Das betrachtende Gebet: Warum wir es brauchen und wie es geht

"Zeit für Gott ist ein grundlegendes Element für das geistliche Leben wie für geistliches Reifen. Diese Zeit aber nicht selbst zu füllen, sondern sie von Gott füllen zu lassen, ist Sinn und Zweck des betrachtenden Gebetes."
Foto: Himsan / Pixabay (CC0)
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27 February, 2019 / 1:30 PM

Das betrachtende Gebet bedeutet: "Sich erinnern". Sich daran zu erinnern, was Gott getan hat - und nicht zu vergessen, was er uns Gutes getan hat.

Inneres Beten

Dies ist eine Gebetsform, die in der christlichen Überlieferung "inneres Gebet" genannt wird. Die meisten kennen nur das Beten mit Worten. Aber auch der Verstand und das Herz müssen im Gebet präsent sein. So besteht das betrachtende Gebet nicht aus Worten, vielmehr kommen darin der Verstand und das Herz mit Gott in Berührung.

Maria - ein Vorbild

Beim Evangelisten Lukas lesen wir: Maria "bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach" (2,19; 2,51). Maria bewahrt, sie vergisst nicht; sie achtet auf alles, was der Herr, ihr Sohn Jesus, ihr gesagt und was er getan hat. Maria denkt nach, sie tritt in Berührung mit verschiedenen Dingen, vertieft alles in ihrem Herzen.

Maria hat der Verkündigung des Engels geglaubt und durch den Glauben ist sie zum Werkzeug Gottes geworden. Dadurch konnte das ewige Wort des Allerhöchsten Mensch werden. Maria hat das Wunder jener menschlich-göttlichen Geburt auch in ihr Herz aufgenommen, sie hat es betend betrachtet und darüber nachgedacht, was Gott in ihr wirkte. Den göttlichen Willen hat sie in ihr Leben aufgenommen und ihm ganz entsprochen.

Das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der Mutterschaft Marias ist so groß, dass es einen Prozess der Verinnerlichung verlangt. Es ist nicht nur etwas Leibliches, das Gott in ihr wirkt, sondern es verlangt eine Verinnerlichung von Seiten Marias.

Maria versucht, dies tiefer zu verstehen, den Sinn zu deuten, die Folgen und Auswirkungen zu verstehen. Sie hat täglich in der Stille des Alltags die wunderbaren Ereignisse, die im Leben einander folgten, in ihrem Herzen bewahrt und durch ihr Leben bezeugt, bis hin zur höchsten Prüfung, des Kreuzestodes ihres Sohnes, und der Herrlichkeit seiner Auferstehung.

In ihrem Leben hat Maria die täglichen Pflichten, ihre Sendung als Mutter, in Fülle gelebt, und sie hat sich in ihrem Herzen einen Raum bewahrt, worin sie über das Wort und über den Willen Gottes nachdachte, über das, was in ihr geschah, und über die Geheimnisse des Lebens ihres Sohnes.

Du und ich

Die Menschen werden heute von vielen Aktivitäten, Verpflichtungen, Sorgen und Problemen beansprucht. Oft erfährt man, wie sie ihre Tage ausfüllen, ohne auch nur ein paar Minuten zu haben, in denen sie innehalten und nachdenken, in denen sie ihr geistliches Leben erneuern, damit ihr Kontakt mit Gott genährt würde.

Wie notwendig es ist, in unserem Tagesablauf mit all seinen Aktivitäten, Zeiten zu finden, in denen wir uns in Stille sammeln und darüber nachdenken können, was der Herr von uns will, was er uns lehrt, zeigt uns Maria. Wenn wir Maria betrachten, mit Maria betrachten, erkennen wir auch, wie Gott in der Welt und in unserem Leben gegenwärtig ist und dort wirkt. Doch es ist notwendig, dass wir fähig sind, einen Augenblick innezuhalten und im Gebet auf den Herrn zu hören.

"ruminare" - wiederkäuen oder nachsinnen

Dieses Wort des heiligen Augustinus kommt in der ganzen christlichen Überlieferung immer wieder vor. Er vergleicht hiermit das betrachtende Gebet über die Geheimnisse Gottes mit der Nahrungsaufnahme. Die Geheimnisse Gottes müssen wir uns immer wieder vergegenwärtigen. Nur so können sie uns geläufig werden und unser Leben leiten, auch nur so uns nähren wie die Speise, die notwendig ist, damit wir uns erhalten und leben. Immer wieder nachsinnen, wiederkäuen, ja mit einem brennenden Eifer im Herzen daran festhalten. Wenn wir eine Haltung der Sammlung einnehmen, die innere Stille zulassen, nachdenken über die Geheimnisse unseres Glaubens, und das, was Gott in uns wirkt, in uns auch aufnehmen, - dann sind wir auf dem rechten Weg.

Zwei Beispiele

Die Fastenzeit ist gut geeignet, sich auf den Weg zu machen. Die Liturgie der Kirche schenkt uns täglich einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift. Ihre Worte können uns der Wirklichkeiten Gottes näherbringen, unser Herz erweitern und unser Leben verändern. Wir lesen die Worte Gottes in der Heiligen Schrift, wir lesen sie langsam und denken über das Gelesene nach. Wir verweilen und versuchen zu erfassen und zu verstehen, was Gottes Wort sagen möchte, was es hier und heute sagt, wie es jetzt das Herz öffnet. Wir erfahren in der Betrachtung was der Herr uns sagen und lehren will.

Auch der Rosenkranz, dieses so arg verkannte Gebet, ist ein betrachtendes Gebet. Durch das Einfügen und betrachten eines Gesätzes über ein bestimmtes Geheimnis aus dem Leben Mariens, dringen wir immer tiefer ein in Jesu und Mariens Leben. Im sich immer wiederholenden Beten des "Gegrüßet seist du, Maria" wird unser Leben verwandelt. Immer geht es darum, mit Gott in Berührung zu kommen. Wir wollen uns Gott nähern, ihm folgen und so mit ihm auf dem Weg ins Paradies sein.

Schenken wir Gott Zeit

Zeit für Gott ist ein grundlegendes Element für das geistliche Leben wie für geistliches Reifen. Diese Zeit aber nicht selbst zu füllen, sondern sie von Gott füllen zu lassen, ist Sinn und Zweck des betrachtenden Gebetes. Vertrauen wir uns immer mehr Gott, der unser Herr und Meister ist, an. In diesem Vertrauen und in der Liebe, erhalten wir die Erkenntnis, dass wir am Ende nur dann glücklich sein können, wenn wir seinen Willen tun. Schon jetzt ist es der Herr selbst, der uns Geschmack an seinen Geheimnissen gibt und Freude an seinen Worten und Geboten. Er lässt uns spüren, wie schön es ist, wenn er mit uns spricht. Betrachten wir seine Geheimnisse und beten wir. Der Herr wird uns tiefer verstehen lassen, was er von uns will. Schenken wir uns darum jetzt seiner Gegenwart und seinem Wirken.

In einer früheren Fassung veröffentlicht am 24. Februar 2018.

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