschen, auf deren Wünsche wir bei den Entscheidungen von heute und morgen sehen müssen".

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