Erzbischof: Russlands Vorgehen in der Ostukraine bringt "die gesamte Menschheit" in Gefahr

Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk im Interview mit CNA in Rom am 23. Februar 2016
CNA

Das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche erklärte am Dienstag, dass die Anerkennung der Unabhängigkeit der Gebiete in der Ostukraine durch Russland "die gesamte Menschheit in Gefahr gebracht" habe.

In einem am 22. Februar veröffentlichten Appell verurteilte Erzbischof Swiatoslaw Schewtschuk die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die abtrünnigen ukrainischen Regionen Lugansk (LNR) und Donezk (DNR) als unabhängige Einheiten anzuerkennen.

Die Anerkennung der "Unabhängigkeit und Souveränität" der selbsternannten LNR und DNR durch den Präsidenten der Russischen Föderation stellt die gesamte internationale Gemeinschaft und das Völkerrecht, auf dessen Grundlage die Menschen und ihre Nationen heute existieren und zusammenarbeiten, vor ernste Herausforderungen und Bedrohungen", sagte er laut einer Meldung der Catholic News Agency (CNA).

"Der Logik der internationalen Beziehungen, die den Frieden und die gerechte Ordnung der Gesellschaften, die Vorherrschaft des Rechts, die Rechenschaftspflicht der staatlichen Mächte, den Schutz des Menschen, des menschlichen Lebens und der natürlichen Rechte sichern sollen, wurde irreparabler Schaden zugefügt."

"Heute ist die gesamte Menschheit in Gefahr - dass die Mächtigen das Recht haben, sich aufzudrängen, wem sie wollen, ohne Rücksicht auf die Rechtsstaatlichkeit."

Seine Äußerungen kamen einen Tag bevor Papst Franziskus einen weltweiten Gebets- und Fastentag für die Ukraine ankündigte, der am 2. März, dem Aschermittwoch, stattfinden soll. Der Papst kündigte die Initiative bei seiner Generalaudienz am 23. Februar an.

Der 51-jährige Erzbischof steht seit 2011 an der Spitze der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, der größten der 23 katholischen Ostkirchen.

Weltweit gibt es mehr als vier Millionen ukrainische griechische Katholiken, von denen die meisten in der Ukraine leben, einem überwiegend orthodox-christlichen Land mit 44 Millionen Einwohnern. Die Ukraine erklärte 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion.

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Der Russisch-Ukrainische Krieg begann im Februar 2014 und konzentrierte sich auf den Osten der Ukraine. Nach Angaben von Caritas Internationalis, einem im Vatikan ansässigen Verband katholischer Hilfsorganisationen, hat der Konflikt mehr als 14 000 Menschenleben gefordert und 1,3 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Die Kriegsparteien haben sich im Juli 2020 auf einen Waffenstillstand geeinigt. In jüngster Zeit hat Russland jedoch mindestens 150.000 Soldaten an die ukrainische Grenze entsandt.

Präsident Putin kündigte in einer Fernsehansprache am 21. Februar an, dass er die abtrünnigen ukrainischen Regionen Lugansk und Donezk als unabhängige Einheiten anerkennen werde. Die Regionen, die von russisch unterstützten Separatisten regiert werden, umfassen Gebiete, die derzeit von den ukrainischen Streitkräften gehalten werden.

Die westlichen Länder reagierten auf die Ankündigung mit der Einführung von Sanktionen gegen russische Banken und Politiker.

In einer Videoansprache am 23. Februar sagte Putin, Russland sei weiterhin "offen für einen direkten und ehrlichen Dialog" auf der Suche nach diplomatischen Lösungen. Er fügte jedoch hinzu, dass die Interessen Russlands "für uns nicht verhandelbar" seien.

"Der Krieg, der 2014 gegen unser Volk begonnen wurde, hat vielen unserer Mitbürger tiefe Wunden zugefügt: Tausende wurden getötet, verwundet und in Einsamkeit zurückgelassen", sagte Schewtschuk.

"Der gestrige Schritt des Präsidenten der Russischen Föderation hat die Grundlagen für einen langfristigen Prozess der Wiederherstellung des Friedens in der Ukraine zerstört, den Weg für eine neue Welle der militärischen Aggression gegen unseren Staat geebnet und die Türen für eine groß angelegte Militäroperation gegen das ukrainische Volk geöffnet."

Die Bürger der Ukraine, des flächenmäßig zweitgrößten Landes Europas nach Russland, hätten ein "natürliches Recht und eine staatsbürgerliche Pflicht", ihre Heimat zu verteidigen, so der Großerzbischof.

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"Jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Anstrengungen zu vereinen, um die Unabhängigkeit, territoriale Integrität und Souveränität des ukrainischen Staates zu verteidigen", sagte er.

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