Zollner sieht „keinen monokausalen Zusammenhang“ von Kirchenstrukturen und Missbrauch

Pater Hans Zollner SJ
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Der Jesuit und Missbrauchs-Experte Hans Zollner hat nach der Veröffentlichung einer protestantischen Missbrauchsstudie, ForuM genannt, erklärt: „Es gibt keinen monokausalen Zusammenhang von bestimmten Kirchenstrukturen und Missbrauch, das ist viel komplexer.“

Zollner war bis 2023 Teil der Päpstlichen Kinderschutzkommission und leitet an der Päpstlichen Universität Gregoriana das Institut für Anthropologie.

Die am Donnerstag vorgestellte ForuM-Studie sprach aufgrund von 4.300 untersuchten Disziplinarakten sowie 780 untersuchten Personalakten und 1.320 weiteren Unterlagen von 1.259 Beschuldigten und 2.174 Betroffenen. Eine Hochrechnung spricht gar von 3.497 Beschuldigten und fast 10.000 Betroffenen.

Es sei „sicher nicht falsch, darüber nachzudenken, was sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigt und Aufklärung behindert hat und wie man das ändern sollte“, räumte Zollner gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag ein. „Aber es ist zu kurz gedacht, wenn man meint, dass verheiratete Priester oder mehr Frauen in der Leitung der Kirche an sich schon Missbrauch verhindern würden.“

„Religion kann Gewalt und Missbrauch verhindern, kann sie aber auch befördern“, führte Zollner aus. „Aber es liegt nicht einfach nur an den Institutionen an sich. Sonst müsste man fordern, die Familie abzuschaffen, weil es in Familien die meisten Missbrauchsfälle gibt. Aber Familie gibt auch Schutz und bewahrt vor Missbrauch. Alle menschlichen Institutionen und Systeme sind anfällig für Missbrauch, deshalb müssen sie sich klare und transparente Regeln geben und sich daran halten.“