Bedenke das Ende: Handkommunion und Eucharistieverständnis

Ein Beitrag zur Reihe "Disputa del Sacramento"

Eine Pilgerin empfängt die heilige Kommunion bei der Heiligsprechung von Louis und Zelie Martin am 18. Oktober 2015 auf dem Petersplatz
Foto: CNA Deutsch / Martha Calderon
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29 June, 2018 / 10:09 AM

Zu einer lebhaften Debatte unter Christen verschiedener Konfessionen haben sich die Disputa del Sacramento bei CNA Deutsch entwickelt.

Dirk Weisbrod ist promovierter Informationswissenschaftler und lebt in Bonn. 2014 konvertierte er zum katholischen Glauben.

Dirk Weisbrod (Foto: Privat)

Ganz besonders freut es mich, dass mit Stefan Meetschen bereits ein Konvertit das Wort ergriffen hat. Da meine Konversion erst knapp 4 Jahre zurückliegt, ist die Erinnerung daran noch frisch; besonders an die Art und Weise, wie ich meine erste Kommunion empfangen musste. Ich gebe gerne zu, dass mir als Protestant das Wesen der Eucharistie lange nicht bewusst war und die Annäherung an die katholische Kirche zunächst aus anderen Gründen geschah. Deswegen bereitet mir die Ansicht Jörg Bremers über das Kommunionsverständnis der Lutheraner einige Schwierigkeiten.

Es mag sein, dass Ausnahmen wie die Mitglieder der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) so denken. In der Regel aber feiern Protestanten das Abendmahl mit einem ganz anderen theologischen Hintergrund.

Wie dem auch sei, ich lernte den unendlich großen Wert der Heiligen Eucharistie erst sehr spät richtig kennen, geführt durch gute Freunde und durch eigenes Erleben der Messe im außerordentlichen Ritus. Das hatte natürlich auch zur Folge, dass ich mit der Mundkommunion Bekanntschaft machte und von der Andacht und der Demut, mit der die meisten Gläubigen den Leib Christi empfingen, fasziniert war. Ganz selbstverständlich wollte ich die erste Kommunion kniend und auf der Zunge empfangen. Da die Konversion aber in einer "normalen" Kirchengemeinde stattfand, reagierte der Priester auf mein Ansinnen mit Verwunderung und Ablehnung. Ich könne ja später die Kommunion empfangen wie ich wolle, aber an diesem Tag doch bitte auf die Hand. Auch das sei andächtig und wäre eben in dieser Gemeinde so üblich. Ich gab nach. Nie wieder habe ich seitdem die Kommunion auf die Hand empfangen.

Warum spreche ich davon. Nicht nur wegen des beeindruckenden Zeugnisses von Stefan Meetschen, sondern auch wegen eines Beitrages von Thomas Seiterich, in dem die Handkommunion eigentlich gar nicht vorkommt, jedenfalls nicht explizit. Stattdessen erfahren wir dort interessante Einzelheiten über die Reiseaktivitäten des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, der vor zwei Wochen in Rom weilte und dabei auch mit dem Heiligen Vater zusammentraf. Es soll sehr laut geworden sein. Wie dem auch sei, Kardinal Marx kehrte mit einer von Papst Franziskus paraphierten Gesprächsnotiz zurück, nach der die "Handreichung" nun doch erscheinen dürfe, allerdings nicht als Text der Bischofskonferenz, sondern als Orientierungshilfe und Studientext für die Bischöfe. Ich will von der Verwirrung gar nicht reden, die ein solches Vorgehen nach den Vorfällen der vergangenen Wochen bei Gläubigen hervorruft. Das Ereignis steht aber exemplarisch für die jahrzehntelange Wühlarbeit deutscher Bischöfe in Glaubens- und Liturgiefragen beim Heiligen Stuhl.  

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Münchner Kardinalerzbischof mit dem Papst um die Einführungen von Neuerungen oder Neuinterpretationen ringt. Und damit wären wir wieder bei der Handkommunion. 1969 war es Kardinal Döpfner, der sich zusammen mit anderen Bischöfen für diese in den Niederlanden aufgekommene Art der Kommunionsspendung einsetzte. Welche Motive den beliebten Kardinal antrieben, ist mir nicht bekannt. Tatsache ist, dass er in Rom mit Nachdruck für die Erlaubnis dieser Kommunionsform eintrat, obwohl die Mehrzahl der Gläubigen sie noch gar nicht praktizierte oder nach ihr verlangte.

Das Ergebnis war die Instruktion "Memoriale domini" über den Kommunionsempfang vom 29. Mai 1969 und ein Indult für die Handkommunion, der de facto zur Regel wurde. Letztendlich bedienten sich Döpfner und die Bischöfe derselben theologeninduzierten Salamitaktik, die wir auch heute bei der Kommunion konfessionsverschiedener Ehepaare erleben. Wenn wir dann noch sehen, wie schnell die Handkommunion – angetrieben durch progressive Priester und Laien – die Mundkommunion verdrängte, ahnen wir, wohin die Öffnung der Eucharistie führen kann - zu einem Gemeinschaftsmahl für alle, ganz gleich was sie noch glauben. Das wäre dann allerdings auch ein Angriff auf die apostolische Sukzession und das Priestertum, das in einem solchen Zukunftsszenario seinen Sinn verlöre.

Deutlich wird zudem, wie sehr die Einführung der Handkommunion das Eucharistieverständnis erschüttert hat. Für mich ist die Mundkommunion eine Katechese auf Knien. Wer den Leib Christi kniend empfängt, erfährt etwas von der Größe des Geheimnisses der Heiligen Eucharistie – und das ganz ohne Worte und Belehrungen. Dass diese Erfahrung durch die Handkommunion heute weithin verschwunden ist, kann man jeden Sonntag beobachten. Ich will dem Einzelnen dabei nicht absprechen, dass er mit Würde und tiefgläubig kommuniziert. Aber der ganze Vorgang erinnert doch – ganz im Sinne der nachkonziliaren Theologie -  an die Austeilung eines Mahls. Dass dies leicht zu einer Profanisierung des Eucharistieverständnisses führt, liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Deswegen ist es auch wenig verwunderlich, dass viele Katholiken die Brisanz des Hinzutretens von konfessionsverschiedenen Ehepartnern zur Kommunion nicht erkennen und das Kommunionsverständnis von reformierten und unierten Katholiken als das ihre betrachten. Insofern hängt das Agieren der beiden Münchner Kardinäle aufs engste miteinander zusammen und unser Disput wäre wohl ohne das Jahr 1969 so nicht denkbar.

Einer unbestätigten Nachricht zufolge soll Kardinal Döpfner am Ende seines Lebens die Handkommunion nicht mehr gespendet haben. Erkannte er vielleicht, welchen Schaden er dem Eucharistieverständnis der Gläubigen zufügt hatte? Hatte er etwa das Ende nicht bedacht? Wie gesagt ist es gut möglich, dass diese Geschichte eine Legende ist. Wenn wir aber lesen, dass der derzeitige Münchner Kardinal in den Gemächern des Heiligen Vaters laut geworden sei, müssen wir uns fragen, ob  über die Folgen für die Weltkirche ausreichend nachgedacht wird. Man möchte jedem Einzelnen zurufen: Bedenke das Ende!

Alle Kommentare der Reihe "Disputa" - und weitere Beiträge rund um den "Kommunionstreit" - finden Sie in der Übersicht hier.  

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.