Auf der Suche nach meinem Gottesdienst

Fernglas (Referenzbild)
Foto: Pixabay (CC0)
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26 November, 2018 / 2:00 PM

Ja, ich gebe zu, oft sitze ich sonntags in der Kirche und bin nicht wirklich bei der Sache, kann keine Anknüpfungspunkte finden und vermisse eine gewisse Art von spürbarer Spiritualität. Ich brauche keine Belustigung, suche kein Event, aber oft holt mich der Gottesdienst nicht dort ab, wo ich gerade stehe.

Dann gehe ich unzufrieden aus der Messe, habe das Gefühl nicht mit Gott gesprochen zu haben und spüre die Sehnsucht nach mehr!

Wenn ich dann mal mit der Familie einen besonderen Gottesdienst aufsuche, meist ist es dann ein Familiengottesdienst, merke ich wie ich der gestalteten Mitte, der verwackelten Folien auf dem Overheadprojektor und dem neuen geistlichen Liedgut überdrüssig geworden bin. Mit Wohlwollen betrachte ich die Mühe, die sich die Gemeindereferentin gibt und auch der Pfarrer hat heute seine bunte Stola mit den Handabdrücken des letzten Kommunionjahrgangs angelegt, aber es berührt mich nicht im Innern und erzeugt in mir ein Gefühl der Beliebigkeit.

Überall lese ich von der "Kirchenkrise" und habe das Gefühl, dass ich in meinem kleinen Kosmos weiß, was diese Krise im Kern bedeutet. Gläubige wie ich, die mit Motivation in die Kirche gehen, die am Glauben nicht zweifeln und eigentlich eine große Offenheit fürs Mittun und Mitfeiern besitzen, sind irgendwo unterwegs verloren gegangen.

Jetzt möchte ich gar nicht so fordernd sein und möchte auch an mir arbeiten, dass ich es schaffe, im Gebet während der Messe mit Gott verbunden zu sein, aber jeder weiß, dass solche hehren Ziele manches Mal nicht so leicht umzusetzen sind. Das ist dann wohl der Glaubensprozess, in dem wir uns alle stets befinden und an dessen Ziel vermutlich die Hoffnung steht das Himmelreich zu erlangen.

Dann hatte ich vor einigen Wochen ein Erlebnis, dass mich begeistert hat. Wir waren mit der Familie im Familiengottesdienst mit anschließendem Brunch in einem Kloster. Dort gab es keine gestaltete Mitte, keine Kissen, auf denen die Kinder auf dem Boden herumrutschten, sondern es gab geordnete Reihen mit Kinderstühlen, dahinter die Stühle der Erwachsenen. Es gab einen Beamer, der mit Bildern den ganzen Gottesdienst begleitete, es gab keine Liedzettel, sondern die Texte konnte man auch auf der Leinwand ablesen und es gab neben einigen kindgerechten Aktivitäten, eine würdige Sonntagsmesse, mit Eucharistie und allem was das Herz begehrt.

Beim anschließenden Brunch haben alle Familien zusammengesessen, die Kinder spielten auf dem Klosterspielplatz und waren rund um zufrieden. Die Mädchen sagten mir hinterher im Auto: "Hier möchten wir jetzt jeden Sonntag in die Kirche gehen."

Ein größeres Kompliment kann es ja gar nicht geben. Doch was hatte mich jetzt hier so begeistert, was war anders?

Zum einen war dieser Beamer eine geniale Idee, die im Kern gar nicht so neu war, denn vor einigen Jahrhunderten bemalte man ja genau deswegen die Kirchenwände, weil nicht jeder Gottesdienstbesucher Latein sprach oder lesen konnte. Das mit dem Latein hat sich heute erübrigt, aber die Kinder können auch nicht lesen und können auch so manch anspruchsvollem Text aus der Bibel nicht ganz folgen. Da hilft die Bebilderung des Gottesdienstes ungemein, fesselt die Kinder, beteiligt sie und nimmt sie ganz mit. Dadurch war es unglaublich ruhig in der Kirche und das, obwohl um die 40 (Klein)Kinder anwesend waren.

Zum anderen versprühten die Ordensbrüder- und Schwestern eine tieferfüllte Spiritualität. Vor der Segnung der Kinder bei der Kommunionausteilung fragten sie jeden nach seinem Namen, sprachen mit jedem einzelnen ein paar Worte und man konnte förmlich sehen, wie die Kinder den Segen in sich aufsogen. Die Erwachsenen erhielten Mundkommunion als eine Selbstverständlichkeit, der sonst oft ein gewisser Eiertanz vorausgeht. Der Zelebrant hatte ein feierliches Messgewand an, tanzte bei schwungvollen Liedern mit und hatte authentisch Spaß an dem was er tat. Am selben Tag trat eine junge Frau in das Kloster ein, sie wurde mit Applaus empfangen, wurde gefeiert und all das strahlte den gelebten Zugang zu Gott aus, wie ich es bisher nirgendwo anders so deutlich gespürt hatte.

Mir wurde klar, dass dies hier ein Ort war, der an uns alle appellierte: Seid authentisch, versprüht die Freude und die Liebe Gottes in allem was ihr tut! Feiert jeden Gottesdienst als Fest des Glaubens und der Botschaft Jesu Christi und lebt die Gemeinschaft, die ihr in der Kirche und im Glauben findet.

Befreit fuhren wir nach Hause und waren bereit, dieses Gefühl mit zu nehmen in jeden Gottesdienst, den wir feiern würden. Am Sonntag werde ich das gleich in unserer Pfarrkirche ausprobieren- machen sie mit?

Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illig erscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

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