St. Tarzisius: Schutzheiliger der Ministranten und Erstkommunionkinder

Statue des heiligen Tarzisius auf dem Areal der Calixtus-Katakomben in Rom
Foto: Bernhard Lang / Tanja Konsbruck // Wikimedia (CC0)

Der hl. Tarzisius wird verehrt als Schutzheiliger der Ministranten und Erstkommunionkinder. Sein Gedenktag ist der 15. August, am Festtag Mariä Himmelfahrt. Der Überlieferung zufolge war er ein 15-jähriger Junge, der als Akolyth oder Diakon dem Priester in der Seelsorge half. Er lebte in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in Rom. Es war eine Zeit, in der die christliche Gemeinde Roms schwere Verfolgung zu erdulden hatte. Der Legende zufolge wurde er in Ausübung seines Dienstes, nämlich während er die Heilige Eucharistie zu Gefangenen und Kranken brachte, erschlagen und erlitt so, die hl. Gaben schützend, das Martyrium.

Dies berichtet die Legende vom heiligen Tarzisius:

Wir befinden uns an einem Tag um das Jahr 64 nach Christus. Nach der hl. Messe in einer Katakombe an der Via Appia spendet Pater Festus der römischen Christengemeinde den Segen. Die Christen haben Angst. Der als grausame bekannte Kaiser Nero hat dort, wo er Christen in Rom vermutete, Teile der Stadt anzünden lassen. Jetzt geht das Gerücht um, die Christen hätten selbst das Feuer gelegt. Nero verlangte, die Christen sollten ihre Mitchristen anzeigen, denn nur dann könnten sie des Kaisers Freunde sein. Durch diese Form der Denunziation kamen viele in die Gefängnisse Roms.

In dieser aufgeladenen Stimmung nimmt sich Pater Festus den zwölfjährigen Tarzisius, den er gut kennt, zur Seite und beauftragt ihn:

"Nimm diesen Krug mit Wein und dieses Tuchbündel mit dem gebrochenen Brot und verstecke es unter deiner Tunika. Begib dich heute Abend zu der kleinen Straße durch den Circus Maximus. Begib dich auf dem kürzesten Weg in das erste Haus der Straße. Dort warten Ursula und Linus auf dich. Ihnen übergibst du alle die eucharistischen Gaben, das heilige Brot und den Wein. Unsere Alten und Kranken warten darauf. Sie sollen durch diese Gottesgaben gestärkt werden."

Pater Festus, der wusste, dass Tarzisius ein gutes Herz hat und dazu noch zuverlässig ist, spricht weiter:

"Du wirst Grüße und Segenswünsche von mir und von uns allen ausrichten. Bei Mutter Ursula kannst du dich mit einem kräftigen Abendessen stärken. Danach bringst du den leeren Krug und das Tuch zu mir zurück. Gehe im Frieden Christi, lieber Tarzisius."

So einen Auftrag bekommt Tarzisius nicht zum ersten Mal. Er weiß, wie er sich zu verhalten hat. So nimmt er frohen Mutes den Krug und das Tuchbündel unter sein Gewand und macht sich auf den Weg.

Bei der Arena des Circus Maximus herrscht viel Betrieb. Drei gleichaltrige Jungen vertreiben sich hier die Zeit. Als sie Tarzisius sehen, rufen sie:

"Komm, wir brauchen noch jemanden, sonst können wir das Würfelspiel nicht spielen".

Tarzisius, der zwei von ihnen kennt und schon oft mit ihnen gespielt hat, antwortet:

"Ein anderes Mal gerne. Jetzt muss ich weiter. Ich werde erwartet."

Aulus, einer von den dreien, sagt:

"Sei kein Spielverderber. Wir warten auf dich."

Tarzisius bleibt nicht stehen sondern sagt im Weitergehen:

"Heute nicht, Kameraden, aber ich wünsche euch einen schönen Abend."

Da ruft ihm Alanus wütend nach:

"Du bist ein Feigling, Tarzisius! Und überhaupt, was trägst du eigentlich unter deinem Umhang? Das muss etwas Kostbares sein, dass du es so eilig hast. Wir wollen es sehen."

Tarzisius aber bewahrt sein Geheimnis, auch wenn er ihnen erklärt:

"Ich trage Brot und Wein mit mir!

Lasst mich weitergehen."

Da reißen die drei Jungen dem Tarzisius voller Wut den Umhang vom Leib. Dabei fällt der Tonkrug zu Boden und zerbricht. Tarzisius will wenigstens noch das heilige Brot schützen. Er klammert das Tuch, in dem es eingewickelt war, fest in seine Hände.

Die drei Jungen lachen höhnisch und schimpfen ihn aus:

"Wir zeigen dir, was passiert, wenn jemand so feige ist wie du bist."

Sie schlagen Tarzisius und werfen Steine auf ihn. Plötzlich liegt Tarzisius blutend und regungslos auf der Straße. Seine drei angeblichen Kameraden lassen den Schwerverletzten einfach liegen und rennen voller Panik davon.

Erst viel später, es ist bereits Nacht, sucht Pater Festus den treuen Tarzisius. Er findet ihn nur noch tot. Dabei umklammert er mit seinen Händen noch immer fest den kleinen Tuchbeutel mit dem heiligen Leib Christi.

Pater Festus bringt den kleinen aber großen Tarzisius in eine der Katakomben und legt ihn in ein Nischengrab und betet:

"Herr Jesus, wir bitten dich, gib uns allen den Mut und die Kraft, wie Tarzisius sie hatte. Dann brauchen wir uns auch vor den Soldaten des Kaisers Nero nicht mehr zu fürchten."

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