"Vatikan-Oskar" verliehen: Gewinner des katholischen Filmfestivals 2020

Preisträger des "Pesce d’Argento" des katholischen Filmfestivals "Mirabile Dictu" bekanntgegeben – Über 1.000 Einsendungen

Kamera (Referenzbild)
Foto: Andrej Lišakov / Unsplash (CC0)

Das Internationale Filmfestival "Mirabile Dictu" findet seit 2010 unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Rates für Kultur in Rom statt und zählt mittlerweile zu den renommiertesten katholischen Veranstaltungen seiner Art weltweit.

"Mirabile Dictu" wurde von der italienischen Autorin, Regisseurin und Filmproduzentin Liana Marabini ins Leben gerufen. Die Idee eines unabhängigen Festivals entstand aus einem Wunsch heraus, einem besonderen Genre – dem katholischen Film – Raum und Sichtbarkeit in der Kinowelt zu geben, erklärt Marabini. Das Festival soll moralische Werte und positive Modelle fördern. Es ist eine wichtige Plattform für internationale Filmproduzenten, Regisseure und Künstler, die in ihren Werken die Glaubensthematik sowie inspirierende religiöse Fragen vermitteln möchten. Zum Wettbewerb werden nur Filme, die von hoher Qualität sind, sowie dem religiösen und moralischen Profil des Festivals entsprechen, zugelassen. Jedes Jahr wird aus über 1.000 eingesendeten Filmen aus aller Welt eine enge Auswahl für die letzten zwölf Nominierungen getroffen.

Die 11. Auflage  von "Mirabile Dictu" war für die Zeit von 23. bis 26. November 2020 geplant. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde der Wettbewerb in die virtuelle Welt des Internets verlegt.

Die Jurymitglieder, der österreichische Filmproduzent Prof. Norbert Blecha, Luca Caruso von der Ratzinger-Stiftung (Vatikan) sowie zwei britische Künstler – Rupert Wynne-James und Brian Finch – unter dem Vorsitz der Präsidentin, Principessa Maria Pia Ruspoli (Italien) haben die Bewerber von zu Hause aus bewertet und ihre Stimmen per E-Mail abgegeben. Die Leiterin des Festivals, Liana Marabini, gab am Abend des 26. Novembers auf der Internetseite die Abstimmungsergebnisse des diesjährigen Wettbewerbs bekannt.

Das vom polnischen Fernsehtheater und Filmstudio "N" produzierte Drama  "Der Tag des Zorns" unter der Regie von Jacek Raginis-Królikiewicz wurde in der Kategorie "Bester Film" ausgezeichnet.

In der Kategorie "Bester Kurzfilm" gewann der italienische Film "Medjugorje, Land des Glaubens" von Pietro Pellizzieri, der die im Zentrum der Aufmerksamkeit der Katholiken stehende Hauptstadt des Glaubens auf dem Balkan schildert. Es ist eine objektive Erzählung zwischen Glauben und Volksglauben, die diese Orte beschreibt und ihre Geschichte erzählt.

Der beste Dokumentarfilm "I have a name" von Lucia Mauro (USA) zeigt einen Blick auf die von Jacqueline C. Hayes gegründete Chicago HELP Initiative (CHI) und ihre Partner, die Bedürftigen den Zugang zu Mahlzeiten, Gesundheitsleistungen, Unterkünften, Erwachsenenbildung, Berufsausbildung und Kunst ermöglichen. Diejenigen, die Arbeitsplatzverlust, Obdachlosigkeit und andere Herausforderungen erlebt haben, erzählen ihre eigenen überzeugenden Geschichten, auch im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie. Zu den Partnerorganisationen zählen die katholische Wohltätigkeitsorganisation der Erzdiözese Chicago, die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt und die alte Kirche St. Patrick.

Zum besten Regisseur wurde der Spanier Antonio Olivié für seine Dokumentation "John Paul II is Still Alive" gekürt. Der Film schildert, wie die Heiligsprechung von Johannes Paul II. aufgrund von über 15.000 Botschaften von Heilungen oder außergewöhnlichen Ereignissen vorangetrieben wurde. Zwei dieser Fälle, an denen eine Frau aus Costa Rica und eine Ordensschwester aus Frankreich beteiligt waren, wurden von renommierten Fachärzten untersucht. Ihre Schlussfolgerung ist klar: Es gibt keine wissenschaftliche Erklärung für die Heilungen. Der Dokumentarfilm analysiert diese Wunder aus der Sicht der Protagonisten und einiger der Ärzte, die sie untersucht haben. Die Fernsehnachrichtenagentur Rome Reports interviewt Menschen, die Johannes Paul II. kannten und behaupten, durch seine Fürsprache eine besondere Gnade erhalten zu haben.

Das vom polnischen Fernsehtheater produzierte Drama "Der Tag des Zorns" unter der Regie von Jacek Raginis-Królikiewicz wurde in der Kategorie "Bester Film" ausgezeichnet. Der Regisseur ist auch der Autor des Drehbuchs, das auf einem gleichnamigen Drama des polnischen Schriftstellers jüdischer Herkunft Roman Brandstaetter basiert.

Die Handlung des Films spielt in Polen, in einem Kloster, während der Besetzung durch die Nazis. In einer kleinen Stadt findet ein Überfall auf Juden statt. Einer von ihnen, Emanuel Blatt, gelingt es zu fliehen und in einem nahe gelegenen Kloster Zuflucht zu finden. Der Prior, der den Juden beschützt, wird von seinem ehemaligen Freund besucht, einem angehenden Priester, mit dem er in Rom Theologie studierte, und jetzt ein Gestapo-Offizier. Der Autor zeigt eine tragische Wendung von Ereignissen, die das Wesen des Glaubens berühren – der Tod als Erlösung wird wahrgenommen, bewusste Akzeptanz des Leidens als höchster Sinn des Lebens. Eine der wichtigsten kollektiven Figuren dieses Mysteriums ist der Mönchschor, der mit den Worten von Psalmen die Realität des Krieges kommentiert und die Angst vor Leiden und Tod zum Ausdruck bringt. Roman Brandstaetter widmet sein Mysterium-Drama in drei Akten "dem Gedächtnis jener Polen, die durch die Hand der hitlerischen Kains als Märtyrer starben, weil sie während der Besatzung Juden geholfen und sie beschützt haben."

Die Gewinner werden mit einem besonderen Preis geehrt. "Il Pesce d’Argento", bezeichnet als ‚Vatikan-Oscar‘, ist eine Silberstatuette in Fischform, die an das erste Symbol des Christentums erinnert. Die Auszeichnung wird üblicherweise im Rahmen eines Galaabends in Rom überreicht, jedoch nicht in diesem Jahr. Die Preisverleihung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Erwähnenswert ist auch, dass bei der zehnten Auflage des Filmfestivals 2019 eine bereits mit mehreren internationalen Preisen gekürte österreichische Produktion in der Kategorie "Bester Film" mit dem renommierten "Il Pesce d’Argento" ausgezeichnet wurde. "Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis", ein Film über den seligen Tiroler Pfarrer Otto Neururer des Regisseurs Hermann Weiskopf und des Drehbuchautors Peter Mair, erzählt die wahre Geschichte des katholischen Priesters, der 1940 von den Nazis im Konzentrationslager Buchenwald auf grausame Weise zu Tode gequält wurde. Otto Neururer wurde 1996 von Johannes Paul II. selig gesprochen.

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