"Schmerzhafte Fehler": Papst Franziskus zieht Bilanz der Unabhängigkeit Mexikos

Papst Franziskus inzensiert das Bild Unserer Lieben Frau von Guadalupe im Petersdom am 12. Dezember 2017
CNA / Daniel Ibanez

Papst Franziskus hat anlässlich des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Mexikos auf "sehr schmerzhafte Fehler" hingewiesen, die in der Vergangenheit begangen wurden.

In einem Brief an Erzbischof Rogelio Cabrera López, den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Mexiko, sagte der Papst, er hoffe, dass der Jahrestag eine "Gelegenheit sei, unsere Wurzeln zu stärken und die Werte zu bekräftigen, die die Nation aufbauen".

Wie die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch, berichtet, schreibt der Pontifex weiter:  "Um unsere Wurzeln zu stärken, ist es notwendig, die Vergangenheit neu zu lesen und dabei sowohl die Lichter als auch die Schatten zu berücksichtigen, die die Geschichte des Landes geprägt haben. Dieser Blick zurück schließt notwendigerweise einen Prozess der Reinigung des Gedächtnisses ein, d.h. die Anerkennung der sehr schmerzhaften Fehler, die in der Vergangenheit begangen wurden", schrieb der Papst.

"Aus diesem Grund haben sowohl meine Vorgänger als auch ich bei verschiedenen Gelegenheiten um Vergebung für persönliche und soziale Sünden gebeten, für alle Handlungen oder Unterlassungen, die nicht zur Evangelisierung beigetragen haben."

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador schrieb am 2. Oktober 2020 einen Brief an Papst Franziskus, in dem er eine öffentliche Entschuldigung der katholischen Kirche für die Gräueltaten an der indigenen Bevölkerung nach der spanischen Eroberung des Aztekenreiches im Jahr 1521 forderte.

Vor zweihundert Jahren, am 28. September 1821, wurde die Unabhängigkeitserklärung des Mexikanischen Reiches vom Spanischen Reich ratifiziert.

Am Tag zuvor war die Armee der drei Garantien in Mexiko-Stadt eingetroffen und hatte damit den mexikanischen Unabhängigkeitskrieg beendet, der 1810 ausgebrochen war.

Die drei Garantien bestanden darin, dass das mexikanische Reich katholisch, unabhängig und geeint sein würde. Die Garantien spiegelten sich in der weiß-grün-roten Flagge der Armee wider.

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In der mexikanischen Verfassung von 1824 wurde der Katholizismus als offizielle Religion des Landes "dauerhaft" verankert. Sie wurde jedoch 1857 durch eine liberale Verfassung ersetzt, die die Rechte der Kirche einschränkte. Diese wurde wiederum 1917 durch eine Verfassung ersetzt, die die Rolle der Kirche in Mexiko stark einschränkte und einen Bürgerkrieg auslöste.

In seinem Schreiben vom 16. September spielte der Papst auf die antiklerikale Gewalt an und sagte: "Wir können auch nicht die Taten ignorieren, die in jüngerer Zeit gegen das christliche religiöse Gefühl eines großen Teils des mexikanischen Volkes begangen wurden und tiefes Leid verursacht haben".

Er fügte hinzu: "Aber wir beschwören die Schmerzen der Vergangenheit nicht herauf, um dort zu verharren, sondern um aus ihnen zu lernen und weiterhin Schritte zu unternehmen, um die Wunden zu heilen, um einen offenen und respektvollen Dialog zu pflegen, der die Unterschiede respektiert, und um die ersehnte Brüderlichkeit aufzubauen, indem wir dem Gemeinwohl Vorrang vor Partikularinteressen, Spannungen und Konflikten einräumen."

US-Präsident Joe Biden sandte ebenfalls am 16. September eine Botschaft zum zweihundertsten Jahrestag.

"Im Namen der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliere ich Mexiko und seinem Volk zum 200-jährigen Jubiläum seiner Unabhängigkeit", schrieb er.

Erinnerung an Unsere Liebe Frau von Guadulupe

"Aus diesem Anlass erinnern wir uns gemeinsam mit Ihnen an den Weg Mexikos in die Unabhängigkeit und denken an die lange gemeinsame Geschichte unserer beiden Länder."

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In seinem Schreiben warf Papst Franziskus einen Blick auf den 500. Jahrestag der Erscheinungen der Jungfrau von Guadalupe, der im Jahr 2031 begangen wird.

Der erste lateinamerikanische Papst, der 2016 Mexiko besuchte, erinnerte an eine Episode aus dem Jahr 1810, als der katholische Priester Miguel Hidalgo, bekannt als Vater der Nation, ein Bild der Muttergottes von Guadalupe aus einem Schrein in der mexikanischen Provinz Guanajuato mitnahm und es zum Banner der Unabhängigkeitsbewegung machte.

"In diesem Gedenken", schrieb der Papst, "ist es schön, sich daran zu erinnern, dass das Bild der Jungfrau von Guadalupe, das Pater Hidalgo aus dem Heiligtum von Atotonilco mitnahm, einen Kampf und eine Hoffnung symbolisierte, die in den 'drei Garantien' von Iguala gipfelten, die für immer in den Farben der Flagge gedruckt wurden, wie es die Bischofskonferenz von Mexiko anlässlich des 175.

Der Papst bezog sich auf den Plan von Iguala, der 1821 vom Armeegeneral Agustín de Iturbide erlassen wurde und in dem die "drei Garantien" proklamiert wurden.

Papst Franziskus erinnerte an die Erscheinungen der Gottesmutter an Juan Diego im Dezember 1531: "Maria von Guadalupe, la Virgen Morenita, hat sich in besonderer Weise an die Kleinsten und Bedürftigsten gewandt und sich für Brüderlichkeit und Freiheit, Versöhnung und die Inkulturation der christlichen Botschaft eingesetzt, nicht nur in Mexiko, sondern in ganz Amerika. Möge sie für euch alle weiterhin der sichere Wegweiser sein, der euch zur Gemeinschaft und zum vollen Leben in ihrem Sohn Jesus Christus führt".

Der Papst schloss seine Botschaft: "Möge Jesus alle Söhne und Töchter Mexikos segnen, und möge die Heilige Jungfrau über euch wachen und euch mit ihrem himmlischen Mantel beschützen. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten." 

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