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Bernhard Meuser, Gründer von „Neuer Anfang“: In Deutschland tobt „kirchlicher Kulturkampf“

Bernhard Meuser

Der Publizist Bernhard Meuser hat mit Blick auf den Synodalen Weg erklärt, in Deutschland tobe ein „kirchlicher Kulturkampf“. Es gebe in Deutschland „eine lange Tradition, die römischen Bestimmungen und Einwände zu ignorieren, herunterzuspielen oder als Bestätigung unserer eigenen Linie zu interpretieren“, räumte Meuser im Gespräch mit der italienischen Zeitung Il Foglio ein.

Meuser ist einer der Gründer der Initiative „Neuer Anfang“, die sich seit Jahren kritisch mit dem deutschen Synodalen Weg und seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre auseinandersetzt. Vorher war Meuser Initiator des internationalen Youcat-Projekts, wobei es sich um einen Katechismus und anderweitige Materialien für junge Menschen handelt.

„Oberflächlich betrachtet stehen sich zwei ekklesiologische Konzepte gegenüber, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nie wieder zu einer Einheit geführt wurden“, erläuterte der Publizist. „‚Communio‘ gegen ‚Concilium‘: eine apostolisch-sakramental-hierarchisch strukturierte Kirche gegen eine Kirche der Konzilien, die sich demokratisch von unten immer wieder neu erfinden kann.“

„Nüchtern betrachtet geht es um Macht und Geld“, fuhr er fort. „Den Strategen der weltlichen Machtübernahme ist es bereits gelungen, die Mehrheit der deutschen Bischöfe auf ihre Seite zu ziehen. Jetzt bettelt man in Rom noch um den päpstlichen Segen, um irgendeinen Kompromiss, den man triumphierend vorweisen kann.“

„Die Menschen sollen glauben, dass der Papst nun auch für den deutschen ‚Synodalen Weg‘ ist“, analysierte Meuser die gegenwärtigen Bestrebungen. „In Wirklichkeit denkt man nicht im Geringsten daran, wieder in das Boot der Weltkirche einzusteigen, die eingeführte neue Sexualethik zurückzunehmen oder sich wieder an das Lehramt der Kirche anzupassen.“

Beim Synodalen Weg wurden Beschlüsse gefasst, die sich nicht mit der überlieferten katholischen Lehre vereinbaren lassen, etwa in Sachen Frauenordination, regulärer Taufspendung durch Laien und Homosexualität. Alle gefassten Beschlüsse wurden gleichzeitig auch mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der deutschen Bischöfe verabschiedet. Nur vier Diözesanbischöfe stiegen schließlich nach mehrfachen vatikanischen Ermahnungen aus dem Synodalen Weg aus.

Meuser erklärte, man versuche derzeit, „der substanziellen Auseinandersetzung auszuweichen, indem man Recht und Wahrheit voneinander trennt. Das Recht ist bekanntlich dehnbar, die Wahrheit nicht. Entweder ist die deutsche Sexualethik (die ebenso diskret wie fast flächendeckend eingeführt wurde) Gott wohlgefällig und rechtgläubig, oder es handelt sich um eine Häresie und eine Abkehr vom gemeinsamen Glauben der Kirche.“

Und noch deutlicher: „Entweder muss sich die Weltkirche den Katechismus von den Deutschen umschreiben lassen, oder die deutschen Bischöfe müssen sich ‚unterwerfen‘.“

Man müsse wissen, dass in Deutschland rund 800.000 Menschen „vom Geld der Kirche leben. Die meisten von ihnen sieht man nie bei Gottesdiensten. Diese kirchlichen Angestellten identifizieren sich größtenteils nicht mit der Kirche (oder nur unter der Bedingung ihrer progressiven kirchlichen Träume). Dennoch verfügen sie manchmal über eine größere kommunikative, strukturelle und administrative Macht als unsere Bischöfe.“

Die Kirche in Deutschland verliere „vier Gruppen: die Jugendlichen, die zu freien Kirchen abwandern; die Gläubigen, die nur noch in der ‚alten Messe‘ Schönheit und Treue zum Glauben sehen; die […] Intellektuellen, die vom theologischen Niveau der Protagonisten abgeschreckt werden; und die missionarischen Erneuerungsbewegungen, die systematisch an den Rand gedrängt werden.“

Im Februar wird die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) über die Satzung der Synodalkonferenz abstimmen, die den Synodalen Weg verstetigen soll. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat bereits zugestimmt. Der Vatikan, dem die Satzung inzwischen vorliegt, muss ebenfalls noch seine Genehmigung erteilen. Knackpunkt ist die Idee des gemeinsamen Beratens und Entscheidens von Diözesanbischöfen und Nicht-Bischöfen. In der Satzung heißt es dazu: „Die berät und fasst Beschlüsse im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung.“

Der Vatikan unter Papst Franziskus und nun unter Papst Leo forderte trotz aller Kritik am Synodalen Weg nie förmlich, den Prozess mit seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre zu beenden und Gremien nur so einzurichten, wie es kirchenrechtlich problemlos möglich ist und wie sie in Deutschland auf allen Ebenen existieren. Nun besteht die Lösung der deutschen Frage entweder darin, die Satzung zu genehmigen, womit alle bisherige vatikanische Kritik als substanzlos erscheinen würde, oder die Satzung abzulehnen, wodurch der Eindruck entstünde, dass der Vatikan erst dann durchgreift, wenn es um die Macht der Bischöfe geht, nicht aber zuvor, wenn zentrale Punkte der katholischen Lehre in Frage gestellt wurden – etwa mit Blick auf Frauenordination, die reguläre Taufspendung durch Laien und Homosexualität.

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