Redaktion - Freitag, 16. Januar 2026, 14:15 Uhr.
Der in Grönland tätige Priester Tomaž Majcen OFMConv hat erklärt, die Menschen dort seien in Sorge angesichts der Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, der angekündigt hatte, das riesige Gebiet den Vereinigten Staaten von Amerika einzuverleiben.
„Die Menschen in Grönland sind sehr überrascht und besorgt über diese Diskussionen – und zwar nicht nur oberflächlich, sondern in einer Weise, die ihr Identitätsgefühl und ihre Zukunft berührt“, sagte Pater Tomaž am Mittwoch gegenüber dem Kölner Domradio. „Im Alltag sprechen die Menschen hier mit einer Mischung aus Sorge und stiller Entschlossenheit darüber.“
„Viele haben das Gefühl, dass Außenstehende plötzlich über ihre Heimat sprechen, als wäre sie eine Immobilie auf dem Markt, was ihrem tiefen Gefühl der Selbstbestimmung zuwiderläuft“, führte der Ordenspriester aus. „Einige Menschen sind beunruhigt, insbesondere wenn solche Kommentare von mächtigen Persönlichkeiten kommen.“
Trump hatte zuletzt immer wieder darauf gepocht, Grönland in irgendeiner Form zu übernehmen. Das riesige Gebiet – flächenmäßig über sechsmal größer als Deutschland – gehört geografisch zu Nordamerika, aber politisch zum Königreich Dänemark, wobei Grönland sich selbst verwaltet.
Am Mittwoch waren Vertreter von Grönland und Dänemark im Weißen Haus in Washington, um mit Trump über seine Pläne zu reden. Wie die Tagesschau berichtete, hatte er vor den Gesprächen „seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt. Die USA benötigten die Insel aus Gründen der nationalen Sicherheit, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die NATO solle dafür den Weg ebnen.“
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„Geschehe das nicht, würde Grönland in die Hände von Russland oder China fallen, warnte Trump“, so der Bericht weiter. „Die NATO-Mitgliedschaft des zum Königreich Dänemark gehörenden Territoriums im Nordatlantik sei kein ausreichender Schutz für Grönland […]“.
„Die Insel ist von strategischer Bedeutung, weil das durch den Klimawandel bedingte Abschmelzen des Eises kürzere Handelswege nach Asien ermöglicht“, erläuterte die Tagesschau. „Dies könnte auch die Gewinnung und den Transport unerschlossener Vorkommen von Mineralien erleichtern, die für den Bau von Computern und Mobiltelefonen benötigt werden.“
Grönland ist aufgrund der besonderen Beziehung zu Dänemark Teil der Nato. Sollte Grönland durch Russland oder China angegriffen werden, würden die anderen Mitgliedsstaaten der Nato zur Verteidigung schreiten – darunter auch die USA, der militärisch schlagkräftigste Teil des Bündnisses. Bereits jetzt könnten die USA ihre militärische Präsenz in Grönland aufgrund eines Abkommens von 1951 massiv erhöhen, um auf eine russische oder chinesische Bedrohung abschreckend zu wirken.
Pater Tomaž sagte, es gebe in Grönland „ein stolzes Vertrauen in unser Recht als Volk, über unsere eigene Zukunft zu entscheiden – die meisten würden sich entschieden dagegen wehren, Teil eines anderen Landes zu werden“.
„Das Leben als Katholik ist hier auf seine eigene einfache Weise schön – aber es unterscheidet sich auch sehr von den meisten anderen Orten“, so der Priester. „Es gibt nur etwa 500 Katholiken im ganzen Land, ein winziger Bruchteil der rund 57.000 Einwohner Grönlands, und die Christ-König-Kirche in Nuuk ist die einzige katholische Gemeinde. Die meisten Menschen hier sind Lutheraner, und viele denken überhaupt nicht viel über Religion nach.“





