Die synodale Debattenkultur

Schachspiel (Illustration)
Foto: Rafael Rex Felisilda / Unsplash (CC0)
13 September, 2021 / 4:05 PM

Sowohl Bischof Dr. Helmut Dieser als auch Bischof Dr. Franz-Josef Bode und Professorin Dorothee Sattler haben sich mit Statements zu Wort gemeldet – offensichtlich irritiert von der  auf Initiative von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer konzipierten Webseite, die viele Kleriker und Weltchristen mit großer Dankbarkeit aufgenommen haben. In allen Diözesen in Deutschland finden sich nämlich noch römisch-katholische Christen, die sich nichts mehr wünschen als einen Aufbruch in der Neuevangelisierung. Bischof Dr. Dieser indessen kommentierte neue Diskussionen eher verstimmt: „Die synodalen Auseinandersetzungen, in denen wir sowohl freimütig sprechen und einander intensiv zuhören, finden im Synodalen Weg statt, nicht am Rande.“ 

Offensichtlich sollen hier Diskurse eingehegt werden. Die Kirche ist nach meiner Überzeugung keine Demokratie, sondern die Stiftung Jesu Christi, aber wenn Gesprächsbedarf über umstrittene Texte besteht und lehramtstreue Gegenpositionen artikuliert werden, so freut mich das. Ein solcher bischöflicher Kommentar aber scheint mir für einen freimütigen Austausch in einer synodalen Kirche, die sich Papst Franziskus wünscht, nicht hilfreich zu sein. Weiterhin gibt Bischof Dr. Dieser zu bedenken, dass es zu einer „guten und offenen Debattenkultur“ gehöre, „wenn jeder sich prüft: Darf die Auffassung des Anderen mich verändern? Darf darin Gottes Geist mich verändern?“ Dem ist zuzustimmen, aber zu einer „guten und offenen Debattenkultur“ gehört auch, dass ich mich von Christus reinigen und von der Kirche korrigieren lasse – und nicht jede beliebige Idee und Meinung, die der gültigen Lehre der Kirche widerspricht, für eine neue, zeitgemäße Wahrheit des Glaubens halte.

Auch Bischof Dr. Bode, der gemeinsam mit Frau Prof. Sattler das Forum „Frauen in Ämtern und Diensten der Kirche“ leitet, äußert sich in der Osnabrücker Bistumspresse zu den synodalen Debatten. Er meint, dass die „Diskussion auf gutem Weg“ und keine rein „theologische Fachdebatte“ sei. Das hält er für wichtig. Die Münsteraner Theologin Dorothee Sattler erklärt: „Wir werden in der Synodalversammlung nicht darüber abstimmen können: Frauenordination – Ja oder Nein?“ Es sei aber schon viel erreicht, „wenn wir in Rom signalisieren, es gibt eine Zwei-Drittel-Mehrheit der deutschen Bischöfe, die das Thema noch einmal im weltweiten Kontext auf die Tagesordnung rücken wollen“. Deutlich wird hieraus vor allem: Die Signale, die nach Rom gesandt werden sollen, stehen schon fest. In der hier wie dort beschworenen „guten und offenen Debattenkultur“ werden also kritische Stimmen marginalisiert, stigmatisiert oder ignoriert. Frau Prof. Sattler hat die bereits feststehende Zielvorgabe präzise erläutert. Worüber wird dann eigentlich noch diskutiert? Für soviel synodale Offenheit darf man heute dankbar sein. Die Frage nach Gott und die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi in der Welt von heute scheinen vollkommen überflüssig zu sein. Im Sinne einer „guten und offenen Debattenkultur“ empfehle ich darum zur Lektüre: www.synodale-beitraege.de.

Hinweis: Dieser Gastkommentar – sein Inhalt sowie die darin geäußerten Ansichten – sind kein Beitrag der Redaktion von CNA Deutsch. Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln zudem nur die Ansichten der jeweiligen Autoren wider. Die Redaktion von CNA Deutsch macht sich diese nicht zu eigen.   

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