Seid glaubwürdig! Was junge Ordensfrauen und Ordensmänner von der Jugendsynode erhoffen

Karmeliterinnen
Foto: Wikimedia (CC BY-SA.30)
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Tonia Borsellino weiß, dass sie zu einer absoluten Minderheit gehört. Das stört sie nicht. Tatsächlich scheint die junge Frau stolz darauf zu sein.

Eigentlich heißt sie Schwester Tonia Borsellino. Und als frisch verschleierte, 23-jährige Novizin beim Orden der Mercedarier gehört sie zu den gerade mal einem Prozent der Ordensschwestern in ihrem Land, die noch keine 40 Jahre alt sind.

Auch wenn sie ein anderes Leben führt als katholische Laien: Borsellino sagt, sie wünscht sich eigentlich das gleiche von den Bischöfen, die gerade an der Synode über "Jugend, den Glauben und die Berufungsentscheidung" im Vatikan teilnehmen.

CNA sprach mit mehreren jungen geweihten Ordensschwestern und -brüdern über ihre Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen an die Jugendsynode.

Zu ihren Hauptanliegen gehört etwas ganz Einfaches, was doch vielen Bischöfen und anderen heute fehlt: die buchstäbliche Glaubwürdigkeit — Authentizität.

Schwester Tonia und die anderen jungen Ordensleute wollen ehrliche und heilige Hirten; sie wollen, dass ihre Bischöfe keine Angst haben, den jungen Menschen die volle Wahrheit des Evangeliums zu sagen, auch wenn das schwierig ist.

Die jungen Katholiken wissen: Zeitgemäß war das Christentum noch nie – und Forderungen, den Glauben an den Zeitgeist anzupassen sind so alt wie die Kirche selbst.

Bruder Lawrence Johnson, 29, ist ein Ordensmann mit den Franziskanern der Erneuerung in der Bronx in New York.

Johnson, der an einem Treffen vor der Synode in Rom mit anderen jungen Menschen teilnahm, sagte gegenüber CNA, dass Authentizität eines der Hauptanliegen der Delegierten bei diesem Treffen sei.

Die Wörter "authentic" oder "authenticity" erscheinen siebenmal im 14-seitigen Vorbereitungsdokument.

"Wir sprachen auf der Vorsynoden-Versammlung darüber, wie stark das persönliche Zeugnis ist, wie das persönliche Bekenntnis des Glaubens etwas ist, das bei jungen Menschen wirklich ankommt. Und das würde ich mir von Oberhäuptern der Kirche wünschen…, dass sie selbst ihr eigenes Zeugnis ablegen über die Kraft ihrer Begegnung mit Christus. Das ist etwas, was Jugendliche hören müssen", sagte der junge Franziskaner.

Gerade angesichts der weltweiten Missbrauchs- und Vertuschungskrise braucht die Kirche diese Glaubwürdigkeit und das persönliche Zeugnis der Bischöfe, betonte der junge Ordensmann.

Junge Menschen erwarten Antworten von ihren Hirten auf die Frage, warum sie auch in schwierigen Zeiten noch katholisch sind, so Johnson, "weil auch Ordensleute und Priester in Versuchung geraten können, entmutigt zu werden".

"Also denke ich, dass wir über das Geschehene reden müssen, um glaubwürdig und authentisch zu sprechen, aber gleichzeitig mit Freude und Leidenschaft…. konzentriert auf das Zentrum unseres Glaubens, auf die Realität der Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus manifestiert."

Die Paulus-Schwester Benedicta Turner ist eine weitere junge Ordensfrau — "ja, es gibt uns wirklich!", bestätigte sie lachend. Ihre Hoffnung sei, dass die Synodenväter den Wunsch junger Menschen nach Klarheit und Wahrheit erkennen, auch wenn diese "schwierig" ist.

"Diese Generation der Jugend ist eine, die Klarheit und Authentizität sehr schätzt. Vielleicht sogar zu sehr", betont die junge Schwester. Klarheit und Wahrheit werden ernst genommen. Aufpolierte, lauwarme Inhalte dagegen werden ignoriert, so Benedicta Turner.

"Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, die keine Angst haben, uns das Evangelium in seiner intensivsten, unverdünnten Form zu geben; das Evangelium, für das die Märtyrer ihr Leben gegeben haben und dessen Schönheit im Laufe der Jahrhunderte unzählige Kunstwerke inspiriert hat", fügte sie hinzu.

Bruder Neil Conlisk, ein 30-jähriger Karmelit, ist skeptisch, was die Jugendsynode betrifft. Er befürchte, die Bischöfe werden bei der Synode nicht auf den Wunsch junger Menschen nach Authentizität und Wahrheit hören. Vielmehr werde es "business as usual" geben — und nur viel über Jugend gesprochen, statt über die Wahrheit und Verkündung Jesu.

"Niemand will eine weltliche Kirche", sagte er gegenüber CNA. "Ich fürchte, dass die Synodenväter versuchen werden, die Kirche im Namen der Jugend zu verändern, aber dieses ‚Change-the-Church‘-Fieber ist ein Symptom für die Krankheit, die den langen Niedergang verursacht hat, und wir können es uns einfach nicht leisten, die Kirche weiter zu zerstören."

"Wir hören von vielen Bischöfen moralistisch-therapeutischen Deismus, aber wir wollen die Fülle des Glaubens in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche", fügte er hinzu.

Johnson sagte, dass das, was er von der Synode erhofft, eine größere Anerkennung der Notwendigkeit ist, ein Leben in Heiligkeit zu führen, damit junge Menschen Vorbilder für das christliche Leben haben.

"Junge Menschen müssen Beispiele der Heiligkeit sehen, damit sie wissen, dass das Christentum wahr ist, schön und erreichbar", sagte er.

Dieses Bedürfnis nach Beispielen christlicher Heiligkeit ist nicht neu, sagte Borsellino gegenüber CNA, aber es herrsche ein ständiger Bedarf danach, in der gesamten Geschichte der Kirche.

"Junge Menschen brauchen radikale, authentische Zeugen des Evangeliums in dieser Welt, die bereit sind, zu ihren Herzen zu sprechen", sagte sie. "Das war schon immer ein Bedürfnis und wird es immer sein. Jesus wusste das gut, als er diese engen Beziehungen zu seinen Jüngern aufbaute." 

Die Berufungsentscheidung ist ein weiterer Schwerpunkt der Jugendsynode. Als junge Menschen, die zumindest die ersten Schritte einer religiösen Berufung erkannt haben, sagten viele der jungen Ordensleute gegenüber CNA, dass sie hofften, dass die Synodenväter betonen, wie wichtig eine Beziehung zu Jesus durch Gebet und die Sakramente ist, als Schlüssel der Erkenntnis einer Berufung.

"Bei der Unterscheidung geht es darum, auf Gottes Stimme zu hören, und das kann man nicht tun, ohne eine Beziehung zu Jesus zu haben", sagte Schwester Kathryne von der Heiligen Dreifaltigkeit, eine 26-jährige Schwester der Mercedarier. "Wenn diese Beziehung erst einmal aufgebaut ist, kann sie nicht stagnieren."

Johnson sagte, er sei überrascht von dem starken Wunsch nach einem besseren Zugang zu den Sakramenten und der Eucharistischen Anbetung, den die Delegierten bei der Sitzung vor der Synode zum Ausdruck brachten - etwas, das im Arbeitsdokument der Synode wiedergegeben wurde.

"Wenn es um Fragen der Berufung und der Bereitschaft geht, den Willen Gottes zu erkennen, denke ich, dass es wichtig ist, sich auf das Schweigen zu konzentrieren und in der Eucharistie in der Gegenwart Christi zu sein", sagte er.

Ein weiterer Wunsch der Jugendlichen aus dem Dokument: Eine bessere, stärkere Ausbildung im Glauben. Borsellino sagte, sie sei überrascht, wie viele grundlegende Dinge über den Glauben sie bis zu ihrem Ordensleben nicht wusste, und betonte die Notwendigkeit der Weiterbildung auch nach der Firmung junger Menschen.

Insgesamt sagte Borsellino, dass sie ermutigt sei, dass die Bischöfe versuchen, auf die jungen Menschen der Kirche zu hören, und ermutigte die Katholiken, sich nicht zu sehr von der wachsenden Zahl junger Menschen entmutigen zu lassen, die sich nicht als religiös beschreiben.

"Ich denke, die bisherigen Botschaften der Jugendsynode sind ein Beweis für den Wunsch der Jugendlichen nach der Wahrheit, die Jesus Christus ist", sagte sie.

"Junge Leute mögen zuerst nur Spaß haben, aber dann klickt etwas, weil wir der wahren Gegenwart Christi in unserem Leben begegnen."

Sie fügte hinzu, dass alle Pfarreien und die gesamte Kirchengemeinschaft sich gegenseitig auf dem Weg zum Heiligen Geist unterstützen müsse.

"Wir müssen alle, Jung und Alt, füreinander beten!"

Übersetzt und redigiert von AC Wimmer.

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