Im Westen was Neues

Historische Fotografie aus dem Ersten Weltkrieg
Foto: Pixabay / bmewett
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20 October, 2017 / 9:37 AM

"Ich glaube, wir sind verloren", heißt der zentrale Satz im Credo vieler "verlorener Generationen" des letzten Jahrhunderts, seit Erich Maria Remarque diesen Satz dem Soldaten Paul Bäumer zehn Jahre nach dem I. Weltkrieg in den Mund legte, bevor auch er hingerafft wurde, "an einem Tag, der so ruhig und so still war, dass der Heeresbericht sich auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden." Remarques "Im Westen nichts Neues" wurde danach ein Jahrhundertbestseller. 1917, das vorletzte Jahr des I. Weltkrieges war das "Jahr der Agonie" und das "Jahr der Wende", in dem mehr oder weniger unsere moderne Welt ausgebrütet wurde.

Der Krieg war vollends "modern" geworden. Ein Jahr zuvor hatten sich in einem Sommer vor Verdun und an der Somme Millionen junger Männer in sinnlosen Stellungsschlachten gegenseitig abgeschlachtet. Die Blüte der christlichen Nationen verblutete in der Champagne, in Flandern und anderen ehemaligen Paradiesgärten unseres Kontinents. Das tückische Giftgas war endgültig zu dem Grauen der Granatsplitter dazu gekommen, und die Stahlgewitter und Bombardements aus der Luft, die U-Boot-Attacken aus der Tiefe der Meere gegen Handelsflotten, die Panzerschlachten gegen letzte Kavallerieregimenter. Hungersnöte suchten Europa heim. Russland brachte seine Zaren um und riss in zwei Revolutionen die Tore des totalitären Zeitalters auf. Das junge Amerika griff erstmals in der alten Welt in das Ringen um die Weltherrschaft ein. Das Vielvölkerimperium der Habsburger brach in fiebernde Nationalstaaten auseinander und die Briten versprachen sowohl den Arabern wie den Juden unabhängige eigene Staaten im Nahen Osten nach dem Sieg über die Osmanen. 1917 war tatsächlich das Schlüsseljahr der modernen Welt.

Und dennoch gab es im selben Jahr im Westen etwas weltbewegend Neues, auch wenn es in allen Heeresberichten so wenig vermerkt wurde wie der Tod des Soldaten Paul Bäumer in Remarques Roman. Das waren sechs Erscheinungen Marias im äußersten Westen in Portugal vor den unmündigen drei Hirtenkindern Jacinta und Francisco Marto und Lúcia dos Santos, bis sie sich ihnen am 13. Oktober 1917 mit den Worten vorstellte: "Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Ich bin gekommen, die Gläubigen zu ermahnen, ihr Leben zu bessern und den Herrn nicht mehr durch die Sünde zu betrüben, der schon so viel beleidigt wurde."  Sie wünschte, dass man in Fatima zu ihrer Ehre eine Kapelle errichtete und dass die Menschen den Rosenkranz beten. Besiegelt wurde diese letzte Erscheinung durch ein Sonnenwunder vor über 70.000 Zeugen. Aus der gewünschten Kapelle ist längst eine Kathedrale geworden und der Rosenkranz hört seit jenem Tag nicht mehr auf, die Lippen zahlloser Beter zu bewegen. Warum die Madonna aber so sehr auf diesem schlichten Gebet beharrte, können wir vielleicht erst heute sehen, wo wir wieder, wenn auch ganz anders, entscheidende "Jahre der Wende" erleben. Denn seit 1917 ist die Weitergabe des Glaubens an die Menschwerdung Gottes ja in großen Teilen der Erde versiegt, in den Familien, Schulen, Pfarreien. Dieser Glaube aber wird bis zum Ende der Tage ungefiltert und rein durch den Rosenkranz weitergegeben, in einer unzerstörbaren Schule des Glaubens, wo jeder, der ihn betet, dem Credo des letzten Jahrhunderts gelassen das Credo der kommenden Welt entgegenhalten kann: "Ich glaube, wir sind gerettet".

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der überregionalen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost". 

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