„Wir sind an Grenzen angelangt“: Bischof Overbeck über schrumpfende Kirche

Bischof Franz-Josef Overbeck
screenshot / YouTube / Bistum Essen

Angesichts einer schrumpfenden Kirche mit immer knapper werdenden finanziellen Mitteln hat Bischof Franz-Josef Overbeck erklärt: „Wir sind an Grenzen angelangt – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.“

Der Bischof von Essen schrieb in seinem Neujahrswort, das am Wochenende in den Gottesdiensten in seiner Diözese verlesen wurde, dass dies auch außerhalb der Kirche so sei: „Überall in unserer Gesellschaft – in Schulen, in sozialen Einrichtungen, in Städten und Gemeinden, in der staatlichen Daseinsvorsorge – stehen Verantwortliche vor der Aufgabe, mit knapper werdenden Ressourcen zu wirtschaften und Prioritäten neu zu ordnen.“

„Bereits seit Beginn des Jahrhunderts müssen wir gewaltige Strukturveränderungen bewältigen und haben dabei schon viele Kirchenstandorte und Einrichtungen aufgeben müssen“, erinnerte Overbeck. „Stets war das auch mit dem Wunsch verbunden, dass es irgendwann einmal wieder stabiler und sicherer zugehen könnte und die Umbrüche abschließend vollzogen sind.“

„Aber der Wandel in unserer Welt geht unaufhaltsam weiter“, fügte er hinzu. „Die Zahl der Kirchenmitglieder und unsere finanziellen Mittel für unseren Auftrag sind in den vergangenen Jahren schon stark zurückgegangen – aber nun liegen Jahre vor uns, in denen sich Entwicklungen weiter zuspitzen. Wir werden uns schon sehr bald einer Realität stellen müssen, von der wir vielleicht ahnten, dass sie kommen würde – die wir aber dennoch viel zu lange ausgeblendet haben. Denn es ist absehbar, dass weitere Einsparungen notwendig sein werden, damit wir auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht in eine finanzielle Schieflage geraten.“

Im Bistum Essen gab es zuletzt noch rund 638.000 Katholiken, von denen aber nur 33.000 – knapp über fünf Prozent – ihren Glauben praktizieren und sonntags zur Messe gehen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends, im Jahr 2001, gab es noch 988.000 Katholiken, von denen 12,7 Prozent an einer sonntäglichen Messfeier teilnahmen, also etwa 125.000 Menschen.

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Overbeck gewann den Strukturveränderungen der letzten 25 Jahre auch etwas Positives ab: „Durch die vielen Prozesse der vergangenen Jahrzehnte sind wir schon darin geübt, uns den Realitäten zu stellen und in unserem Bistum gemeinsam auch schwere Entscheidungen zu treffen und auszuhalten.“

„Aber mir ist auch sehr bewusst, wie müde viele von uns inzwischen geworden sind und sich gerne wünschten, dass einmal alles bleiben könnte, wie es ist“, räumte er ein. „Der eingeschlagene Weg des Umbruchs, den wir unter das Leitwort ‚Christlich leben. Mittendrin‘ gestellt haben, ist ein Versuch, mit dem wir uns der großen Herausforderung stellen, Strukturen zu schaffen, unter denen wir in den Städten und Kreisen weiter zusammenrücken. Wir tun das, weil wir weniger werden und weil unsere Mittel massiv schrumpfen. Aber wir tun es auch, weil wir auf diese Weise dafür Sorge tragen wollen, dass es auch in den kommenden Jahrzehnten noch christliches Leben in unserer Region geben kann – und zwar mittendrin.“

„Wir werden nicht absichern können, dass all unsere Organisationen, Einrichtungen und Kirchengebäude bleiben, wie sie sind“, gab Overbeck zu. „Aber wir können die Grundlagen dafür legen, dass es auch künftig Menschen geben wird, die aus dem christlichen Glauben heraus leben und vielfältige christliche Lebensorte schaffen – anders als heute, aber sehr lebendig und überzeugend.“

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„Als Kirche werden wir kleiner und unsere Strukturen verändern sich – unser Auftrag aber bleibt unverändert bestehen“, so das Fazit des Bischofs von Essen. „Jesus sagt zu uns: ‚Ihr seid das Salz der Erde, […] ihr seid das Licht der Welt‘ (vgl. Matthäus 5,13–16). Unser eigenes Vertrauen in diese Zusage ist entscheidend, nicht unsere Größe oder unsere finanziellen Möglichkeiten. Wo wir unseren Glauben konkret werden lassen, prägen wir das Zusammenleben, lassen Hoffnung aufleuchten und weisen über uns selbst hinaus auf Gott.“