UN-Debatte zur Jugend: Ein Interview mit Emily Toole (Bericht und Video)

Emily Toole im EWTN-Interview mit Christian Peschken
Foto: www.peschken.media
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20 November, 2018 / 11:08 AM

Bereits einen Monat vor der Jugendsynode war das Thema auch Gegenstand der 39. Sitzung des UN-Hochkommissars für Menschenrechte. Der Heilige Stuhl äußerte seine Besorgnis darüber, dass diese Generation in einer "Umgebung der Verwitterung" lebe.

Msgr. Mauro Cionini, Erster Sekretär der Delegation des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen Genf: "Die junge Generation ist anfällig dafür, isoliert zu werden und ihr Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einem Heimatland, zu einer Kultur, zu einem Glauben zu verlieren."

Ich sprach mit einer katholischen Jugendleiterin. Sie wies auf die verschiedenen Altersgruppen hin, und dass sie glaube, dass die am stärksten gefährdete die so genannte "Generation Z" sei, die etwa 1995 bis 2010 zur Welt kamen. 

Emily Toole, Leiterin des Jugendprogramms in der "Gemeinde John XXIII.", Genf:

In dieser Altersgruppe haben wir also das, was wir Technologie Kleinkinder nennen. Sie verwenden sie von klein auf, um ihr Leben zu formen, um Wege zu kreieren, die keine der anderen Generationen erlebt hat. So finden sie durch die Nutzung dieser Technologien ihren Weg ins Leben. Und so sieht das für sie in der Praxis aus: Sie sind etwa 15 Stunden am Tag auf ihren Smartphones. Pro Woche verbringen sie etwa 36 Stunden vor den Computerbildschirmen. Sie bekommen 3.000 Text-Nachrichten im Monat. Sie sind die "Immer online" Generation. Und sie waren in der Lage, ein völlig neues Modell zu erschaffen, das, anstatt sich an etwas anpassen zu müssen, das vorgegeben ist, erfinden und verändern sie Modelle.

Msgr. Mauro Cionini äußerte in seiner Rede, dass die Weltwirtschaft nicht in der Lage sei, genügend hochwertige Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen.

Emily, lassen Sie uns kurz über den Job sprechen, das Unternehmen, das ihm den Job gibt, die Früchte der Arbeit, ist das auch wichtig, dass die Arbeit etwas in der Gesellschaft bewirkt? 

Emily Toole, Leiterin des Jugendprogramms in der "Gemeinde John XXIII.", Genf:

Ja, in jedem Fall, 80 Prozent in diese Altersgruppe, will einen Einfluss auf unsere Welt haben, das sind 39 Prozent mehr wie in der Generation vor ihnen. So gibt also in nur einem Generationsunterschied, diesen enormen Anstieg, wenn es darum geht, Einfluss auf die Welt zu haben.

Und sie sind an Themen wie Tierquälerei und Cyber-Mobbing (auch Cyber-Bullying genannt) interessiert. Darüber hinaus an einer Vielzahl von sozialen Themen, und sie wollen da eine Veränderung sehen. Ich denke, diese Fähigkeit, online zu sein, und die Tatsache, dass so viele weitere Menschen erreicht werden, geben ihnen die Möglichkeit, ihre Zukunft zu gestalten, indem sie ihren sozialen Präsenz nutzen. 

Der Heilige Stuhl sagte, dass der Aufbau von psychologischen, sozialen, emotionalen, praktischen und körperlichen Fähigkeiten und der Austausch von Werten wesentliche Bestandteile jeder Ausbildung sein müssen.

Msgr. Mauro Cionini: " In der Tat bedeutet Bildung, junge Menschen zu begleiten, wenn sie zu Protagonisten ihres eigenen Lebens und zu Verantwortlichen im Leben anderer werden sollen. 

Emily Toole: "Richtig! Ich denke, dass dies eine Gelegenheit ist... die Verteidigung unseres Glaubens, einzubringen, und Thomas von Aquins 'Ursache und Wirkung' zu lehren, anstatt die wissenschaftliche Seite zu betrachten und darüber zu sprechen, wo die wissenschaftlichen Beweise liegen. Wir sollten nicht vergessen das es ein katholischer Priester war, der die Urknalltheorie begründete. Ich denke auch dass viele vergessen, dass Wissenschaft und Glaube Hand in Hand gehen. Es ist also eine gute Gelegenheit für uns zu sagen: "Nun, schau, das ist unsere Meinung, und hier unsere Antworten auf diese großen Fragen." Und das macht es vor allem für diejenigen jungen Menschen leichter für die es eine Frage der Wissenschaft ist, und wir dann eine Antwort darauf haben. Wenn es also darum geht, ihren Glauben zu verteidigen oder danach zu suchen, wie wir auf bestimmte Themen antworten, dann ist das eine Sache der Verteidigung unseres Glaubens, die wir in diese Themen einbringen können."

Um also das Interesse junger Menschen an der Kirche zu wecken und ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln, wie sollen wir sie einladen? 

Emily Toole: "Als ich jung war, hatte ich eine so genannte 'Kostbare Momente Bibel'. Es war eine kleine, weiße Bibel mit goldenem Rand. Ein sehr angelsächsisch aussehender Jesus war auf der Vorderseite, und ein kleines Lamm daneben. Alle Bilder in dieser Bibel waren eine Art 2D-Bilder von sehr schönen Momenten in den Bibelgeschichten. Damit bin ich aufgewachsen. Also, ich hatte diese Bibel und ich denke, dass ich meinen Glauben durch diese Linse dieser kleinen kostbaren Momente sah. Und seit dieser Zeit hatte ich vier weitere Bibeln, die jedoch alle eine andere Sichtweise des Katholizismus darstellten. Durch die Wortwahl zum Beispiel.  Und das hat meinen Glauben irgendwie verändert. 

Ich denke, das ist deshalb erwähnenswert, weil es meinen Glauben von Anfang an stark beeinflusst hat. Ich glaube, dass viele Teenager die Kirche in diesem Licht sehen, dass sehr beschränkt ist, dass sehr konservativ ist, dass diesen 'weißen Jesus' darstellt, und nicht, dass es ein lebendiger und atmender Glaube ist."

Einige sagen: "Mir gefällt nicht, wie die Meinung der Kirche zu bestimmten Themen ist." Ich denke, dass wir ihnen den Glauben in einer Weise präsentieren, die sie verstehen können, anstatt die Lehre der Kirche zu ändern, was meiner Meinung nach nicht die Antwort wäre.

Sind wir in der Lage, uns an die sich verändernden Menschen anzupassen? Den Teenagern zu zeigen, dass die Kirche sich echte Sorgen um dieses Thema macht, dass dies wirklich eine große Sache ist, ein Big Deal. Hast du die Person Jesu getroffen? Kennst du ihn? Weißt du, wie er auf die Armen und wie er auf Ungerechtigkeit reagiert hat, dass er wütend werden würde, und dass er die Menschen nach ihren Missetaten rufen würde, und er diese sehr dynamische Gestalt ist? Das verstehen die Menschen meiner Meinung nach nicht, und dass die Kirche wirklich ein so einladender Ort ist.  Das sie einen Reichtum in sich hat und die Fähigkeit auf die Menschen zu reagieren, auf die Armen, auf Arbeitsfragen.

Da nun Technologie zu einem so großen Teil ihres Lebens geworden ist, wär eine Einladung vielleicht das wir sie fragen ob sie ein Video machen können, über die Wunder Gottes und die Ehrfurcht vor ihm zu erforschen? Also lass uns losziehen und ein Video darüber machen. Du bist ein Blogger? Kannst Du etwas für das Online Kirchenbulletin schreiben? Ich denke am Ende geht es nur um die Frage der Einladung und des Einbringens und des Zeigens, dass man hier eine wahre Zugehörigkeit als Kind Gottes findet und die Möglichkeit hat seine Flügel in seinem Glauben auszubreiten und zu teilen, welche Fähigkeiten auch immer Gott uns geschenkt hat.

Msgr. Mauro Cionini schloss seine Rede, indem er darauf hinwies, dass eine integrative Zukunft bedeute das man Junge Menschen als wertvolle Quellen und nicht als Verpflichtung betrachte.

"Wir sollten nicht vergessen, dass die jungen Menschen ein Geschenk sind, das es zu schätzen und zu fördern gilt, eine Investition, die einen hohen Ertrag bringt, wenn man ihnen nur echte Chancen bietet. Dies ist eine dringende Notwendigkeit der intergenerationellen Gerechtigkeit."

Nach Ansicht des Heiligen Stuhls ist es auch unerlässlich, dass zukünftige Generationen eine natürliche Umwelt ererben, die von menschlicher Gier und Verwüstung unberührt ist. Und es ist wichtig, dass ihnen nicht die Hoffnung und die Chance genommen wird, mit ihrem Idealismus und ihren Talenten die Zukunft ihres Landes und unserer gesamten Menschheitsfamilie zu gestalten. 

Christian Peschken ist U.N. Genf-Korrespondent für EWTN. Das Thema wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Christian Peschken unter www.peschken.media

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.