Das aufgerissene Herz des Philipp Neri

Am 26. Mai ehrt die Kirche St. Philipp Neri, den Apostel Roms

Der Blick auf Philipp Neri
Foto: Paul Badde / EWTN
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Vier Spanier – keine geringeren als Ignatius, Teresa von Avila, Franz Xaver und Isidor von Sevilla – und einen Heiligen habe Papst Gregor XV. am 12. März 1622 heiliggesprochen. Der "eine" Heilige war nach Meinung der Römer Philipp Neri (1515-1595), der so ihre Zuneigung, ja ihre Liebe gewonnen hatte, dass sie ihn bis heute "apostolo di Roma" nennen. In der Stadt der Apostelfürsten Petrus und Paulus ist das sicher keine Kleinigkeit. Ja, Philipp hatte ein Herz für seine Römer. Sechs Jahre nach dem traumatischen "Sacco di Roma", kam er mit nur achtzehn Jahren in die Urbs. Von da an blieb er 62 Jahre lang, bis zu seinem Tod.

In dieser Zeit hatten viele die Gelegenheit, die Besonderheit des Herzens Philipp Neris zu erfahren: Sünder, die er an sich zog, spürten eine Wärme, die ihr eigenes Herz erfasste und sie zur Umkehr brachte. Diese spürbare Herzenswärme des heiligen Philipp ist wohl auch ein Grund, weswegen der Kragen seines Talars auf allen Darstellungen ziemlich weit geöffnet erscheint: Dem Heiligen selbst wurde das Feuer in seinem Herzen beinahe zu heiß.

Schon an den Griffen der Windfangtüren der Chiesa Nuova ist außer dem achtzackigen Marienstern das Philippsherz mit den merkwürdig zerzausten Flammen zu sehen. Immer wieder taucht es besonders im Viertel um das römische Oratorium auf. Wenn man vom Campo de’ fiori in die Via dei Cappellari geht, ist es oben rechts gleich unter dem Dach des Bogens zu sehen, der diese Straße überspannt. In der Parallelstraße bietet ein Barockaltarino die ganz große Inszenierung: Über der Muttergottes mit Kind durchbricht der Heilige Geist mit seinen Strahlen einen Baldachin, zu Füßen der Madonna halten zwei Adler eine große Kugel herzförmig geöffnet. 

Tatsächlich, das Herz Philipps war seit Pfingsten 1544 wie aufgerissen. Beim nächtlichen Gebet in der Sebastianskatakombe, an den Wurzeln der Kirche, bei den Märtyrern, war der Heilige Geist in Form einer feurigen Kugel durch den Mund in sein Herz eingedrungen. Daher die ungewöhnliche Wärme. Beim Tod Philipps fand man zwei Rippen auf der linken Seite herausgedrückt: Das vom Heiligen Geist durchglühte Herz war zu mächtig für Philipps menschlichen Brustkorb.

Mit diesem von Gott durchflammten Herzen rief er die Sünder zur Umkehr – wenn sie dann zur Beichte kamen, war es ihm eine Erholung. "Wann fangen wir an, Gutes zu tun?" fragte er aufmunternd jene, die sich ihm anschlossen. Er lehrte sie auf den Sieben-Kirchen-Wallfahrten die Liebe zur Kirche. Alles, was er tat, floss in der Bitte zusammen: "Jesus, sei mir Jesus!" Eine vollkommenere Einheit von Gottes- und Nächstenliebe als bei Philipp ist kaum vorstellbar.

Es ist besonders traurig, dass die einzige Philipp Neri geweihte Kirche der römischen Innenstadt, an der noblen Via Giulia, heute profaniert ist. Immerhin: Das Medaillon über dem Kircheneingang ist besser herausgeputzt denn je. Es zeigt wieder den Heiligen im Gebet vor Maria mit dem göttlichen Kind. Auf dem Medaillon ist natürlich alles weiß, aber das Gewand Philipps ist doch – wie es Guido Reni zeigt – rot, denn das ist die Farbe der Märtyrer der alten Kirche, die Philipp so sehr liebte, und es ist die Farbe des Heiligen Geistes, der sein Herz aufgerissen hatte. Es ist nicht umsonst, dass er am 26. Mai starb, an dem die Kirche auch sein Fest begeht: Das war damals ein Tag nach Fronleichnam, es ist außerdem immer im Marienmonat und in der Nähe des Pfingstfestes.

Zuerst erschienen im VATICAN-Magazin. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung.

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