Gleich zwei theologisch hochkarätige Kardinäle aus dem deutschsprachigen Raum haben in diesen Tagen ein Buch im Verlag Herder veröffentlicht. Doch handelt es sich bei den beiden Werken aus der Feder von Kardinal Gerhard Müller und Kardinal Kurt Koch nicht um theologische Traktakte, sondern um Bücher, die für das geistliche Leben zu empfehlen sind.

Kardinal Müller

Kardinal Müller, der ehemalige Bischof von Regensburg und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, hat auf knapp 180 Seiten in „Gottes Gegenwart in Welt und Sakrament“ die geistlichen Exerzitien schriftlich wiedergegeben, die er 2021 vor den Benediktinermönchen der Clear Creek Abbey in Oklahoma und 2022 vor zahlreichen Priestern in Polen gepredigt hatte. Nicht nur für Priester und Ordensleute, sondern für alle Katholiken, ist der Inhalt der Exzerzitien gedacht: „Das Leitmotiv war die reale Präsenz Gottes in der Schöpfung, der Kirche und der Eucharistie.“

Das Ziel der Exerzitien wie auch des geistlichen Lebens allgemein sei nicht „die bigotte Rührung der Gefühle, sondern die Befreiung des Verstandes und Willens aus dem goldenen Käfig der Selbstreferenz“, womit „der Weg in die freie Luft des Objektiven, des Realen, des Seienden, des Konkreten und Leiblichen“ geebnet werde.

Die kurzen Kapitel bieten jeweils reichlich Material zur Betrachung. Dabei schöpft Müller permanent aus der Heiligen Schrift: Nur wenige Absätze kommen ohne ein Bibelzitat aus. Als seriöser Dogmatiker entält Müller in den Exerzitien aber – zum Glück! – seinen Lesern das nüchterne Dogma nicht vor und formuliert etwa: „Der Glaube der Kirche sagt eindeutig, dass der ganze Christus in jeder der beiden eucharistischen Gestalten mit seiner Gottheit und Menschheit voll und ganz enthalten ist. Die Gläubigen, die die hl. Kommunion nur unter der Gestalt des Brotes empfangen, entbehren also nicht der realen Gegenwart Christi und des Empfangs der sakramentalen Gnade.“

Kardinal Koch

Kardinal Koch, der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, hat auf etwa 160 Seiten unter dem Titel „Vom Tod zum Leben“ einen Begleiter für die Fasten- und Osterzeit verfasst. Kurz vor Aschermittwoch kann auch für dieses Buch eine Leseempfehlung ausgesprochen werden.

Koch befasst sich in seinen – wie bei Müller – kurzen Kapiteln mit den wichtigsten liturgischen Tagen der Fasten- und Osterzeit: Aschermittwoch, Palmsonntag und die heiligen drei Tage in der Karwoche, dem Osterfest selbst, dem Hochfest Christi Himmelfahrt und schließlich Pfingsten „als Erfüllung von Ostern“.

„Mit Ostern steht und fällt der christliche Glaube“, betont Koch. Dass Ostern „das größte von allen christlichen Festen“ sei, könne man bereits daran ablesen, „dass Ostern das einzige Fest im Kirchenjahr ist, das eine Festzeit von fünfzig Tagen einleitet und mit Pfingsten, das das griechische Wort für ‚fünfzig‘ ist, vollendet wird.“

„Die Wichtigkeit dieses Festes kann auch daran abgelesen werden, dass Ostern wiederum das einzige Fest ist, dem vierzig Tage der Vorbereitung und Zurüstung vorausgehen, die mit dem Aschermittwoch beginnen und den Namen ‚Österliche Bußzeit‘ tragen“, so der Kardinal weiter.

In die österliche Freude „über den Sieg des Lebens über den Tod, wie er in der Auferstehung Jesu Christi sichtbar und wirksam geworden ist, kann man nur einstimmen, wenn man zuvor mit Jesus die Versuchungen in der Wüste erfahren, mit Jesus den Weg nach Jerusalem mitgegangen, am Ölberg in der Nacht vor seinem Leiden mit ihm gewacht und inständig gebetet, in tiefer Traurigkeit in der Nähe seines Kreuzes am Karfreitag gestanden und das tiefe Schweigen am Karsamstag ertragen hat.“

Daher lohnt es sich gerade jetzt, das Buch zu lesen und dann das Herzstück im liturgischen Jahr so gut mitzuleben und mitzufeiern wie nie zuvor.

Gerhard Kardinal Müller: Gottes Gegenwart in Welt und Sakrament. Exerzitien; Verlag Herder 2023; ISBN: 978-3-451-39478-2; 176 Seiten; 22 Euro

Kurt Kardinal Koch: Vom Tod zum Leben. Ein Wegbegleiter durch die Fasten- und Osterzeit; Verlag Herder 2023; ISBN: 978-3-451-39543-7; 160 Seiten; 18 Euro

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