Rom - Freitag, 9. Januar 2026, 15:00 Uhr.
Beim ersten außerordentlichen Konsistorium von Papst Leo XIV. diese Woche im Vatikan stand die Liturgie offiziell nicht auf der Tagesordnung, blieb aber indirekt präsent. Kardinal Gerhard Ludwig Müller stellte im Interview mit EWTN klar, die Heilige Messe sei „das Zentrum des christlichen Lebens“. Über ihre Bedeutung gebe es „keine Diskussion“, auch wenn etwa die Frage der überlieferten Liturgie, wie sie bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in aller Welt gefeiert wurde, nicht eigens behandelt worden sei.
Am 7. und 8. Januar hatte Papst Leo XIV. alle 245 Kardinäle der Weltkirche zu einem außerordentlichen Konsistorium nach Rom einberufen. Am Ende waren 170 Kardinäle vor Ort.
Auch Kardinal Müller, der ehemalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, nahm an den Beratungen hinter verschlossenen Türen teil. Ursprünglich habe der Papst vier Themen vorgeschlagen – Synodalität, Evangelisierung, Liturgie und Kirchenleitung –, doch die Kardinäle hätten sich entschieden, den Schwerpunkt auf Synodalität und Evangelisierung zu legen.
Zur Frage, warum die Liturgie trotz der anhaltenden Kontroversen um Traditionis custodes und die Einschränkungen der alten Messe nicht eigens behandelt worden sei, sagte Müller: „Dies war eine Diskussion im Konsistorium zwischen den Kardinälen und dem Papst, und der Papst schlug vier Themen vor, und die große Mehrheit sprach über die Neuevangelisierung und dass alle Themen berücksichtigt werden sollten.“
Zugleich unterstrich Müller die Bedeutung der Liturgie: „Die anderen Aspekte, darunter die Liturgie, denn die Liturgie ist der Höhepunkt des christlichen Lebens, die Anbetung Gottes, die Gegenwart Jesu Christi im Heiligen Sakrament, und auch die Kirche muss darüber diskutieren, wie es damit weitergehen soll.“
Grundsätzlich stellte Müller fest, „dass die Heilige Messe das Zentrum des christlichen Lebens ist. Und darüber gibt es keine Diskussion.“ Strittig sei allein die praktische Frage der Formen, also die Debatte „darum, wie man die ältere Form des lateinischen Ritus oder die neue Form des lateinischen Ritus verwenden soll. Ich denke, Papst Leo wird eine gute Lösung für alle finden.“
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Dass dieses Thema im Konsistorium nicht vertieft worden sei, führte Müller auf die gegenwärtigen Herausforderungen für die Kirche zurück. „Das ist nicht die zentrale Frage für die Kirche von heute“, sagte er und verwies auf „Zeiten der Säkularisierung, des Atheismus, in einigen großen antichristlichen politischen Systemen“ sowie auf „die Woke-Ideologie und die falsche Anthropologie, die in absolutem Widerspruch zum christlichen Verständnis der Würde jedes Menschen stehen“.
Angesichts der begrenzten Zeit hätten die Kardinäle es vorgezogen, „über diese großen Herausforderungen der Kirche“ zu sprechen und „nicht so sehr über Aspekte, die innerhalb der Kirche liegen“.
Im Mittelpunkt der Beratungen standen daher Evangelisierung und Synodalität. Zu der oft erhobenen Kritik, Synodalität bedeute eine Demokratisierung der Kirche, erinnerte Müller: „Papst Franziskus hat die sogenannte Demokratisierung der Kirche stets abgelehnt. Er sagte, die Kirche sei keine Demokratie.“
Zugleich habe es Unklarheiten gegeben über das Verhältnis von Bischofssynode, Hierarchie und dem Begriff der Synodalität. Problematisch sei „die Vermischung zwischen der Bischofssynode und der sogenannten Synodalität“, weshalb die Kardinäle betont hätten, „dass dies klar sein muss“. „Andererseits ist es für uns ganz klar, dass wir mit Laien, Ordensleuten und Priestern zusammenarbeiten müssen.“
Diese Abgrenzung entspreche, so Müller, der katholischen Lehre. „Dies ist gemäß der katholischen Theologie und Lehre absolut klar, aber in letzter Zeit gab es in einigen Köpfen ein wenig Verwirrung“, sagte er. Nun solle erneut verdeutlicht werden, „dass wir als sakramentale Kirche nicht die anglikanische Kirche oder die protestantische Kirche sind“.
Müller betonte zudem: „Synodalität hat nichts mit einem Parlament in einem demokratischen Staat zu tun, denn die Kirche ist kein Staat. Die Kirche ist eine Gemeinschaft der Gläubigen, sie ist ein Sakrament für die Erlösung der Welt in Jesus Christus, und daher sind all diese politischen Modelle für die Kirche nicht ausreichend.“





