Heute vor 20 Jahren starb Papst Johannes Paul II.

Mutter Angelica mit Papst Johannes Paul II.
EWTN

Wer Papst Franziskus in jüngster Zeit bei öffentlichen Auftritten beobachtet, wird unweigerlich an die letzten Tage seines Vorgängers Johannes Paul II. erinnert. Vor genau 20 Jahren, am 2. April 2005, starb der polnische Papst nach langem Leiden vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Unvergessen sind die Bilder seiner letzten Osterauftritte, bei denen ihm die Stimme versagte. Die Nachricht von seinem Tod überbrachte Erzbischof Leonardo Sandri den Gläubigen, die in stiller Anteilnahme auf dem Petersplatz versammelt waren, mit den Worten: „Um 21.37 Uhr ist unser Heiliger Vater zum Haus des Vaters zurückgekehrt.“

Die letzten Lebensmonate von Johannes Paul II. waren geprägt von großem körperlichem Leiden und tiefer geistlicher Haltung. Seit Anfang 2005 hatte sich seine Parkinson-Krankheit dramatisch verschlimmert. Zweimal musste er in die Gemelli-Klinik eingeliefert werden, wo die Ärzte versuchten, ihm mit einem Luftröhrenschnitt Linderung zu verschaffen. Zuletzt kehrte er am 9. Februar im beleuchteten Papamobil in den Vatikan zurück – es sollte die letzte Fahrt Johannes Pauls II. durch seine Bischofsstadt werden.

Die Karwoche verfolgte er nur noch über einen Bildschirm in seiner Privatkapelle. Beim Ostersegen „Urbi et orbi“ versagte ihm gänzlich die Stimme. Stumm und von Schmerzen gezeichnet machte er das Kreuzzeichen. In diesen Momenten wurde der Papst zu einem lebendigen Zeugnis der Leidensnachfolge Christi. Am 30. März 2005 zeigte er sich zum letzten Mal in der Öffentlichkeit, bereits über eine Dauersonde in der Nase künstlich ernährt.

Am 1. April bekam er Fieber und empfing die Krankensalbung. Einen Tag später, am 2. April 2005, gegen 15:30 Uhr, sprach er seine letzten Worte auf Polnisch mit sehr schwacher und gebrochener Stimme: „Lasst mich ins Haus des Vaters gehen!“ Kurz vor 19 Uhr fiel er ins Koma. Um 21:37 Uhr starb Johannes Paul II. während einer Messe, die an seinem Krankenbett gefeiert wurde.

Wer war Papst Johannes Paul II.?

Karol Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter und seines älteren Bruders interessierte er sich zunächst für Literatur und Theater und begann ein Studium der Polonistik. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Tod seines Vaters weckten in dem jungen Mann eine andere Berufung: Er entschied sich für das Priestertum, für das er im von den Nazis besetzten Krakau im Untergrund ausgebildet wurde.

Nach erfolgreicher Promotion in Rom und Habilitation über den deutschen Denker Max Scheler wurde Wojtyła während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) zum Erzbischof von Krakau ernannt. 1967 folgte die Kardinalswürde durch Paul VI. und schließlich am 16. Oktober 1978 die Wahl zum Papst. Er war der erste Pole und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren auf dem Stuhl Petri. Den Namen Johannes Paul II. wählte Wojtyła zu Ehren seines Vorgängers Johannes Paul I., der nur 33 Tage im Amt war.

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Sein Leiden beschränkte sich nicht auf die letzten Lebensjahre. Bereits 1981 überlebte Johannes Paul II. ein Attentat auf dem Petersplatz. Am 13. Mai gab ein türkischer Attentäter aus nächster Nähe mindestens zwei Schüsse auf ihn ab. Eine Kugel traf den Papst an der linken Hand und an der Schulter, eine zweite drang in seinen Unterleib ein. Nur eine sofortige Operation konnte sein Leben retten.

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Johannes Paul II. sah sein Überleben als Wirken der Mutter Gottes an, da das Attentat am Gedenktag der Muttergottes von Fatima stattfand. Papst Franziskus hat später in Bezug auf dieses Ereignis gesagt: „Der heilige Johannes Paul vergoss sein Blut für die Kirche.“ Nach seiner Genesung vergab der Papst seinem Attentäter in einem beispiellosen Akt christlicher Nächstenliebe.

Mit zunehmendem Alter wurde die Parkinson-Krankheit zur immer schwereren Bürde für den einst so aktiven und athletischen Mann. Dennoch weigerte er sich, sein öffentliches Wirken aufzugeben. Seine Leiden trug er mit Würde und machte es zum Teil seiner Verkündigung. Franziskus würdigte später dieses Zeugnis: „Er bezeugte uns, dass wir selbst in der schweren Prüfung der Krankheit, die wir täglich mit dem menschgewordenen Gott teilen und für unsere Rettung kreuzigen, glücklich bleiben können, dass wir wir selbst bleiben können.“

Johannes Pauls Pontifikat von fast 27 Jahren war eines der längsten in der Kirchengeschichte – und eines der wirkungsvollsten. Als „Pilgerpapst“ bereiste er 104 Länder auf allen bewohnten Kontinenten. Seine Erfahrungen mit den Schrecken des Nationalsozialismus und des Kommunismus prägten ihn und machten ihn zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Sein Einsatz für Freiheit und Menschenwürde trug wesentlich zum Fall des Kommunismus bei. Bereits bei seiner ersten Reise in seine Heimat Polen 1979 löste er eine anhaltende Welle der Opposition gegen das kommunistische Regime aus. Franziskus charakterisierte ihn als einen Mann des Gebets, der Nähe und der Gerechtigkeit. Er hob besonders seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit, die Wahrung des Völkerrechts und den Frieden hervor.

Sein Vermächtnis

Nach seinem Tod am 2. April 2005 erwiesen mehr als drei Millionen Menschen Johannes Paul II. im Petersdom die letzte Ehre. Zur Beisetzung am 8. April kamen Staats- und Kirchenoberhäupter aus aller Welt. Während der Trauerfeier ertönten Rufe nach einer schnellen Heiligsprechung: „Santo subito“ – „Sofort heilig“.

Der Seligsprechungsprozess begann im Mai 2005 und wurde von seinem Nachfolger Benedikt XVI. eingeleitet, der ihn schließlich auch seligsprach. Die Heiligsprechung durch Papst Franziskus erfolgte am 27. April 2014. Seine letzte Ruhestätte fand der polnische Papst dann in der Sebastianskapelle des Petersdoms, in unmittelbarer Nähe der Pietà von Michelangelo.

Sein Vermächtnis geht jedoch weit über sein persönliches Zeugnis hinaus. Seine Worte „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“ bei seiner Amtseinführung im Jahr 1978 haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Sie bleiben eine Ermutigung für alle Christen, ihren Glauben mutig zu leben und zu bezeugen.