Zum Festtag der heiligen Agnes: Kardinal Müller führt durch seine Titelkirche Sant'Agnese

Kardinal Gerhard Ludwig Müller in seiner Titelkirche, Sant'Agnes in Agone
Foto: Julia Wächter
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"Es ist besser, für Christus zu sterben, als den Glauben zu verraten", sagt Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Sein Blick richtet sich auf eine Darstellung der heiligen Agnes, einer Märtyrerin wohl aus dem 3. Jahrhundert. Am Ort ihres Martyriums hat man eine Kirche errichtet. Sant'Agnese in Agone, zu Deutsch: heilige Agnes im Kampf. Sie ist Kardinal Müllers Titelkirche in Rom.

Die barocke Kirche Sant’Agnese in Agone liegt im Herzen der Stadt, direkt an der Piazza Navona. Die prominente Lage macht sie zu einer der beliebtesten Kirchen Roms und zieht zahlreiche Beter und Besucher an. Für Kardinal Müller ist besonders eines entscheidend: sie ist einer Märtyrerin geweiht. "Das Blut der Märtyrer ist der Hinweis auf Christus, auf das ewige Leben, das uns hoffentlich im guten Sinn, nämlich im Himmel bevorsteht." 

Der heiligen Agnes wird am 21. Januar gedacht. Sie war noch ein junges Mädchen, als sie das Martyrium erlitt. Wer heute die ihr geweihte Kirche besucht, kann zentrale Etappen ihres Lebens nachvollziehen. Eine Agnesstatue in der südlichen Seitenkapelle, ein Relief in der Krypta, ein Reliquienschrein, der ihren Schädel beherbergt, oder die Gemäldedarstellungen in der zentralen Kuppel werfen Schlaglichter auf ihr Leben.

Über die südliche Seitenkapelle steigt Kardinal Müller hinunter in die Krypta. Einige enge Stufen führen an den historischen Ort, an dem Agnes das Martyrium erlitt. Hier unten gibt es nur wenig Licht. Nur mehr in Grundzügen sind die Fresken zu erkennen, die dort einst Szenen aus dem Leben der Heiligen nachstellten. Wenige Schritte entfernt aber erinnert ein Relief an den Beginn ihres Leidensweges. Darauf zu sehen ist die junge Frau, umringt von Soldaten, ohne Kleidung, ganz bloß. Sie sollte im Stadion des Domitian, das der Piazza Navona noch heute ihre charakteristische ovale Form gibt, nackt zur Schau gestellt werden. Ihr Verbrechen: Sie wies das Werben des Sohnes des Präfekten von Rom zurück. Sie hatte sich ganz Gott geweiht.

Ihr Martyrium wurde von mehreren Wundern begleitet, wovon das erste sie vor der Scham der Nacktheit beschützte. Agnes – so ist es auf dem Relief zu sehen – war es plötzlich möglich, sich mit ihrem langgewachsenen Haar gänzlich zu bedecken. Man versuchte dann, Agnes ins Feuer zu stoßen, doch durch ihr Gebet wichen die Flammen zurück. Schließlich schnitt man ihr mit einem Schwert die Kehle durch. Sie starb wie ein Opferlamm, als Märtyrerin, im Alter von nur zwölf oder dreizehn Jahren, was Untersuchungen des Schädels ergaben.

Vor dem Reliquienschrein der Agnes wird Kardinal Müller nachdenklich. Die große Botschaft der Märtyrer sei vielen oft nicht mehr bewusst, bedauert er: "Viele denken, es kommt allein auf das irdische Dasein an." Glaube aber heiße mehr: "Es heißt, seine ganze Hoffnung, sein ganzes Leben, den ganzen Ernst seines Daseins auf Jesus Christus zu setzen." Das sei die Grundlage, um Verantwortung in der Welt zu übernehmen, um nicht nur "um sich selbst zu kreisen", um nicht nur auf Kosten der anderen oder der zukünftigen Generationen zu leben.

Auch heute wird eine große Zahl an Christen verfolgt – auf der ganzen Welt. Und das auf unterschiedliche Art und Weise, gibt Kardinal Müller zu bedenken. Da gibt es einerseits physische Bedrohung, beispielsweise in islamisch oder kommunistisch geprägten Ländern wie auch in Diktaturen, die die totalitäre Herrschaft über den Menschen beanspruchen, "denen Glaube und Religion ein Dorn im Auge ist." Aber auch im christlich geprägten Europa gebe es Christenverfolgung, immer wenn ein Mensch "für seine christliche Überzeugung an den Pranger gestellt wird." Insofern sind Märtyrer wie Agnes wichtige Vorbilder. "Sie ermuntern uns im Glauben", sagt der Kardinal. Es ginge um die Frage: "Wofür lebt man?"

Der Weg der Agnes endete nicht im Leiden und Sterben – wie die Kuppelfresken zeigen. Zwischen jubelnden Engeln, Märtyrern und Heiligen findet sich auch Agnes wieder. Die Jungfrau Maria richtet ihren Blick auf das Mädchen im weißen Gewand, streckt ihr die Hand hin und stellt sie Gott Vater und Christus vor. Durch die Kuppel, in deren Zentrum der Heilige Geist in Gestalt der Taube herabschwebt, fällt die Mittagssonne Roms herein und taucht die Kirche in ein angenehmes, goldenes Licht. Eine ganz andere Atmosphäre als noch unten in der Krypta.

"Die Treue zu Christus" sei das Entscheidende im Leben, sagt Kardinal Müller: "Das irdische Dasein ist kurz. Die Ewigkeit aber ist lang."

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