Warum und wie die Zisterzienser im Kloster Stiepel jetzt "monastischen" Gin herstellen

"Die Mutterabtei Stift Heiligenkreuz bei Wien produziert seit 1144 Wein. Da sind die sehr gut. Wir wollten mit einem hochwertigen Gin einen neuen Akzent setzen." Pater Justinus (Mitte)
Foto: Kloster Stiepel / Pater Justinus Pech (Mit freundl. Genehmigung)
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Im Kloster Bochum-Stiepel beten und wirken nach ihrer bewährten Tradition die Mönche vom Orden der Zisterzienser. Dazu gehört nicht nur das lebendige geistliche Leben, sondern jetzt auch eine hochprozentig geistige Innovationen im buchstäblichen Sinn: Die Zisterzienser stellen ihren eigenen Gin her, unter der Federführung von Pater Justinus Pech. 

Pater Justinus, wir kennen Benediktiner, die Bier brauen, und Karthäuser, die Likör herstellen. Wie kam es zum Zisterzienser-Gin?  

Pater Justinus Pech OCist: Genau das ist der Punkt – es gibt Klöster, die brauen Bier, andere stellen Liköre her. Auch wir Zisterzienser haben seit Jahren solche Getränke, aber da stellte sich dann die Frage: Sind das noch die zeitgemäßen Produkte? Im Kloster Stiepel sind wir ein sehr junges Team. 12 der 14 hier lebenden Mönche sind unter 50 Jahre alt. Unser Prior ist auch unser Senior mit 75 Jahren, das hat den großen Vorteil, dass er vieles im Leben gesehen hat und das Innovationspotential der Mönche fördert.

So können wir im geistlichen neue Ansätze wagen und auch mit unserem kleinen Klosterladen versuchen, uns neue Kundengruppen zu erschließen.

Dabei ist der Klosterladen auch eine Möglichkeit mit Menschen fern der Kirche in's Gespräch zu kommen. So bekommt die Aufforderung von Papst Franziskus, die unser Bischof Franz-Josef Overbeck kräftig unterstützt, eine neue Form. Wir wollen mit Menschen in ein Gespräch kommen und für den Glauben interessieren. Aber wie kommen wir zu den Menschen? Wir müssen daher etwas herstellen, was Menschen interessiert. Das Kloster Stiepel gibt es seit 30 Jahren. Jetzt hat sich die Frage gestellt, in welchem Produktbereich wir uns spezialisieren wollen.

Die Mutterabtei Stift Heiligenkreuz bei Wien produziert seit 1144 Wein. Da sind die sehr gut. Wir wollten mit einem hochwertigen Gin einen neuen Akzent setzen. Dabei haben wir geschaut, was können wir im Kloster auf hohem Qualitätsniveau produzieren. Nachdem wir im kleinen verschiedene Gintypen ausprobiert haben, wagen wir jetzt den Schritt auf den Markt.

Wie wird er hergestellt, woher bekommen Sie die Zutaten? 

Gin ist ein Destillat und ein Genussmittel. Die Zusammensetzung dieses Gins ist etwas ganz besonderes: Auf Basis eines jahrhundertealten Wissens in Klöstern über Kräuter, Getreide und den richtigen Anbau, haben sich Mönche zusammengetan, um ein ganz exquisites Produkt zu entwickeln. Grundbestandteil ist, wie in jedem guten Gin, der Wachholder und dann wurde eine Selektion der besten Kräuter aus Klostergärten gewählt und mit dazu passenden Botanicals gemischt. Hier wurde ein Selektion aus Zitrone, Basilikum, Ingwerwurzel, Zitronenmelisse und anderen gewählt.

Nicht alle Kräuter können wir selbst herstellen, aber der Basilikum wird etwa von mir selbst gezogen. Die Zitronenschalen, nur das Gelbe wird benötigt, können wir aus südlich gelegenen Klöstern zukaufen.

Mit dem Prior von Heiligenkreuz sind wir jetzt auch am planen, wie wir Wachholder selbst anbauen können. Sobald die Landwirtschaft von Heiligenkreuz vollständig auf biologische Produktion umgestellt ist, werden wir auch unser eigenen Getreide verwenden. Wir haben im November 2017 angefangen.

Nach ersten, sehr positiven Rückmeldungen haben wir uns entschlossen, diesen Gin nicht nur exklusiv im Klosterladen bei uns zu verkaufen, sondern auch anderen Klosterläden anzubieten. Darüber hinaus kann er deutschlandweit bei uns online bestellt werden. Es gibt ihn auch in einigen Geschäften, diese Vertriebspartner findet man auch auf unserer Homepage.

Auf dem Etikett steht "Made in Silence". Was ist damit gemeint - doch mehr als kluges Marketing? Spricht dies in unserer lauten Zeit die Menschen besonders an?  

Menschen entscheiden sich aus guten Gründen zu einem Eintritt in ein Kloster. Sie wollen damit ihr Leben eine Form geben, die sich der Welt in einer gewissen Form entzieht, um dadurch den Menschen wieder etwas zurückgeben zu können. Das spüren die Menschen, die zu uns kommen und sich mal ein paar Tage der Stille aussetzen wollen.

Dieses versuchen wir auch in den Produkten, die wir herstellen, zum Ausdruck zu bringen. So zeichnet sich dieser Gin, zu einer Rückkehr zum Wachholder aus. Viele der "Spielereien", die Eingang in manche Gins gefunden haben, lassen wir weg. Damit steht das "Made in Silence" auch und gerade für eine Reduktion auf das Eigentliche und Wesentliche. 

In unserem Orden haben wir schon im 12. Jahrhundert hochwertige Produkte hergestellt und die Qualitätsführerschaft angestrebt. Dabei haben wir stets versucht, mit den Menschen in's Gespräch zu kommen. So sind wir von den Klöstern in die Städte gefahren, um dort das von Mönchen Hergestellte anzubieten, teilweise wohnten Mönche auch fest in der Stadt. So etwas gehört als auch zu den Ursprüngen der Zisterzienser, die Verbindung von Stille und Welt.

Heute verschieben sich die Märkte. Daher wollen wir die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Wir lassen unsere Kunden an dem Produkt und der Weiterentwicklung teilnehmen. Hierzu ist Instagram unser Hauptkommunikationskanal. Wir wollen in Zukunft auch die besten Cocktails unserer Kunden dort einbinden. Es kann sich jeder an uns wenden: Photo einschicken, Rezept zum Cocktail teilen – die besten werden wir dann veröffentlichen. Hier steht ganz klar der bewusste Genuss im Mittelpunkt. Als nächstes entwickeln wir für die Flaschen einen Anhänger, in dem nicht nur über die Ordensgeschichte, sondern auch die besten Heiligen informiert wird. Das heißt: An jeder Flasche hängt dann eine Heiligengeschichte, welches Getränk kann das schon von sich behaupten?

Mehr zum Klosterdestillat unter www.monasticdrygin.de  

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