Wie man die Kirchenkrise übersteht: Erzbischof Chaput

Erzbischof Charles Chaput im Gespräch mit CNA in Rom am 15. September 2014.
Foto: CNA/Joaquín Peiró Pérez
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In Zeiten von Skandal und Verwirrung sollten sich Katholiken um persönliche Heiligkeit bemühen und in Treue zur Kirche stehen. Das hat Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia gesagt.

"Die Treue der Katholiken zur Kirche, Generation für Generation, auch wenn ihr Führungspersonal töricht, schwach oder sündhaft war – diese Treue ist es, die die Botschaft des Evangeliums durch die Zeit trägt."

Wer zur Kirche steht, der spielt seine Rolle dabei, "der Welt das echte Leben zu bringen", sagte der Erzbischof, und erklärte: 

"Christus hat seine Jünger in seinem Namen und mit seiner Autorität ausgesandt, um sein Werk in der Welt als Kirche fortzusetzen – und nur durch die Kirche können wir heute überhaupt über Jesus sprechen", so Chaput.

Der Erzbischof war Hauptredner bei der Verleihung der St.-Josephs-Medaille in Pennsylvania am 12. September.

In seiner Ansprache betonte Chaput, dass es zuerst einmal immer um das eigene Ringen um – und Streben nach – Heiligkeit geht. Auch und gerade mit Blick auf die Verwirrung und Skandale in der Katholischen Kirche müsse dies immer Priorität haben, betonte der Oberhirte Philadelphias.

"Wenn wir Jünger sein wollen, und neue Jünger gewinnen wollen; wenn wir die Kirche des Herrn reparieren wollen, die so überschattet ist durch die aktuellen Skandale und Verwirrung: Dann müssen wir verstehen, dass das alles nicht ohne Heilige gelingen wird".

"Wir können nicht geben, was wir nicht haben", fuhr er fort. "Wenn Jesus Christus und eine echte katholische Identität nicht in der inneren Kathedrale unserer Herzen brennen, können wir das äußere Leben der Kirche in der Welt niemals wieder aufbauen."

Was persönliche Heiligkeit ist? Das erklärte Chaput anhand des heiligen Franz von Assisi: Als dieser im 13. Jahrhundert das Evangelium für sich entdeckte, kehrte er radikal um in seinem  Leben. Er trennte sich von Ablenkungen und Oberflächlichkeiten und entschied sich zu einer radikalen Verpflichtung zur Heiligkeit – weit weg von den Wegen der Welt und Weltlichkeit, aber immer mit und in der Kirche.

"Was Franziskus von vielen anderen Reformern seiner Zeit unterschied, war eine einfache Sache", sagte Chaput. "Er verstand, dass er seine Liebe zu Gott nie allein oder sogar mit einer Gruppe von Freunden ausleben konnte. Er brauchte die größere Glaubensfamilie, die Jesus gegründet hatte. Er brauchte die Kirche. So hat er sich selbst oder seinen Brüdern nie erlaubt, das Evangelium von der Kirche oder die Kirche von Jesus Christus zu trennen."

"Franziskus war immer ein Sohn der Kirche. Und als Sohn bestand er immer auf Treue und Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater und Ehrfurcht vor Priestern und Bischöfen – auch vor denen, deren Sünden dies nicht verdient hatten", sagte der Erzbischof.

Die Kirche ist unsere Mutter, so Chaput weiter: Mehr als nur eine Institution und größer als die Sünden ihres Volkes oder ihres Personals, sagte er. Es sei wichtig, dies in Zeiten der Skandalisierung nicht zu vergessen.

In seinem Vortrag betonte Chaput auch das Vorbild des heiligen Josef als Mann der Heiligkeit.

Der heilige Josef, der in der Heiligen Schrift für seine Gerechtigkeit und Frömmigkeit gelobt wird, ist ein Vorbild für Heiligkeit durch einfache Hingabe an Gott und die Familie, geprägt von Stille, um die Stimme Gottes im Alltag zu hören, sagte der Erzbischof.

Der heilige Josef arbeitete hart daran, für Maria und Jesus zu sorgen, die er treu liebte, sagte Chaput. Sein Leben war von Einfachheit und großzügigem Dienst geprägt, und er ist ein Modell männlicher Tugend für Ehemänner und Priester.

Während viele Katholiken heute vielleicht das Gefühl haben, dass sie in Ungewissheit leben oder ihr Glaube Angriffen ausgesetzt ist, sagte Chaput: "Ich denke, dies ist eigentlich ein privilegierter Moment; ein Moment, in dem wir beweisen können, wer wir wirklich sind und was wir wirklich glauben".

Er verwies auf die Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils, genauer: Die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium. Darin werde daran erinnert, dass Maria, "die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist" und "auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk" voranleuchte.

"Das ist das Bild, das wir in unseren Herzen nähren müssen – besonders in Zeiten der Verwirrung und des Skandals -, um uns auf die Realität der Kirche zu konzentrieren, die ihre institutionellen Formen zum Leben erweckt", sagte der Erzbischof.

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