Redaktion - Montag, 19. Januar 2026, 15:00 Uhr.
Mit der nächtlichen Errichtung der israelischen Siedlung „Shdema“ auf dem Hügel Ush al-Ghurab nahe Beit Sahour ist ein zentraler Ort christlicher Überlieferung akut bedroht. Zugleich wächst international die Kritik an einem Vorgehen, das die größte verbliebene christliche Gemeinde der Westbank weiter in die Enge treibt.
Im November 2025 errichteten israelische Siedlergruppen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Siedlung „Shdema“ auf dem Hügel Ush al-Ghurab nahe Beit Sahour. Der Hügel gilt Christen als Hirtenfeld, an dem nach der biblischen Überlieferung die Engel erstmals die Geburt Jesu verkündeten. Seine Geschichte ist bis in die Zeit um das Jahr 400 belegt, als dort ein Kloster entstand.
Archäologische Ausgrabungen der Franziskaner zwischen 1889 und 1906 legten die Überreste einer weitläufigen monastischen Anlage mit Zisternen und Grotten frei. Heute befinden sich dort das griechisch-orthodoxe Kloster Deir el-Rawat sowie die katholische Kapelle Der Es-Siar, die der Kustodie des Heiligen Landes untersteht.
Ursprünglich gehörte Ush al-Ghurab überwiegend palästinensischen Familien aus Beit Sahour, wurde jedoch seit 1967 von Israel als Militärgebiet beansprucht. Nach der Räumung des Militärstützpunkts im Jahr 2006 sei das Land nicht an seine Eigentümer zurückgegeben worden, sondern unter vollständiger israelischer Kontrolle verblieben. Schrittweise wurde es de facto annektiert.
Die Kleinstadt Beit Sahour hat etwa 15.000 Einwohner, von denen rund 80 Prozent Christen sind. Sie ist inzwischen nahezu vollständig von Siedlungen und der Annexionsmauer umschlossen. Nur noch etwa sieben Prozent des städtischen Verwaltungsgebiets stehen für Bebauung zur Verfügung.
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Laut Berichten war die Gründung des Außenpostens Shdema kein spontanes Vorhaben, sondern ein organisiertes Projekt unter der Leitung des Gush-Etzion-Regionalrats. Dessen Vorsitzender Yaron Rosenthal hat die Gründung öffentlich angekündigt.
In der Nacht sollen Bulldozer aufgetaucht sein, um das Gelände zu planieren. Kurz darauf wurden mehrere Wohnwagen aufgestellt und zunächst drei Siedlerfamilien zogen ein.
Bereits seit rund zwei Jahrzehnten hätten Siedler versucht, an diesem Ort eine Siedlung zu errichten, berichteten Medien vor Ort. Frühere Vorhaben seien unter anderem gescheitert, als die USA ein Projekt zur Finanzierung eines Kinderkrankenhauses für Palästinenser unterstützt hätten; diese Initiative sei unter massivem Siedlerdruck aufgegeben worden, woraufhin die israelische Regierung an gleicher Stelle erneut einen Militärposten errichtet habe.
International stieß die Errichtung von Shdema auf deutliche Kritik, blieb in der praktischen Durchsetzung jedoch begrenzt. Die Europäische Union forderte Israel am 16. Januar auf, die Siedlungsprojekte „unverzüglich rückgängig zu machen“, und bezeichnete sie als „illegal“.
Die israelische Nichtregierungsorganisation Peace Now reichte eine Beschwerde ein und verlangte eine Untersuchung der Beteiligung des Gush-Etzion-Regionalrats. In einer Stellungnahme erklärte die Organisation: „Der neue Außenposten soll die palästinensische Stadt Beit Sahour abriegeln und ihre Entwicklung blockieren. Die Dreistigkeit der Siedler kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, Außenposten zu errichten und Fakten vor Ort zu schaffen, während sie öffentliche Gelder verwenden und Israel die Chance auf eine friedliche Zukunft und eine Zwei-Staaten-Lösung verweigern.“





