Anwälte des laisierten Kardinals McCarrick sagen, er sei nicht verhandlungsfähig

Theodore McCarrick im Jahr 2022
Foto: Joe Bukuras / CNA

Der laisierte ehemalige Kardinal Theodore McCarrick ist in einem "signifikanten" geistigen Verfall begriffen. Daher sei er möglicherweise nicht in der Lage, vor Gericht zu erscheinen und sich zu Vorwürfen zu äußern, er habe einen 16-jährigen Jungen sexuell missbraucht, so seine Anwälte in einer neuen Eingabe an das Gericht.

Das Anwaltsteam des 92-jährigen laisierten Priesters will einen Antrag auf Abweisung des Verfahrens stellen und beruft sich dabei auf eine neurologische Untersuchung durch Dr. David Schretlen, Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Johns Hopkins University School of Medicine. Die Untersuchung fand am 5. Dezember 2022 in einer Einrichtung in Missouri statt, in der McCarrick lebt.

Die Ergebnisse zeigen, dass McCarrick unter "erheblichen neuropsychologischen Defiziten" leidet, die "erst vor relativ kurzer Zeit begonnen haben, sich rasch verschlimmern und sowohl die kognitiven Fähigkeiten als auch das Gedächtnis von Herrn McCarrick beeinträchtigen", heißt es in dem am 13. Januar beim Bezirksgericht Dedham in Massachusetts eingereichten Gerichtsdokument. Ein Abschlussbericht wird innerhalb von 30 Tagen erwartet.

"Auf der Grundlage vorläufiger Gespräche mit Dr. Schretlen haben die Anwälte ernsthafte Bedenken entwickelt, dass Herr McCarrick möglicherweise nicht mehr verhandlungsfähig ist, weil er nicht in der Lage wäre, sinnvoll an der Vorbereitung seiner eigenen Verteidigung mitzuwirken oder sich während des Prozesses mit einem angemessenen Maß an rationalem Verständnis effektiv mit seinem Anwalt zu beraten", heißt es in dem Gerichtsdokument.

McCarrick wurde seit seiner Anhörung in Dedham am 3. September 2021 nicht mehr öffentlich gesehen. Damals prädierte er auf nicht schuldig, eine Person im Alter von über 14 Jahren in drei Fällen unsittlicher Körperverletzung angegriffen zu haben. Er erschien an diesem Tag in gebrechlichem Zustand, trug bei seiner Ankunft im Gerichtsgebäude eine Maske und beugte sich über eine Gehhilfe. Er gab weder innerhalb noch außerhalb des Gerichtsgebäudes einen Kommentar ab, wo ein Demonstrant "Schämen Sie sich!" rief, als McCarrick neben einem seiner Anwälte langsam an Reportern und Fotografen vorbeiging.

In der Strafanzeige wird behauptet, dass der Missbrauch in den 1970er-Jahren stattfand. 

McCarricks Rechtsbeistand kündigte in seiner Eingabe an, dass die Anklage mit der Begründung abgewiesen werden solle, dass unter den ungewöhnlichen Umständen dieses Falles ein ordnungsgemäßes Verfahren eine Strafverfolgung für ein Fehlverhalten verbiete, das angeblich vor 50 Jahren stattgefunden habe.

"Da der Staat die Beweislast dafür trägt, dass Herr McCarrick tatsächlich verhandlungsfähig ist, wird er ausreichend Zeit benötigen, um den Bericht von Dr. Schretlen zu prüfen und gegebenenfalls einen eigenen Sachverständigen mit der Beurteilung von Herrn McCarrick zu beauftragen", heißt es in dem Gerichtsdokument.

McCarricks Anwalt Barry Coburn lehnte einen Kommentar ab, als er am Dienstag von CNA, der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch, erreicht wurde. Der andere Anwalt von McCarrick, Daniel Marx, war vor der Veröffentlichung dieses Artikels nicht sofort für eine Stellungnahme zu erreichen.

Übersetzt und redigiert aus dem Orginal von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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