"… daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben"

Eine Betrachtung zu neuen Diskursen über das "Frauenpriestertum"

Papst Franziskus begrüßt Ordensfrauen bei der Generalaudienz am 30. Oktober 2019
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
23 August, 2020 / 11:25 AM

Wie verbindlich ist die verbindlich gültige Lehre der Kirche? Das ist eigentlich eine absurde Frage, finden Sie nicht auch? Der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße hat sich an der Katholischen Akademie in Hamburg erneut meinungs- und diskursfreudig gezeigt. Nur das Thema, über das er auf dem Synodalen Weg diskutieren möchte, ist alles andere als neu. Worum geht es? Mit dem 1994 veröffentlichten Apostolischen Schreiben von Johannes Paul II. zum Ausschluss des Frauenpriestertums sei die Angelegenheit, so Heße, mitnichten erledigt: "Die Diskussion ist nach wie vor da, sie ist lebendig, und sie ist durch ein Papier nicht zu ersticken." Die historische Perspektive genüge nicht. Auf die Frage, ob er beim Synodalen Weg für die Zulassung von Frauen und Diversen zum Priesteramt eintrete, signalisierte Heße seine grundsätzliche Offenheit, mit der er in die Gespräche gehe:"Wenn die Ergebnisse am Anfang schon feststehen, dann habe ich kein Interesse an dem Weg." Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer indessen sagte am 12. Mai 2019 zu dieser Frage eindeutig in der Abtei Heiligenkreuz: "Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen."

Erzbischof Heße vertritt eine Meinung, die von vielen Menschen geteilt wurde und geteilt wird, auch von vielen, die sich der römisch-katholischen Kirche zugehörig wissen. Nicht nur Bischöfe, auch viele Theologinnen und Theologen – darunter Dorothee Sattler, die sich auch in Hamburg aufgeschlossen geäußert hat – möchten heute das Gespräch darüber neu eröffnen, hier in Deutschland. Wie denken Sie darüber? Ich habe auch eine Meinung dazu. Spielt meine persönliche Ansicht eine Rolle? Überhaupt nicht – und das macht gar nichts. Auch darum brauche ich diese Meinung nicht zu äußern. Entscheidend ist, dass der heilige Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 in "Ordinatio sacerdotalis"  verbindlich gesprochen hat: "Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenen Orts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben." Jeder von uns kann eine eigene Meinung haben, und jeder, ob Weltchrist oder Kleriker, darf sich von der Kirche korrigieren lassen. Einen Wunsch habe ich: Dass unsere Bischöfe tun, wozu sie bestellt sind – nämlich die Lehre der Kirche unverkürzt und unverändert, weltoffen und verständlich zu verkündigen. Warum? Die Verkündigung ist eine sehr wichtige Form der Evangelisierung. Der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Etérovic sagte am 2. März 2020 in seinem Grußwort vor der deutschen Bischofskonferenz: "Die Evangelisierung ist nicht nur eine Pflicht der Kirche und seiner Vertreter gemäß dem Auftrag des auferstandenen Herrn, sondern auch ein Recht der Menschen, die Jesus Christus und sein Evangelium noch nicht oder nicht ausreichend kennen."

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