Bischof Voderholzers Appell: "Lasst Euch nicht verwirren!"

Ein Detail aus dem großen Fresko "Disputa del Sacramento" von Raffael, um 1510
Foto: Wikimedia / Gemeinfrei (digital gefiltert)
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06 November, 2019 / 7:04 AM

In Regensburg wurde am 31. Oktober, dem Tag des heiligen Wolfgang, das Patronatsfest des Bistums gefeiert. In der Basilika St. Emmeram hat Bischof Dr. Voderholzer in seiner Predigt Wesentliches zur Unterscheidung des Christlichen in der Welt von heute verkündet und das Evangelium Jesu Christi bezeugt. Sein Wort an die Priesteramtskandidaten und an alle, die eine Berufung verspüren, scheint zugleich an alle römisch-katholischen Christen adressiert zu sein: "Lasst Euch nicht verwirren!"

Tatsächlich nehmen so viele einfach gläubige Katholiken zunehmend Momente der Irritation wahr, doch nicht nur sie. Verwundert und verwirrt sind auch andere Zeitgenossen von diesem Kleinkunstfestival der provinziellen institutionellen Selbstbeschäftigung. Es gibt sie nämlich wirklich noch immer: Suchende, die nach Gott fragen, Christen, die über eine Konversion nachdenken, oder Atheisten oder Angehörige einer anderen Religionsgemeinschaft, die sich zu Jesus Christus bekehren und zur Kirche des Herrn bekennen möchten.

Doch was hören sie hierzulande? Dasselbe wie wir alle: Unklare Ausführungen in Sachen Y-Chromosomen, nebulöse Mutmaßungen über die "DNA der Kirche" oder ein zeitgeistlich inspiriertes Nachdenken über eine wundersame Vermehrung der Weiheämter bis hin zu einer ratlosen Apologie aller nur möglichen denkbaren Lebensformen. Das alles bildet kaum die Dynamik der Neuevangelisierung ab. Es ist viel eher ein Kennzeichen einer fortschreitenden Selbstsäkularisierung der Kirche. Wie soll ein gläubiger Katholik sich inmitten dieses Wirrwarrs an Meinungen, Anschauungen und Nebelwörtern noch zurechtfinden? Wie attraktiv, wie anziehend ist eine Kirche für Suchende, die sich in Betrachtungen über eine theologisch gefärbten Genetik verliert? Wer spricht noch von Gott? Warum erinnert so gut wie niemand an die Schönheit der Berufung? Auch der Weltchrist, getauft und Gott geweiht, hat seinen Auftrag und seine Sendung, ist gerufen und berufen in die Nachfolge Christi. Erinnert sei an die Weisung des Patrons Europas, des heiligen Benedikt: Ora et labora! Also: Bete und arbeite! Das heißt ja nicht: Partizipiere an allen Debatten und schließe dich der Genossenschaft weltgewandter kirchlicher Funktionäre an, um über Aufbruchsfantasien zu diskutieren oder über die Institution an und für sich zu lamentieren. Neuevangelisierung erfordert das Zeugnis des Christen, nicht eine neue Marketingstrategie. Jeder Einzelne von uns ist dazu berufen. Erinnert sei darum an die Worte des heiligen Johannes Pauls II., der vor mehr als dreißig Jahren im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben "Christifideles laici" bekräftigte: "Die Bilder des Evangeliums: das Salz, das Licht und der Sauerteig, treffen unterschiedslos auf alle Jünger Jesu zu, aber in besonderer Weise auf die Laien. Sie haben eine wundersam tiefe Bedeutung für sie, denn sie bringen nicht nur die tiefe Verankerung und die volle Teilhabe der Laien auf der Erde, in der Welt, in der Gemeinschaft der Menschen zum Ausdruck, sondern auch und vor allem das Neue und Originelle einer Verankerung und einer Teilhabe, die ihren Sinn in der Verbreitung des heilbringenden Evangeliums findet."

Bischof Voderholzer sagte zudem: "Ich bin der festen Überzeugung: Wo die Sehnsucht nach der Eucharistie, Hunger der nach der »geistlichen Speise«, nach dem »Brot vom Himmel« wirklich groß ist, dort wird auch die Bereitschaft wachsen, dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen – sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa."

Wie groß ist die Sehnsucht nach der Eucharistie? Wie groß ist die Sehnsucht nach dem nahezu vergessenen Sakrament der Beichte wirklich? Vergessen wir auch nicht: Die Kirche ist keine säkulare Anstalt für sakramentale Vollversorgung, sondern als Ganze dazu bestellt – und damit jeder von uns, Kleriker wie Weltchrist –, das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen und treu zur Lehre der Kirche zu stehen, mit Wort, Tat und Gebet. Übrigens: Wer betet heute eigentlich noch für geistliche Berufungen?

Ja, diese Zeit birgt ihre Konfusionen. Darum benötigen ganz normale Katholiken heute auch mutige Bischöfe, damit sie von ihnen bestärkt, ermutigt und ermuntert werden. Johannes Paul II. fand klare Worte dafür: "Die eine universelle Kirche ist in den verschiedenen Teilen der Welt in den Teilkirchen präsent. In jeder von ihnen hat der Bischof eine besondere Verantwortung für die Laien. Er muß sie durch die Verkündigung des Wortes, durch die Feier der Eucharistie und der Sakramente, durch die Führung und Inspirierung ihres christlichen Lebens erziehen."

Bischof Dr. Voderholzer hat aus demprogrammatischen Brief von Papst Franziskus an alle Katholiken in Deutschland zitiert und an die Notwendigkeit der Neuevangelisierung erinnert. Es gelte, so fordert der Papst, "eine Haltung einzunehmen, die darauf abzielt, das Evangelium zu leben und transparent zu machen, indem sie mit dem grauen Pragmatismus des täglichen Lebens der Kirche bricht, in dem anscheinend alles normal abläuft, aber in Wirklichkeit der Glaube nachlässt und ins Schäbige absinkt". Ja, lassen wir uns also nicht verwirren – und bezeugen wir die Schönheit des Glaubens, in unverbrüchlicher Treue zur Kirche unseres Herrn Jesus Christus.

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