Petrusbruderschaft reagiert auf "Traditionis Custodes" mit Verwunderung und Appell

Priesterweihe der Petrusbruderschaft am 26. Juni 2021 im bayerischen Benediktinerkloster Ottobeuren.
Foto: FSSP

Die Petrusbruderschaft, eine Gemeinschaft von Priestern, die der traditionellen lateinischen Messe (TLM) verschrieben ist, hat "mit Verwunderung" auf das Schreiben "Traditionis Custodes" von Papst Franziskus reagiert. Die Gemeinschaft erinnert an die Früchte ihrer Arbeit und appelliert an die Bischöfe, die Gläubigen, die der TLM anhängen, nicht im Stich zu lassen. 

In einer offiziellen Stellungnahme schreibt die Priesterbruderschaft St. Petrus, "in keiner Weise" erkenne man sich in den von Papst Franziskus vorgebrachten Kritikpunkten wieder.  

"Es ist erstaunlich, dass die vielen Früchte, die in jenen Apostolaten sichtbar werden, die mit dem Messbuch des hl. Johannes XXIII. verbunden sind, sowie die Freude der Gläubigen, die von dieser liturgischen Form profitieren, nicht erwähnt werden", so die Stellungnahme.

"Viele Menschen haben dank dieser Liturgie den Glauben entdeckt oder sind zum Glauben zurückgekehrt. Es ist nicht zu übersehen, dass aus den oft jungen und blühenden Gemeinden viele christliche Familien, Priester- und Ordensberufungen hervorgegangen sind", stellt die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri (FSSP) fest.

"Wir hoffen, auf das Verständnis der Bischöfe zählen zu können, deren Autorität wir immer respektiert und denen gegenüber wir uns stets loyal verhalten haben", erklärt das Kommuniqué weiter.

Die FSSP ist seit vielen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum präsent, darunter in den Bistümern Rottenburg-Stuttgart sowie München und Freising. Nach bisherigen Angaben deutscher Bischöfe gegenüber CNA Deutsch wird sich daran vorerst nichts ändern; Bischof Gebhard Fürst und mehrere Pressestellen anderer Diözesen bestätigten gegenüber dieser Agentur die guten Beziehungen und die Absicht, bestehende Regelungen beizubehalten.

Nach Angaben der Gemeinschaft gibt es 17 Niederlassungen der FSSP allein in Deutschland. An rund 80 Orten können dort Gläubige jeden Sonntag die heilige Messe besuchen. 

Eine weitere Hochburg der weltweit dienenden Petrusbrüder sind die USA. Die FSSP ist in 39 Diözesen in den Vereinigten Staaten aktiv und hat 54 Apostolate. Es gibt 112 Priester der FSSP in den Vereinigten Staaten.

Einige US-Bischöfe haben sich entschieden, die lateinische Messe in ihrer Diözese entweder auf Pfarreien zu beschränken, die von Gemeinschaften wie der FSSP geführt werden, oder sie haben ihren Priestern die Erlaubnis erteilt, weiterhin die traditionelle Messe zu lesen.

Bischof Thomas Paprocki von Springfield im US-Bundesstaat Illinois hat am Montag in einem Dekret zwei Pfarreien seiner Diözese von der Vorschrift des Motu proprio befreit, dass traditionelle Messen nicht in Pfarrkirchen angeboten werden dürfen.

Ähnliche Lösungen zeichnen sich auch in Frankreich ab, wo die Bischöfe gemeinsam der wachsenden Zahl von Katholiken ihre Hochachtung versichert haben, die die TLM feiern und fördern.

Stichwort Traditionis Custodes

Mit dem Motu proprio, das wörtlich "Hüter der Tradition" heißt und am 16. Juli herausgegeben wurde, verfügte Papst Franziskus mit sofortiger Wirkung weitreichende und tiefgreifende Änderungen des Schreibens Summorum Pontificum seines Vorgängers Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007. Dieses erkannte das Recht aller Priester an, die Messe unter Verwendung des Römischen Messbuchs von 1962 zu feiern.

In einem Begleitbrief an die Bischöfe, in dem er seine Entscheidung darlegt, schreibt Papst Franziskus: "Zur Verteidigung der Einheit des Leibes Christi sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Erlaubnis zu widerrufen. Der verzerrte Gebrauch, der von dieser Erlaubnis gemacht worden ist, steht im Widerspruch zu den Absichten, die zur Gewährung der Freiheit geführt haben, die Messe mit dem Missale Romanum von 1962 zu feiern."

Das neue Motu proprio, das mit sofortiger Wirkung herausgegeben wurde, besagt einerseits, dass ausschließlich der jeweilige Ortsbischof entscheiden kann, die Feier der lateinischen Messe in der überlieferten Form in seiner Diözese zu autorisieren. Andererseits setzt es fest, dass die Bischöfe keine Messen im usus antiquior in Pfarrkirchen feiern lassen dürfen, und jeder neu geweihte Priester, der die heilige Messe in dieser Form des römischen Ritus feiern will, muss nach diesen Maßgaben dafür einen Antrag in Rom stellen. 

Das könnte Sie auch interessieren: