Redaktion - Donnerstag, 3. April 2025, 16:00 Uhr.
Tobias Haberl, Bestseller-Autor, Journalist und bekennender Katholik, beschreibt in seinem Buch „Unter Heiden“ das Spannungsfeld zwischen persönlichem Glauben und einer zunehmend religionsfernen Gesellschaft. Im Interview mit GRANDIOS (aktuelle Ausgabe) erklärte er, warum er sich nur als „mittelmäßiger Christ“ versteht und welche Herausforderungen er für Kirche und Gläubige sieht.
Die Wahl des Titels „Unter Heiden“ entstand laut Haberl spontan während der Arbeit an einem Essay für das SZ-Magazin: „Das war, glaube ich, eine reflexhafte Eingebung.“ Inspiriert habe ihn die Tradition von Titeln mit der Präposition „unter“ – wie Jan Fleischauers „Unter Linken“ oder Karl Mays „Unter Geiern“.
Der Begriff „Heiden“ sei bewusst provokativ gewählt: „Ich wollte beschreiben, wie ich mich als Katholik unter gottlosen und atheistischen Menschen fühle.“ Kritik an der vermeintlichen Abwertung wies er zurück und betonte, dies im Buch ausführlich zu thematisieren.
Haberl bezeichnete sich selbst als „mittelmäßigen Christen, der Gott dennoch täglich zu gefallen suche“. Sein Schreibstil, der private Zweifel und sogar Sünden einbezieht, folge keiner Strategie: „Ich kann guten Gewissens sagen, so war es nicht. Es ist meine Art, zu schreiben.“
Diese Offenheit stieß selbst in seiner Familie auf Skepsis. Seine Mutter kommentierte eine Passage über die christliche Erziehung mit den Worten: „Das geht wirklich niemanden was an.“ Dennoch sieht Haberl die persönliche Dimension als unverzichtbar: „Wäre es draußen geblieben, wäre es ein sehr dünnes Buch geworden.“
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Haberl kritisierte auch die Haltung vieler Kirchenmitglieder: „Viele der Verbliebenen betrachteten sich als Kunden einer Kirche, die ihnen Gemeinschaftsgefühl bieten und maßgeschneiderte Spezialwünsche erfüllen soll.“
Als Beispiel nannte er einen Pfarrer, der ein Begräbnis ohne Kirchenbesuch organisierte – mit Fußballschal am Grab und dem Liedwunsch „Rote Lippen soll man küssen“. „Gott spielt dabei keine Rolle mehr“, kommentierte Haberl. Ähnliches gelte für Taufen an Bergseen oder Wiedereintritte vor Hochzeiten: „Man instrumentalisiert die Religion und pickt sich die Sachen raus, die einem guttun.“
Auf die Frage, ob Glaube „klug“ sei, antwortete Haberl mit einer klaren Abgrenzung zum Nutzendenken: „Ich sehe den Glauben ganz entkoppelt von dem, wie wir sonst funktionieren.“ Seine Motivation fasste er prägnant zusammen: „Ich glaube, weil ich davon ausgehe, dass es Gott gibt und er anbetungswürdig ist.“
Zwar biete der Glaube Vorteile wie Orientierung oder inneren Frieden, doch diese seien „wie Treuepunkte im Supermarkt“ – kein Grund für seine Überzeugung. Haberls Fazit: „Das Wertvolle an einer Religion ist, dass man sich nach ihr richtet. Nicht, dass die Religion sich nach mir richtet.“