Turin - Freitag, 16. Januar 2026, 9:00 Uhr.
Mit dem Projekt „Avvolti“ wird das Turiner Grabtuch erstmals weltweit digital zugänglich gemacht. Die Initiative wurde am 9. Januar 2026 von Papst Leo XIV. empfangen. Er erlebte damit als erster die neue digitale Darstellung der Reliquie.
Vorgestellt wurde das Projekt von Kardinal Roberto Repole, dem Erzbischof von Turin und päpstlichen Kustos des Grabtuchs, im Apostolischen Palast. „Avvolti“ (deutsch: „Eingehüllt“) ist eine pastorale Initiative der Erzdiözese Turin. Ziel ist es, Gläubigen und Interessierten einen niederschwelligen Zugang zum Grabtuch zu ermöglichen.
Das Projekt ist über die Website avvolti.org zugänglich. Im Zentrum steht eine interaktive digitale Reproduktion, mit der sich die Oberfläche des Grabtuchs Schritt für Schritt erkunden lässt.
Nutzer können dabei Details wie das Antlitz, die Spuren der Dornenkrone oder weitere Zeichen der Passion vergrößern. Ergänzend stehen erläuternde Texte sowie direkte Verweise auf Evangeliumspassagen zur Verfügung, die das Leiden und den Tod Jesu beschreiben.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen wird besonderer Wert darauf gelegt, wissenschaftliche Genauigkeit mit einer verständlichen Darstellung für eine breite Öffentlichkeit zu verbinden. So soll das Grabtuch nicht nur Gläubigen, sondern auch Suchenden und Neugierigen nähergebracht werden.
Die digitale Erfahrung ist nicht als einmaliges Projekt angelegt, sondern als Teil eines längerfristigen Weges. Dieser soll auf das Heilige Jahr 2033 hinführen, das mit dem zweitausendjährigen Jubiläum der Erlösung verbunden ist. Ergänzend werden Inhalte über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram verbreitet, um die Reichweite zu erhöhen.
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Über die pastorale Dimension hinaus steht das Projekt auch im Kontext der anhaltenden wissenschaftlichen Debatten um die Echtheit des Grabtuchs.
Forschungsergebnisse des Instituts für Kristallographie des italienischen Nationalen Forschungsrats weisen auf eine zeitliche Übereinstimmung des Leinens mit dem Tod Jesu Christi vor rund 2000 Jahren hin, wie CNA Deutsch berichtete.
In einer Studie aus dem Jahr 2022 untersuchten Wissenschaftler acht Proben des Leinens mit moderner Röntgentechnik. Anhand von Alterungsparametern wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmten sie ein Alter von etwa 2000 Jahren.
„Die Datenprofile waren vollständig kompatibel mit den Messungen an einer Leinenprobe, die in Masada, Israel, gefunden wurde und deren Datierung durch historische Aufzeichnungen auf 55–74 n. Chr. festgelegt wurde“, hieß es in der Studie. Diese Ergebnisse stehen im Widerspruch zur – nicht besonders verlässlichen – Radiokarbondatierung aus den 1980er Jahren, die das Grabtuch in die Zeit zwischen 1260 und 1390 datierte.
Der Hauptautor der Studie, Liberato De Caro, stellte die damalige Methode in Frage und erklärte: „Schimmelpilze und Bakterien, die Textilfasern besiedeln, sowie Schmutz oder kohlenstoffhaltige Mineralien wie Kalk, die in den Faserzwischenräumen haften, können die Datierung verfälschen.“
Die von ihm eingesetzte Röntgenmethode beschädige die Proben nicht und ermögliche eine Überprüfung durch andere Forscher. Weitere Hinweise auf eine Herkunft des Grabtuchs aus dem Nahen Osten ergeben sich zudem aus Pollenfunden im Leinen.





