Die Wiener Oktav des heiligen Stanislaus Kostka

begann auch heuer die traditionelle Oktave, die wahrscheinlich als einzige weltweit nur in Wien abgehalten wird.
Foto: Joanna Łukaszuk-Ritter
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Am 13. November, dem Gedenktag des hl. Stanislaus Kostka, beginnt in Wien die Oktav dieses Festes, das von 13. bis 20. November in der Stanislaus-Kapelle im Zentrum von Wien, vermutlich bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Jahr für Jahr gefeiert und von zahlreichen Gläubigen besucht wird. Mit einer heiligen Messe, die vom Rektor dieser Kapelle Pater Michael Zacherl SJ zelebriert wurde, begann auch heuer die traditionelle Oktave, die wahrscheinlich als einzige weltweit nur in Wien abgehalten wird.

»ad maiora natus sum« – Die Entscheidung

Das kurze Leben von Stanislaus Kostka war stark mit Wien verbunden. 1550 in Rostkowo in Masowien in eine polnische Adelsfamilie geboren, kam er im Alter von vierzehn Jahren in Begleitung seines älteren Bruders Paul nach Wien, um seine Ausbildung am Jesuitenkolleg fortzusetzen. Hier verbrachte er drei für ihn zum Teil schwierige Jahre (von Juli 1564 bis August 1567), die jedoch entscheidend für seinen weiteren Werdegang waren – in Wien reifte nämlich sein Gedanke und der große Wunsch, ins Noviziat der Gesellschaft Jesu einzutreten und sich ganz Gott zuzuwenden, geleitet von der Maxime »ad maiora natus sum« (zu höheren Dingen bin ich geboren und für sie sollte ich leben). Das geschah während seines Studiums am Jesuitenkolleg und unter dem Einfluss mystischer Visionen während seiner schweren Krankheit. Ihm sollte die hl. Barbara in Begleitung von Engeln erscheinen, die ihm die hl. Kommunion verabreichten. Kurz danach erschien Stanislaus die Muttergottes, die ihm das Jesuskind in die Arme legte und ihn aufforderte, in die Societas Jesu einzutreten. Seine Familie jedoch – vor allem sein Vater – war strikt dagegen. So beschloss Stanislaus aus Wien zu fliehen und gelangte über Deutschland nach Rom, wo er ins Noviziat der Gesellschaft Jesu aufgenommen wurde.

Der Weg zur Heiligsprechung

»Weder sein Lehrer noch die Beichtväter konnten ihn von seinem festen Entschluss abbringen. So ging er eines Morgens, nachdem er noch einmal kommuniziert hatte, ohne Wissen seines Erziehers und seines Bruders von Wien fort. Damit verzichtete er auf ein ziemlich großes Erbe. Er legte die Kleider ab, die er zu Hause und in der Schule getragen hatte, zog ein ärmliches Leinenzeug an, nahm einen Stock in die Hand und ging wie ein armer Bauernjunge aus der Stadt. Gott weiß, was daraus wird. Wir hoffen aber, dass sein Weggang nicht ohne Gottes Ratschluss geschehen ist. Er war immer so innerlich fest, dass er doch wohl nicht aus jungenhaftem Einfall, sondern aus göttlicher Eingebung gehandelt hat.« So heißt es im Jahresbericht des Wiener Jesuitenkollegs aus dem Jahr 1567 über seine Flucht.

Am 15. August 1568, einige Monate nach seiner Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, starb Stanislaus Kostka in Rom im achtzehnten Lebensjahr. Im wahrsten Sinne des Wortes ging er einen langen Weg, um in das Haus des Vaters zu gelangen. In der kurzen Zeit seines Lebens machte er seinen Leitspruch »ad maiora natus sum« zur Wirklichkeit.

Die anstrengende Reise zu Fuß von Wien in die Ewige Stadt, seine Entschlossenheit und Frömmigkeit beeindruckten die Zeitgenossen so stark, dass nach Stanislaus’ Tod mehrere Tausend Römer an seiner Beerdigung teilnahmen und ihm als ersten späteren Heiligen bereits damals »santo subito« ausgerufen haben. Papst Clemens VIII. bezeichnete Kostka in seinem 1604 herausgegebenen Breve als »selig«. Dieses Dokument wurde zur Grundlage für die Verbreitung des Kultes um den jungen polnischen Novizen. Ein Jahr später sprach Papst Paul V. ihn selig und erlaubte das Aufhängen des ewigen Lichtes vor seinem Gemälde in der Kirche Sant’Andrea al Quirinale als Zeichen seiner Verehrung. 1674 erklärte Papst Clemens X. Stanislaus Kostka als Patron von Polen und Litauen. Gelehrte, Könige und Kaiser forderten diese Heiligsprechung. 1714 erließ Papst Clemens XI. ein Heiligsprechungsdekret, die Kanonisation erfolgte am 31. Dezember 1726 durch seinen Nachfolger Benedikt XIII. zusammen mit Aloisius von Gonzaga.

Die Stanislaus-Kapelle

Das ehemalige Zimmer des polnischen Heiligen wurde bereits fünfzehn Jahre nach seinem Tod zu einer einfachen Kapelle umgewandelt. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ die damalige Eigentümerin des Hauses, Maria Barbara Koller von Mohrenfeld, diesen Raum im prächtigen Rokoko-Stil umbauen und mit Marmor sowie prunkvollen Stuckornamenten und Blumenbildern ausstatten. Sie bestimmte testamentarisch, dass das Zinserträgnis des Hauses zur Erhaltung dieser Kapelle zu verwenden sei. Die Privatkapelle wurde zu einem Wiener Heiligtum. Die Verwaltung der Kapelle wurde dem jeweiligen Pater Provinz Procuratori der Jesuiten übertragen. 1840 entstand das Altarbild des Jesuitenbruders Franz Stecher »Kommunion des Heiligen aus Engelshand«. Das auf Goldgrund gemalte Bild bezieht sich auf die Vision des hl. Stanislaus und stellt die Gottesmutter mit dem Jesuskind, die hl. Barbara und einen Engel, der die hl. Kommunion dem kranken Stanislaus überreicht, dar. Seit 1915 befand sich das Haus samt Kapelle im Besitz des Berufsverbandes christlicher Arbeitnehmerinnen im hauswirtschaftlichen Dienst. Mitte 2021 wurden sie den Wiener Jesuiten übertragen.

An der Feier der Oktav des hl. Stanislaus-Kostka-Festes hat sich jedoch nichts geändert. Die Stanislaus-Kapelle in der Kurrentgasse 2 ist nach wie vor von 13. bis 20. November von 7.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Die heiligen Messen finden jeden Tag um 7.30 Uhr statt. Dieses Jahr wird auch die erste polnischsprachige Oktav in der Geschichte der Stanislaus-Kapelle gefeiert und über das RADIO DROGA im Internet übertragen (www.radiodroga.net).

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