Papst Franziskus und die Kurienreform: Wird 2020 ein gutes Jahr dafür?

Ansprache von Papst Franziskus an die Nuntien am 13. Juni 2019 in der Sala Celementina, im Apostolischen Palast des Vatikans
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat zum Ende diese Jahres die Normen bezüglich des Kardinaldekans geändert: Dieses Amt ist kein auf Lebenszeit verliehenes Amt mehr, sondern der Kardinaldekan wird für eine Periode von fünf Jahren gewählt, mit der Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung. Das ist eine Entscheidung, die letztendlich den Geist der Kurienreform widerspiegelt. Denn sollten die Indiskretionen bestätigt werden, wird es in der Kurie, die gemäß Praedicate Evangelium reformiert sein wird, nur Aufgaben geben, die fünf Jahre lang ausgeübt werden, verlängerbar jeweils um weitere fünf.

Über diese und weitere Neuerungen berichtet Andrea Gagliarducci von ACI Stampa, der italienischen Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Die Rede ist diesbezüglich auch von einer umfassenderen Präsenz von Laien und Frauen, auch in leitenden Funktionen der Kurie. Generell soll es eine Restrukturierung der Päpstlichen Räte und Kongregationen geben, die alle Dikasterien genannt werden. In seiner Ansprache beim Weihnachtsempfang für die römische Kurie hat Papst Franziskus besonders vier Dikasterien erwähnt: die Kongregation für die Glaubenslehre und die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, das Dikasterium für die Kommunikation und das Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen.

Wenn man die Rede des Papstes als bezeichnend ansehen will, so wird es in diesen Dikasterien die größten Veränderungen geben. Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung wird Kardinal Luis Antonio Tagle, der im Januar aus Manila ankommen wird, wo er bislang Erzbischof war. Seine Aufgabe wird es sein, den Übergang zum neuen Dikasterium zu leiten, in dem auch der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung aufgenommen wird. Erste Evangelisierung und Neuevangelisierung werden vereint, da wir, wie der Papst in seiner Ansprache betonte, durchaus nicht mehr in einer christlichen Welt leben, in der diese beiden Bereiche deutlich unterschieden werden können. Alles solle daher Evangelisierung sein.

Die Kongregation für die Glaubenslehre wird zum Dikasterium für den Glauben und in der neuen Konstitution über die Kurie wird sofort nach dem Dikasterium für die Evangelisierung kommen.

Die Änderungen betreffen dort vor allem den Umgang mit Missbrauchsfällen.

Auch für das Büro des Generalrevisors gelten neue Regelungen, die es besser in die Struktur der Kurie einfügen, während es zuvor wie ein außenstehender Fremdkörper erschien. Das Wirtschaftssekretariat verliert die Bevollmächtigung zur Verwaltung der Güter, die an die APSA (Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls) zurückkehrt, die als Schatzamt und Zentralbank fungiert.

Im Bereich der Kommunikation gab und gibt es ebenso verschiedene Reformen. Ein Komitee und eine Kommission zur Vorbereitung, später ein Namenswechsel von Sekretariat in Dikasterium, der auch die Natur der Kommunikation betrifft. Die Aktivitäten stehen nun unter dem Zeichen der Multimedialität, wie Papst Franziskus erklärt hat.

Generell könnte man von einer Reform mit zwei Geschwindigkeiten sprechen: Auf der einen Seite die Entscheidungen von Papst Franziskus, die bereits einige Prinzipien der Reform umsetzen, während bestimmte Dikasterien auch bereits in ihrer definitiven Form auftreten: Das Wirtschaftssekretariat, das Dikasterium für die Kommunikation, das Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben, das Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen.

Auf der anderen Seite die Diskussionen über die neue Konstitution Praedicate Evangelium, die die Konstitution Pastor Bonus ersetzen wird.

Zwei Geschwindigkeiten deshalb, weil keine der bereits bestehenden Neuerungen in der Pastor Bonus enthalten sind. Das Wirtschaftssekretariat ist nicht darin enthalten, die neuen Dikasterien sind es nicht, die fünfjährigen Amtszeiten, die teilweise jetzt schon greifen, sind es nicht.

Zudem gibt es in den Diskussionen Schritte in eine Richtung und Schritte wieder zurück. Anfangs dachte man sogar darüber nach, das Staatssekretariat abzuschaffen. Nun bleibt das Staatssekretariat das Zentrum der Kurie, wie es Paul VI. gewollt hatte.

Innerhalb des Staatssekretariats soll es ein "Päpstliches Sekretariat" geben, das verschiedene Organismen koordinieren und die Aufgaben der partikularen Sekretariate des Papstes übernehmen soll.

Außerdem stand im Raum, dass die Protokollfunktion und die Organisation der Papstaudienzen dem Staatssekretariat übertragen werden sollte, wodurch faktisch die Präfektur des Päpstlichen Hauses abgeschafft worden wäre. Dieses Thema scheint jedoch mittlerweile vom Tisch zu sein.

Darüber hinaus ist die Errichtung eine interdikasteriale Kommission für Ereignisse von größerer Bedeutung und die periodische Einberufung der Dikasterien geplant.

Ein weiteres Thema ist jenes des Camerlengo. Dem Camerlengo obliegt die Leitung der Apostolischen Kammer, die die Güter der Kirche bei einer Sedisvakanz verwaltet.

Der aktuelle Camerlengo ist Kardinal Kevin J. Farrell, der auch Präfekt des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben ist. Praedicate Evangelium sieht vor, dass derjenige, der Koordinator des Wirtschaftsrates ist, im Fall des Todes oder des Rücktritts des Papstes, das Amt des Camerlengos übernimmt. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das Kardinal Reinhard Marx.

Alles ist auf einen Wandel in der Mentalität ausgerichtet. Die Konstitution Praedicate Evangelium wird betonen, dass die Angestellten in der Kurie mindestens vier Jahre Erfahrung vorweisen sollen und es wünschenswert sei, dass sie während ihrer Dienstzeit in der Kurie auch eine pastorale Tätigkeit übernehmen. Die Dikasterien sind für die ständige Weiterbildung ihres Personals verantwortlich.

Ein Beispiel für die genannte neue fünfjährige Dienstzeit ist Pater Juan Antonio Guerrero Alves, der neue Präfekt des Wirtschaftssekretariats.Pater Guerrero soll zudem gebeten haben, nicht zum Bischof geweiht zu werden, um am Ende seiner Dienstzeit in der Kurie wieder zu seinen Aufgaben in der Gesellschaft Jesu zurückkehren zu können. Man denkt - durch das jeweils einmal verlängerbare fünfjährige Mandat - in der Tat an eine größere Mobilität bei den Mitgliedern der Kurie.

Eine weitere, ebenfalls von Papst Franziskus vorweggenommene Entscheidung ist es, ein Amt in der Kurie zu bekleiden und gleichzeitig einen pastoralen Dienst auszuüben. Dies bezeugt beispielsweise die Vorgehensweise, Erzbischofs Charles J. Scicluna zum stellvertretenden Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre zu ernennen, ihn aber in seinem Sitz in Valletta zu belassen.

Laut Bischof Marcello Semeraro, dem Sekretär des Kardinalsrates, erklären sich all diese Entscheidungen durch das "pastorale Kriterium".

Diverse Entscheidungen des Papstes müssten so gelesen werden: von der dritten Sektion des Staatssekretariates, dem die besondere Betreuung des diplomatischen Personals des Heiligen Stuhls aufgetragen ist, bis hin zu Magnum Principium, dem Motu Proprio von Papst Franziskus, durch das den Bischofskonferenzen mehr Verantwortung bei der Übersetzung von liturgischen Texten übertragen wird, oder bis hin zur Arbeit der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, die darauf abzielt, die Sorge für die Opfer zu verbessern.

Das ist ein Schlüssel zum Verständnis der Reformen von Papst Franziskus, aus dem es möglich ist, verschiedene Schlussfolgerungen abzuleiten. Man erwartet mehr Verantwortlichkeiten für die Diözesen und eine "schlankere" Kurie – nicht im Sinn der Strukturen, sondern im Sinn von Verantwortung und politischem Gewicht: Die Kurie hält "die Maschine am Laufen", aber sie ist vor allem zur pastoralen Betreuung der im Vatikan arbeitenden Personen berufen.

Man erwartet auch, dass der Entwurf für die Konstitution tiefgreifend geändert wird. Durch die Befragung, die weltweit durchgeführt wurde, kamen viele Änderungsvorschläge. In der ersten Debatte waren einige ungelöste Fragen nicht angegangen worden, wie zum Beispiel jene des emeritierten Papstes.

Im Arbeitspapier verwunderte auch die Bezugnahme auf die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung: die Sprache der Vereinten Nationen war praktisch im den Reformentwurf übernommen worden, während die katholische Soziallehre und das Prinzip einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung außer Acht gelassen wurden.

Man erwartet auch, dass Papst Franziskus seinen Weg weitergehen wird, der ein Weg der generellen Gleichstellung der Ämter der Kurie ist. Keines soll eine vorherrschende Rolle einnehmen, auch wenn die Geschichte dabei auf seiner Seite wäre.

Zuletzt erwartet man vor allem, dass diese Reform, wenn es sie gibt, ein Ausgangspunkt und kein Endpunkt sein wird.

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