Tragisches Bootsunglück vor Venezuela: Mindestens 20 tote Migranten

Adveniat zum Bootsunglück vor der Küste Venezuelas: „Flüchtlingstod auf offener See muss ein Ende haben“

Eine Nation unter Druck: Venezuelas Bevölkerung leidet unter anderem a n den Folgen einer durch galoppierende Inflation verschlimmerten Armut und Hunger.
Foto: Nicolas Raymond via Flickr (CC BY 2.0)

Die Bischöfe Venezuelas haben den Tod von mindestens 20 Menschen verurteilt, die vor den katastrophalen Lebensbedingungen in Venezuela fliehen wollten.

"Der Tod der venezolanischen Flüchtlinge auf offenem Meer zeigt, wie dringend notwendig humanitäre Hilfe für die größte Flüchtlingskrise dieses Jahrhunderts in Lateinamerika ist", betonte am heutigen Donnerstag der Venezuela-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Reiner Wilhelm. Bei einem Bootsunglück vor der Küste Venezuelas sind nach bislang vorliegenden Erkenntnissen mindestens 20 venezolanische Flüchtlinge ertrunken. Offenbar starben die Flüchtlinge vor wenigen Tagen auf offener See, weil sie von den Behörden von Trinidad und Tobago in ein Boot mit zu wenig Treibstoff gesetzt und zur Rückkehr gezwungen wurden.

"Wir schließen uns der venezolanischen Bischofskonferenz an und fordern eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Umstände, die zu diesem Unglück geführt haben", sagte Wilhelm.

"Ebenso fordert Adveniat den Schutz der Menschenrechte der Migranten. Sowohl Venezuela als auch Trinidad und Tobago müssen die Rechte der Flüchtlinge anerkennen und umsetzen. Das Recht auf Asyl ist unantastbar. Das Sterben auf offener See muss ein Ende haben", so Wilhelm weiter. Eine gewaltsame Zurückweisung der venezolanischen Flüchtlinge, darunter oft auch Schwangere und Kinder, sei nicht hinnehmbar.

"Die Menschen fliehen aus ihrer Heimat, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen. Gewalt und Armut zwingen sie zu der Entscheidung, die lebensgefährliche Überfahrt mit dem Boot anzutreten", sagt der Venezuela-Experte von Adveniat.

Die Opfer stammen nach bislang vorliegenden Informationen von drei Booten, die am 12. Dezember Venezuela verlassen haben, um die Nachbarinsel Trinidad und Tobago zu erreichen. Unter den Toten befand sich auch mindestens ein freier Mitarbeiter, der ein von Adveniat begleitetes Hilfsprojekt in Venezuela unterstützt hat. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Fluchtversuche von Venezuela aus über das Meer ins benachbarte Trinidad und Tobago. Dabei kam es immer wieder zu tödlichen Bootsunglücken. Laut lokalen Medienberichten werden seit 2018 rund 100 Menschen vermisst, die mit dem Boot flüchteten. 

"Die Tragödie lenkt noch einmal den Blick auf die katastrophale Versorgungslage in Venezuela, die in den letzten Jahren bereits weit über fünf Millionen Menschen zur Flucht bewogen hat", sagt Reiner Wilhelm.

"Es fehlt an allem: Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, Benzin", betont der Venezuela-Referent. Vor allem die ländliche Bevölkerung leide unter diesen katastrophalen Lebensbedingungen. Sollte sich die Lage im kommenden Jahr nicht ändern, seien neue Fluchtbewegungen zu erwarten: "Lateinamerika muss sich nach Ende der Corona-Krise und damit verbundener Grenzöffnungen auf eine neue Fluchtwelle aus Venezuela einrichten", sagt Wilhelm. Die Weltgemeinschaft, insbesondere die Europäische Union, müsste ihre Anstrengungen erhöhen, und Lateinamerika in dieser historischen Krise mit humanitärer Hilfe beiseite stehen.

Zu den Fluchtursachen aus dem von schweren Krise erschütterten Land zählt laut Wilhelm auch eine allgemeine Politikverdrossenheit: "Weder die jüngsten Wahlen zur Nationalversammlung, die aufgrund des Boykotts zahlreicher Oppositionsgruppen nach offiziellen Angaben die Regierung gewann, als auch die Volksbefragung durch die Opposition brachte keine Klärung der innenpolitischen Krise, sondern verfestigte den Patt, wie die niedrige Wahlbeteiligung bei beiden Urnengängen bewiesen. Alle politischen Kräfte im Land sind dazu aufgerufen, die humanitäre Notlage der Bevölkerung in den Mittelpunkt ihrer Anstrengungen zu stellen."

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