Mindestens 200.000 Euro Schaden: Kreuzweg-Stationen im Bistum Augsburg verwüstet

In der Nacht vom 18. auf den 19. März 2022 wurden die Kreuzweg-Stationen am Kalvarienberg im Dekanat Günzburg mutwillig zerstört.
Foto: privat
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Bisher unbekannte Täter haben die Kreuzwegstationen auf dem Kalvarienberg in der Nähe von Wettenhausen (Bistum Augsburg) gezielt verwüstet. Auf dem großflächigen Gelände, auf dem der Leidensweg Jesu Christi bis zu seiner Auferstehung nachgebildet sind, wurde nahezu jede einzelne Station schwer beschädigt.

Die Kriminalpolizei ermittelt in alle Richtungen, ein religiöses Hass-Motiv ist dem zuständigen Dekan zufolge nicht auszuschließen, nachdem dies bereits der dritte Vorfall innerhalb eines Jahres war.

Klaus Bucher, Dekan des Dekanats Günzburg, erklärte gegenüber CNA Deutsch, dass man nach ersten Schätzungen zunächst von einem Sachschaden von etwa 150.00 Euro ausgehe. Mittlerweile gehe die Polizei bereits aber von einer Summe von mindestens 200.000 Euro aus. Der Bischof von Augsburg habe bereits seine Unterstützung angekündigt, auch aus der Politik wurde bereits Hilfe zugesichert.

Dekan: "Wie ein Fuchs im Hühnerstall"

Gegenüber CNA Deutsch sagte Dekan Klaus Bucher am Montag, dass "fast keine Figur unversehrt" geblieben sei. Am Samstagmorgen, dem 19. März, hatten ein paar Mädchen die Verwüstungen auf dem Kalvarienberg nahe Wettenhausen entdeckt, der Schock sei immer noch groß.

"Dies war bereits der dritte Vorfall innerhalb eines Jahres", so Bucher. 2021 wurden an Gründonnerstag "ein paar Figuren beschädigt", im September desselben Jahres habe ein – oder mehrere – Täter bereits mehrere Stationen verwüstet. Der Vorfall vom vergangenen Wochenende übersteige das bisherige Ausmaß allerdings bei weitem, sagt der Günzburger Dekan. "Wer auch immer das war, der oder die haben gewütet wie der Fuchs im Hühnerstall."

Landrat: "Das kotzt mich an"

Auch der Günzburger Landrat Hans Reichhart verurteilte den Vandalismus mit scharfen Worten. In einem emotionalen Facebook-Post vom 20. März schreibt der CSU-Politiker:

"Sorry, aber das kotzt mich an. Und es ist einfach nur schäbig. Ja, manches in der Kirche muss aufgearbeitet werden. Und ja manches läuft auch nicht so gut. Und es ist auch das gute Recht eines jeden, mit dem Glauben nichts anfangen zu können. Das ist aber völlig unabhängig vom Glauben der Menschen, die einen Ort brauchen, der ihnen Hoffnung und Ruhe schenkt. Und es ist unabhängig von der überwältigenden großen Zahl derer, die unsere Kirche wirklich tragen. Als Priester, als Ordensleute und vor allem mit ihrem ganz persönlichen Glauben. Den Kalvarienberg in Wettenhausen mutwillig zu zerstören, Glaubenszeignisse anderer mit Füßen zu treten und blanken Vandalismus walten zu lassen. Das geht nicht. Und das dürfen wir als Gesellschaft nicht zulassen."
Man wisse zwar noch nicht, wer dahinterstecke, doch Reichhart kündigte an, dass man alles tun werde, "um diesen Ort wieder aufzubauen und ihn sogar noch zu erweitern".

Sachschaden von mindestens 200.000 Euro

Die Kriminalpolizei, die mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen hat, konnte den Tatzeitraum von Freitag, 20.00 Uhr, bis Samstag 8.00 Uhr, eingrenzen. Am Freitagabend hatte noch eine Ordensschwester vom nahegelegenen Dominikanerinnenkloster in Wettenhausen dort den Kreuzweg gebetet. Da sei "noch alles normal" gewesen, so Dekan Klaus Bucher gegenüber CNA Deutsch. Am nächsten Morgen gegen 8.00 Uhr ist die Zerstörung dann von den jungen Frauen entdeckt worden.

Der Kalvarienberg liegt in der Nähe von Wettenhausen, wo im ehemaligen Chorherrenstift mittlerweile Dominikanerinnen eine Heimat gefunden haben. Etwa zehn Kilometer entfernt liegt das "Lego"-Land. Im 19. Jahrhundert hatte ein Priester den "Kalvarienberg" entworfen, um den Menschen, denen eine Wallfahrt nach Jerusalem nicht möglich ist, hier eine Möglichkeit zu geben, dem Leiden und Sterben Jesu betend nachzugehen.

Die Suche nach dem Motiv

Bei der Suche nach dem Motiv könne man momentan nur spekulieren, räumte Dekan Bucher ein. "Ich glaube aber nicht, dass das ein 'dummer Bubenstreich' war", so der Geistliche gegenüber CNA Deutsch, "dafür steckt da viel zu viel Aggression, Kraftaufwand und Technik dahinter." Wörtlich sagte er:

"Wir haben auf dem Kalvarienberg rund 30 kleine Kapellen. Alle wurden beschädigt, die einen mehr, die anderen weniger. Besonders heftig finde ich den Anblick der Statue des Auferstandenen, wo sich das Gitter genau in das Herz bohrt. Ob das Zufall war? Oder die Statue der Muttergottes, der man direkt ins Herz reingeschlagen hat. Es war zum dritten Mal am selben Ort, doch diesmal war es eine richtige Gewaltorgie."

In dieser Gegend seien derartige Übergriffe "eher selten", so der Pfarrer weiter. Ein Bekennerschreiben gebe es nicht, doch die Polizei habe bereits eine große Menge an Spuren gesammelt.

Unterstützung des Bischofs

Pfarrer Klaus Bucher hatte in der Zwischenzeit bereits mit dem Augsburger Bischof Bertram Meier Kontakt. Dieser sei bereits am Samstag vom Vorfall informiert gewesen und habe angekündigt, bald an den Ort des Geschehens zu kommen, um dort den Kreuzweg zu beten.

Bereits nach dem letzten Vandalismus-Vorfall am Kalvarienberg hatte Dekan Klaus Bucher gemeinsam mit dem Ortspfarrer eine Sühneprozession am Tatort veranstaltet, der sich damals auch der Augsburger Weihbischof Florian Wörner angeschlossen hatte.

Bitte um Hinweise

Unterdessen bittet die Polizei weiterhin um Mithilfe, Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Burgau entgegen (Telefon: 08222 / 9690-0). Die Ermittlungen übernimmt der Kriminaldauerdienst Memmingen.

Wann die Kreuzweg-Stationen auf dem Kalvarienberg wieder hergestellt sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

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