"Triviales Disneyland"? Aufschrei der Empörung über Pläne zum Innenausbau von Notre-Dame

Notre-Dame de Paris
Foto: Unsplash
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Das Erzbistum Paris wird nächste Woche seine Pläne für die Restaurierung des Innenraums der Kathedrale Notre-Dame vorstellen, nachdem sie Kritik zurückgewiesen hat, dass ihre Vorschläge die heilige Stätte in "eine Art triviales Disneyland" verwandeln würden.

Die Vorschläge sollen am 9. Dezember der französischen Kommission für nationales Kulturerbe und Architektur vorgelegt werden, inmitten eines neuen Aufschreis über die Restaurierung der Kathedrale, die 2019 durch ein Feuer schwer beschädigt wurde, meldete die Agence France-Presse (AFP).

Der Nachrichtenagentur zufolge dementierte die Erzdiözese ausländische Medienberichte, wonach die berühmte französische gotische Kathedrale, die zwischen 1163 und 1345 erbaut wurde, in einen "Freizeitpark" verwandelt oder mit schriller zeitgenössischer "Kunst" gefüllt werden könnte.

Der Daily Telegraph, eine britische Zeitung, berichtete am 26. November, dass Kritiker befürchteten, die Veränderungen würden das Gebäude in ein "politisch korrektes Disneyland" verwandeln.

Es hieß, dass "Beichtstühle, Altäre und klassische Skulpturen durch moderne Wandmalereien und neue Klang- und Lichteffekte ersetzt werden, um 'emotionale Räume' zu schaffen".

Das britische Blatt weiter: "Es wird themen-orientierte Kapellen auf einem 'Entdeckungspfad' geben, mit einem Schwerpunkt auf Afrika und Asien, während Zitate aus der Bibel in verschiedenen Sprachen, einschließlich Mandarin, auf die Kapellenwände projiziert werden".

Maurice Culot, ein Architekt, der die Pläne gesehen hat, sagte der Zeitung wörtlich: "Es ist, als würde Disney Notre-Dame betreten".

"Was sie mit Notre-Dame vorhaben, würde niemals mit der Westminster Abbey oder dem Petersdom in Rom gemacht werden. Es ist eine Art Freizeitpark und angesichts der Größe des Ortes sehr kindisch und trivial", kommentierte er.

In einem Interview mit AFP schien Pater Gilles Drouin, der für die Restaurierung des Innenraums zuständige Priester, die Vorschläge zu bestätigen. Der Priester meinte jedoch, dass sie seines Erachtens keine radikale Veränderung darstellten.

Der Geistliche erklärte, dass die Restaurierung darauf abziele, die Kathedrale als Ort der Anbetung zu erhalten, aber auch Besucher zu empfangen und zu bilden, "die nicht immer aus einer christlichen Kultur kommen".

In den Seitenkapellen sollen daher "Porträts aus dem 16. und 18. Jahrhundert im Dialog mit modernen Kunstobjekten" gezeigt werden, sagte er.

"Die Kathedrale war schon immer offen für zeitgenössische Kunst, bis hin zu dem großen goldenen Kreuz des Bildhauers Marc Couturier, das 1994 vom [damaligen Erzbischof von Paris] Kardinal Lustiger aufgestellt wurde", behauptete der Geistliche. 

Ob und wie ein vor knapp drei Jahrzehnten in den Kirchenbau eingefügtes, schlichtes Kreuz mit "modernen Objekten" zu tun hat, die im berühmten Gotteshaus vor allem für nicht-christliche Besucher einen "Dialog" mit sakraler Kunst führen sollen, erklärte der Kleriker nicht.  

Die französische Regierung beaufsichtigt die strukturelle Restaurierung und Erhaltung der Kathedrale, aber die kirchlichen Behörden sind für die Erneuerung des Innenraums verantwortlich.

Die Pläne müssen letztlich jedoch auch vom französischen Kulturministerium genehmigt werden. Kulturministerin Roselyne Bachelot hat bereits vorgeschlagen, dass die restaurierte Kathedrale genauso aussehen soll wie vor dem Brand.

Triviale "Kunst"-Events auf dem Niveau eines Freizeitparks hätten dann keine Chance, auch wenn manche Geistliche sich das wünschen mögen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Restaurierungspläne für Kontroversen sorgen. Kritiker prangerten einen im Dezember 2020 durchgesickerten Vorschlag an, die historischen Glasfenster des Architekten Viollet-le-Duc in den Kapellen rund um das Kirchenschiff durch zeitgenössische Buntglas-Entwürfe zu ersetzen.

Eine Sprecherin der Erzdiözese erklärte damals gegenüber dem National Catholic Register: "Es versteht sich von selbst, dass der Erzbischof nie die Absicht hatte, die Kathedrale in einen Flughafen oder einen Parkplatz zu verwandeln." Von einem Disneyland war damals nicht die Rede.

Berichten zufolge wird die Kathedrale am 16. April 2024, fünf Jahre nach dem Brand, mit einem Te Deum wieder für Gottesdienste geöffnet. Im selben Jahr finden in Paris die Olympischen Sommerspiele statt.

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