Von Nationalsozialisten ermordete polnische Familie Ulma seliggesprochen

Familie Ulma
Polnische Bischofskonferenz

An einem „Freudentag“ hat die Kirche am Sonntag in Polen erstmals eine ganze Familie seliggesprochen, nämlich Józef und Wiktoria Ulma und ihre sieben Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs den Märtyrertod erlitten, weil sie zwei jüdischen Familien Schutz vor den Nationalsozialisten gewährten.

„Es wäre irreführend, wenn der Tag der Seligsprechung der Familie Ulma nur dazu dienen würde, den Schrecken der von ihren Henkern begangenen Gräueltaten wieder ins Gedächtnis zu rufen, auf denen übrigens das Urteil der Geschichte bereits schwer lastet“, sagte Kardinal Marcello Semeraro, der Präfekt des Dikasteriums der Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in seiner Predigt bei der Seligsprechungsmesse, an der rund 30.000 Menschen im Dorf Markowa im Südosten Polens, wo die Familie ermordet wurde, teilnahmen.

„Stattdessen wollen wir, dass der heutige Tag ein Freudentag ist, weil die auf Papier geschriebene Seite des Evangeliums für uns zu einer gelebten Wirklichkeit geworden ist, die im christlichen Zeugnis des Ehepaars Ulma und im Martyrium der neuen Seligen hell erstrahlt“, so der Kardinal weiter.

Die Aktion Reinhardt, so der Tarnname des Plans zur systematischen Ermordung aller Juden im von Deutschland besetzten Polen, begann Ende Juli und Anfang August 1942 in dem Gebiet, in dem auch die Familie Ulma lebte.

Die Nationalsozialisten begannen, die etwa 120 Juden in der Gegend von Markowa in ein Arbeits- und Vernichtungslager zu deportieren. Etwa 54 Juden, die sich versteckt hielten, wurden gefunden und am 14. Dezember 1942 erschossen. Weitere 29 Juden versteckten sich weiterhin in Markowa, darunter jene acht, die bei der Familie Ulma Zuflucht fanden.

Am frühen Morgen des 24. März 1944 umstellte eine nationalsozialistische Patrouille das Haus von Józef und Wiktoria Ulma am Rande von Markowa. Sie entdeckten die jüdischen Bewohner, die sich auf dem Ulma-Hof versteckt hielten, und richteten sie hin.

Die Nationalsozialisten töteten daraufhin die 31-jährige Wiktoria, die schwanger war und deren Wehen vorzeitig eingesetzt hatten, sowie den 44-jährigen Józef.

Ein weiterer Befehl besiegelte das Schicksal der übrigen Familienmitglieder: „Tötet auch die Kinder.“ So wurden Stanisława (7), Barbara (6), Władysław (5), Franciszek (fast 4), Antoni (2) und Maria (1) hingerichtet. Das siebte Ulma-Kind, das starb, war der namenlose Sohn des Paares, der gerade auf die Welt kam.

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Der Junge war in einigen Medienberichten fälschlicherweise als das erste ungeborene Kind bezeichnet worden, das seliggesprochen werden sollte – ein wichtiges Detail, das der Vatikan kürzlich klarstellte. Obwohl keine Zeit war, das Kind zu taufen, erfolgte stattdessen das, was die Kirche eine „Bluttaufe“ nennt.

In seinen Betrachtungen am Sonntag legte Kardinal Semeraro auch Wert darauf, das Andenken an die jüdischen Freunde der Ulmas zu ehren, die an diesem Tag ebenfalls getötet wurden.

„Heute wollen wir zusammen mit den neuen Seligen auch ihrer Namen gedenken“, sagte er. Es waren Saul Goldman mit seinen Söhnen Baruch, Mechel, Joachim und Mojżesz sowie Gołda Grünfeld und ihre Schwester Lea Didner mit ihrer kleinen Tochter Reszla. An der Seligsprechungszeremonie am Sonntag nahm auch der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich teil.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.