Aus einer Grabrede für einen Kartäuser

Karthäuser
Foto: Guto-Volk / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
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13 November, 2019 / 6:20 PM

Der kalte, dunkle November ist der "Totenmonat" – eine gute Zeit, sich nicht nur der Tatsache bewußt zu machen, dass wir alle einmal sterben, sondern als Katholiken auch das Ewige Leben anstreben, solange wir noch auf Erden sind.

Wenige Menschen tun dies so kontemplativ und intensiv wie die berühmten Kartäuser, die der heilige Bruno von Köln vor etwa 1.000 Jahren gegründet hat – wie der folgende Auszug aus einer Grabrede zeigt. 

"Pater X war ein alter Freund von mir; vor vielen Jahren waren wir zusammen im gleichen Noviziat und wir blieben in Kontakt fast bis zu der Zeit, da er hier im Haus […] ankam. Aber ich bin überzeugt, dass unsere Freundschaft lebendig geblieben war, trotz des Schweigens, das wir aufgrund der Distanz hatten einhalten müssen.

Ich erinnere mich an ihn in jenen Zeiten als lächelnden Menschen, der mit einigen Schwierigkeiten, aber immer mit Humor, [die neue und für ihn fremde Sprache] lernte. Gemeinsam unterstanden wir der Autorität eines beeindruckenden Novizen-Meisters, der Pater X sehr bereitwillig angenommen hatte, aber mit der klaren Absicht, ihm eine unverfälschte Kartäuser-Schulung zu geben, ungeachtet seiner früheren Ausbildung [in einem benediktinischen Kloster]. Infolgedessen kam es zu einer erbarmungslosen Aggressivität seitens des Novizen-Meisters gegen jeglichen Anflug von benediktinischem Geist. Pater X litt wahrscheinlich unter diesen Attacken, aber er verlor nie sein Lächeln und seinen offenen Umgang mit dem Novizenmeister, und soweit ich mich erinnern kann, bewahrte er das Vertrauen und die Freundschaft in seinem Verhältnis zu ihm.

Nach der Feierlichen Profess und im Geiste seines Bekenntnisses zum Gehorsam verwendete Pater X in [einem anderen Kloster, in das er versetzt wurde] viel Zeit darauf, die Buchhaltung zu lernen und in der Praxis anzuwenden, und zwar in intensiver Zusammenarbeit mit einigen hervorragenden Leuten […]. [Sie] wussten, wie man bei dieser Arbeit ein Lächeln und den Frieden bewahrt. Aber am wichtigsten war für Pater  X vielleicht die Tatsache, dass er damals noch [eine andere Sprache] lernte und auch einen guten Sinn für Humor!

[…] Schließlich nahm er ergebenst den Posten des Z. in [wiederum in einem fremden Kloster und in einem anderen fremden Land] an und gehorsamst übte er diese Tätigkeit zwanzig Jahre lang aus, -  zur Freude der Kommunität. Schließlich wurde er als alter Mann zum ZZ ernannt. Auf einer anderen Ebene hatte er sich bei den Mönchen des Klosters zum geschätzten Beichtvater entwickelt, voller Urteilsfähigkeit und Besonnenheit.

Alles in allem war dies ein wunderbares monastisches Leben. Aber die Absichten des Herrn waren tiefer. In seiner monastischen Laufbahn fehlte etwas: eine demütige und schmerzhafte Erfahrung des Kreuzes. Allmählich wurde Pater X bewusst, dass er psychologisch irgendwie nicht in Ordnung war, bzw. dass seine Reaktionen im Kontakt mit der Realität unausgeglichen wurden. Die Ärzte konnten ihm nicht helfen: Sein Kontakt mit der äußeren Welt verschlechterte sich zusehends. Wie wir wissen, waren seine letzten Jahre hier unten eine wahre Erfahrung der Stationen des Kreuzweges […] – [Morbus-Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium].

Zum Schluss möchte ich Pater X danken für die letzte Botschaft, die er in den kurzen Stunden, in denen er im Sterben lag und wir nahe bei ihm waren, dem NN und mir gegeben hat. Er war sich bestimmt überhaupt nicht dessen bewusst, was geschah:

Wir hatten nur einen armen menschlichen Körper vor uns, der in einem tiefen Koma litt bis zu dem Zeitpunkt, da sein erschöpftes Herz zum Stillstand kam. Und wir wussten ganz genau, dass er da nach und nach vor unseren Augen durch das Kreuz in den Himmel einging, weil er ein von Gott Geliebter ist. Amen."

Erstfassung veröffentlicht am 17. November 2018.

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