Neues Buch verrät, was Franziskus meinte mit "Wer bin ich, dass ich urteile?"

"Der Name Gottes ist Barmherzigkeit": Ein Komiker, ein Konvertit und ein Kardinal stellten das Interview-Buch mit Papst Franziskus in Rom vor

Ein Gruß auf dem Petersplatz: Papst Franziskus am 16. Dezember 2015
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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In seinem neuen Buch über die Barmherzigkeit Gottes erklärt Franziskus, dass seine viel zitierten Worte "Wer bin ich, dass ich urteile?" über eine homosexuelle Person, die auf der Suche nach Gott ist, einfach nur eine Reflektion der Glaubenslehre sei, wie sie im Katechismus der katholischen Kirche (KKK) stehe.

Das heute vorgestellte Interview-Buch "Der Name Gottes ist Barmherzigkeit" bildet ein Gespräch ab, das Franziskus mit dem Vatikanisten Andrea Tornielli geführt hat. Der schlanke Band von gut 100 Seiten Umfang fasst so noch einmal die Anliegen des argentinischen Pontifex in der ihm eigenen, einfachen Sprache zusammen. Das Thema Barmherzigkeit wird dabei über neun Kapitel in verschiedenen Variationen angesprochen. Im Anhang ist zudem die Bulle Misericordia vultus dokumentiert; damit verkündete Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit.

Dabei fragt Interviewer Tornielli den Papst auch, was er mit dem oft-zitierten Satz gemeint habe, den er im Flieger in Antwort auf die Frage eines Journalisten gab: "Wer bin ich dass ich urteile?" –  Er habe nur paraphrasiert, was der Katechismus über Menschen sage, die homosexuelle Neigungen hätten, antwortet Franziskus. Wörtlich steht im KKK, Absatz 2358:

"Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben dieseVeranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung,Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch dieseMenschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, dieSchwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen."

Im neuen Interview-Buch betont der Papst noch einmal: Menschen sollten nicht durch ihre Sexualität definiert werden, oder sich selbst definieren. Gott liebe alle seine Geschöpfe. "Mir ist es lieber, wenn Homosexuelle zur Beichte kommen, nahe beim Herrn bleiben, und wir alle gemeinsam beten", so der Papst im Buch.

Gottes Barmherzigkeit ermögliche uns, Scham zu fühlen, uns für unsere Sünden zu schämen. Dies sei eine Gnade Gottes: Wer SEINE Barmherzigkeit spüre, empfinde auch große Scham über sich selbst und seine Sünden, so der Papst im Buch.

Bei der Vorstellung im Augustinianum in Rom am heutigen Dienstag stellte der italienische Schauspieler Roberto Benigni den Band vor, zusammen mit Staatssekretär Kardinal Pietri Parolin – und Zhang Agostino Jianqin, einem jungen Chinesen, der seit zehn Jahren in einem italienischen Gefängnis sitzt, und sich mittlerweile zum katholischen Glauben bekehrt hat.

Kardinal Parolin sagte: "Das Buch ist kein Scoop und bietet auch keine tiefen Geheimnisse, es ist vielmehr eine Einführung oder Hinführung zur Barmherzigkeit und was damit gemeint ist".

Die deutsche Übersetzung des Büchleins ist im Kösel-Verlag erschienen.