„Gesprächsbedarf“: Apostolischer Administrator von Vaduz zieht Zwischenfazit

Bischof Benno Elbs
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Bischof Benno Elbs, der Apostolische Administrator in der Erzdiözese Vaduz, hat zwei Monate nach Übernahme dieses Amtes sein Zwischenfazit gezogen: „Ich erlebe einen großen Gesprächsbedarf.“

Nachdem Papst Franziskus am 20. September den altersbedingten Rücktritt von Erzbischof Wolfgang Haas akzeptiert hatte, ernannte er Elbs, den Bischof von Feldkirch im benachbarten Österreich zum Apostolischen Administrator.

Die Erzdiözese Vaduz umfasst das gesamte Fürstentum Liechtenstein und ist mit etwa 30.000 Katholiken eine der kleinsten Erzdiözesen weltweit. Sie wurde 1997 von Papst Johannes Paul II. neu gegründet, indem der Liechtensteiner Teil des Bistums Chur ein eigenes Erzbistum wurde. Haas war der erste Erzbischof, nachdem er zuvor von 1990 bis 1997 Bischof von Chur in der Schweiz war.

Mitte Oktober hatte Elbs erklärt, „keine Baustelle” in der Erzdiözese entdeckt zu haben.

Haas war bekannt war für seine konservative Haltung und Verteidigung der überlieferten kirchlichen Lehre. Elbs gilt als aufgeschlossen gegenüber Reformen.

Im März 2021 verdeutlichte Elbs seine Haltung: „Die Katholische Kirche in Vorarlberg und ich stehen für eine Kirche, in der alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung einen Platz haben.“

Haas leistete derweil einen Akt des Widerstandes gegen die vom Liechtensteiner Landtag vorangetriebene Einführung der gleichgeschlechtlichen „Ehe“, indem er den traditionellen Gottesdienst zur Eröffnung der Landtagssession im Dezember 2022 absagte.

„Ich glaube, dass auch die Ernennung meiner Person als Apostolischer Administrator ein ganz bewusster Schritt von Papst Franziskus war“, sagte Elbs am Sonntag in einem Beitrag des ORF- Religionsmagazins „Orientierung“.

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Weiter führte er aus, seine Ernennung sei „wichtig“ gewesen für die Verbindung der Erzdiözese mit Papst Franziskus, denn „auch die Kirche in Liechtenstein ist verbunden mit Papst Franziskus, auch die Kirche in Liechtenstein ist verbunden mit der Weltkirche, und das ist für die Zukunft der Kirche in Liechtenstein ganz entscheidend.“

„Diese Lösung, dass der Bischof von Feldkirch gleichzeitig Apostolischer Administrator wird, ist gut überlegt und ist die Beste der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten“, kommentierte Martin Krebs, der Apostolischer Nuntius in der Schweiz, den Amtsantritt von Bischof Elbs in Liechtenstein.

Bischof Elbs sucht im Gegensatz zu seinem Vorgänger das Gespräch zu dem „Verein für eine offene Kirche“, der 1998 als Reaktion auf die Ernennung von Wolfgang Haas zum Erzbischof von Vaduz gegründet worden war. Der Verein kritisiert die mangelnde Einbindung der Laien im Erzbistum Vaduz und hofft auf eine Wiederanbindung an ein Nachbarbistum.

Bischof Elbs stellte fest: „Und das hilft mir schon, dass ich versuche, ohne Vorurteile den Menschen zu begegnen. Das ermöglicht auch, dem Gegenüber offener zu sein. Und so habe ich bisher nur, und das kann ich ausschließlich sagen, nur positive Erfahrungen in den Gesprächen gemacht.“

Weiter führte er aus: „Ob es Frauen sind, Männer sind, Laien sind, Priester sind, politisch Verantwortliche. Ich erlebe einen großen Gesprächsbedarf und auch eine große Dankbarkeit, dass diese Gespräche offen geführt werden können.“

Auf die Frage, ob er ein Kandidat für die Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn OP im Erzbistum Wien sei, erwiderte Elbs: „Nein. Ich bin gerne hier in Vorarlberg, ich bin gerne dort Bischof. Und was das Schöne an einer kleinen Diözese ist, ist die Nähe zu den Menschen. Ich bin im Herzen ein Psychotherapeut und ein Seelsorger und lebe auch davon, direkten Kontakt mit Menschen zu haben und auch Menschen wirklich zu kennen. Und je größer die Aufgabe wird, je größer eine Diözese ist, desto weniger wird das möglich.“