"Amazonischer Kreuzweg" am Vatikan während Synode gebetet

Bunte Tücher, Poster und die "Pachamama" bei "Via Crucis Amazonico" vor dem Petersdom am 19. Oktober
Foto: Anthony Johnson / CNA Deutsch
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Ein "Amazonischer Kreuzweg" wurde vor dem Vatikan am vergangenen Samstag gebetet. Die Veranstaltung war Teil einer Reihe halboffizieller Veranstaltungen am Rande der Amazonas-Synode.

Die "Via Crucis Amazonico" fand am 19. Oktober im Rahmen des Projekts "Casa Comune" statt, einer Initiative zur Förderung von mehr als 115 Veranstaltungen, die von einem losen Netzwerk von Gruppen organisiert wurden, die in unterschiedlichem Maße mit der katholischen Kirche verbunden sind.

An dem Projekt sind unter anderem eine Lobbyorganisation mit Unterstützung von Bischofskonferenzen in Lateinamerika, zwei Hilfs- und Entwicklungsorganisationen der deutschen Bischofskonferenz und ein Verband sozialer Gerechtigkeitsgruppen mit Sitz in Brüssel beteiligt.

An den Kreuzwegstationen am Samstag nahmen Menschen aus dem Amazonasgebiet und ihre Unterstützer teil, ebenso wie Ordensleute, Priester und Bischöfe, die an der Synode über den Amazonas teilnehmen, einem vatikanischen Bischofstreffen vom 6. bis 27. Oktober, das einberufen wurde, um über den pastoralen Dienst der Kirche im Amazonasgebiet zu diskutieren.

Unter den teilnehmenden Bischöfen waren Kardinal Pedro Barreto, Erzbischof von Huancayo und Vizepräsident des Kirchlichen Netzwerks von Panama (REPAM) - der Hauptorganisator des Casa Comune Projekts - sowie Bischof Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho und Präsident des Indigenen Missionsrates (CIMI) - eine weitere der Organisationen, welche die Casa Comune Initiative unterstützt.

Die Kreuzwegstationen umfassten, wie die meisten vom Casa Comune-Projekt organisierten Veranstaltungen, sowohl traditionelle christliche Symbole als auch die Verwendung von Symbolen und Bildern, die aus der Kultur der indigenen amazonischen Gruppen stammen.

Der Kreuzweg begann in der Nähe des Castel Sant'Angelo, etwa einen Kilometer vom Petersplatz entfernt, und endete vor dem Petersdom.

Die Teilnehmer trugen symbolische Gegenstände der amazonischen Kultur, darunter ein großes Kanu, Schalen mit Essen, einheimische Musikinstrumente sowie das kontrovers diskutierte und mittlerweile als "Pachamama" bekannte Bild einer nackten Schwangeren, das als marianisches Bild, als einheimisches religiöses Symbol der Candomblé-Religion, als "Mutter Erde"-Göttin "Pachamama – oder als "einfach ein Symbol des Lebens" beschrieben wurde.

Zu Beginn der Stationen stellten die Teilnehmer das Kanu, das Bild der Frau und Fotos der "Märtyrer des Amazonas" auf den Boden, darunter der heilige Oscar Romero, der von der katholischen Kirche heiliggesprochen wurde – und der zu Lebzeiten Götzenglaube als "dämonisch" bezeichnet hatte.

Die anderen Personen, die als "amazonische Märtyrer" identifiziert wurden, waren Schwester Cleusa Coelho, Marçal de Souza, Josimo Morales, Pater Vicente Cañas, Schwester Inés Arango, Galdino Pataxó, Pater Alcides Jiménez, Schwester Dorothy Stang, Msgr. Alejandro Labaka, Pater Ezequiel Ramín, Pater Rodolfo Lunkenbein, Vater Simao Bororo und Chico Mendes.

Nach den ersten Gesängen wurde die Bedeutung der Veranstaltung erläutert: "Denkt an die Märtyrer des Weges, an das Leben, das das Königreich des Lebens gegeben hat. Wir erinnern uns auch an unser Leben, an die Freuden und Hoffnungen, die uns hierher geführt haben, und an die Trauer und den Schmerz unseres Volkes von Panamazonía und der Erde."

Dann wurde der Rauch einiger Pflanzen, die in einer Schale verbrannt wurden, mit einer Feder unter die die Teilnehmer gefächelt.

Nach diesen ersten Ritualen begann der "Kreuzweg" selbst mit seinen 14 Stationen des Leiden und Sterben Jesu – und einer zusätzlichen 15. Station für die Auferstehung. Ein großes Holzkreuz, in das ein Rosenkranz und Fotos der Märtyrer genagelt wurden, führte das Gefolge an.

Die 14 Stationen entsprachen den traditionellen Kreuzwegstationen. Jede Station wurde zudem von einem Satz oder Thema begleitet: "Menschenrechte", "die großen Projekte der 'Entwicklung' im Amazonasbecken", "Versöhnung", "Begegnung", "die Kulturen der Panamazonía", "ein Aufruf an alle", "die Zerstörung der Natur" und andere.

Am Ende jeder Station las eine andere Person eine kurze Reflexion. Unter den Botschaften, die vermittelt wurden, war etwa:

"Mutter Erde weint um die übermäßige Ausbeutung, die in den 9 Ländern der Panamazonía begangen wird".

Vergebung wurde auch gefordert "für die Fehler, die als Kirche und als Menschheit begangen wurden; besonders durch die Missbräuche der Kolonisation, die systematische Gewalt gegen die Menschenrechte und den Völkermord an so vielen Völkern auf dem ganzen Kontinent".

Eine Reflexion warnte davor, dass "Wissenschaftler und Umweltschützer Dunkelheit und Schatten des Todes für unser Land voraussagen, wenn wir den wahllosen Abbau von Ressourcen nicht stoppen". Deshalb ist "der Ruf als Kirche, das Evangelium Jesu zu verkünden und die Missbräuche anzuprangern, welche die Schwester-Mutter Erde erlebt".

Auf dem Petersplatz angekommen, lagen einige Teilnehmer während der Meditation auf der Endstation auf dem Boden, auf den Fotos der sogenannten Märtyrer des Amazonas. Am Ende der 15. Station, die der Auferstehung gewidmet war, erhoben sich die Menschen, die auf dem Boden lagen, und vermittelten so die Auferstehung von den Toten und erhob seine Hände zum Himmel in Dankbarkeit.

Abschliessend wurde das Gesicht einer Frau mit amazonischen Symbolen bemalt und mit einem Federschmuck gekrönt; dann wurde die Frau in einem Kanu unter Liedern und Applaus der Teilnehmer über die Köpfe erhoben.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur ACI Prensa.

Das könnte Sie auch interessieren: