Erzbischof von Portland verurteilt Gewalt, ruft zu friedlicher Lösung von Rassismus auf

Aktivisten vor dem Gerichtsgebäude in Portland am 25. Juli 2020.
Foto: Spencer Platt / Getty Images News

Angesichts der seit zwei Monaten andauernden Proteste in seiner Stadt hat der Erzbischof von Portland im US-Bundesstaat Oregon die Katholiken seiner Diözese ermutigt, sich für friedliche Lösungen der "Sünde des Rassismus" einzusetzen.

Gleichzeitig verurteilt Erzbischof Alexander K. Sample die gewalttätigen Ausschreitungen, die mittlerweile Demonstrationen in mehreren US-Städten überschattet haben.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.  

"Dies alles begann mit dem schrecklichen, tragischen Tod eines Mannes, und anfangs war der Aufschrei gegen Ungerechtigkeit, gegen Rassismus angebracht. ich habe die friedlichen Demonstrationen im Namen der Gerechtigkeit und gegen Rassismus sehr unterstützt", sagte Sample in einer Videobotschaft vom 24. Juli mit Blick auf die Proteste, die durch den Tod von George Floyd am 25. Mai in Minneapolis ausgelöst wurden.

"Aber darum geht es hier leider nicht mehr", so der Erzbischof.

Portland wird seit 60 Tagen von Protesten erschüttert, die oft in Form von Menschenmassen von Hunderten von Menschen stattfanden, die  sagen, dass sie gegen Rassismus, Polizeibrutalität und Faschismus protestieren. Die Proteste haben für nationale und internationale Schlagzeilen gesorgt.

Einige der Proteste wurden von Ausschreitungen und Plünderungen begleitet. Neben umfangreichen Akten von Vandalismus in der Innenstadt kam es vereinzelt zu Gewalttätigkeiten, einschließlich Schießereien und Messerstechereien, am Rand der Aktionen.

Sample betont in seiner Videobotschaft, dass es ihm als Hirte der Katholiken der Stadt nicht zusteht, "politisch zu werden" und Partei zu ergreifen, obwohl er dazu von allen Seiten per E-Mail und Post aufgefordert worden sei.

Dennoch, so der Erzbischof weiter, sei es "deprimierend" und "beschämend", jeden Morgen die Nachrichten zu lesen und jeden Abend zu sehen, dass es mehr Zerstörung gegeben hat.

"Wer erinnert sich dabei noch an George Floyd? Halten Sie inne und denken Sie eine Sekunde darüber nach", sagte Sample.

"Wir müssen in Liebe die Wahrheit sagen und dürfen uns nicht scheuen, die Wahrheit auszusprechen. Ich glaube, die überwiegende Mehrheit der Menschen unterstützt nicht das, was gerade jetzt vor sich geht, besonders angesichts der Gewalt, der Zerstörung von Eigentum und der Plünderungen".

Nicht nur Katholiken sollten über die Sünde des Rassismus empört sein, sagte Sample. Aber Katholiken hätten die Pflicht, vorsichtig, vernünftig und unaufgeregt zu sein.

Statt sich des Virtue Signalling zu bedienen – also der scheinheiligen Zurschaustellung vermeintlicher Tugendhaftigkeit, mit anderen Worten: Tugendwedelei – sollten Katholiken sich um redliches Wachsen in der echten Tugendhaftigkeit bemühen. 

Im Kampf gegen den Rassismus biete etwa die katholische Soziallehre klare Antworten und Lösungen, so Sample.

Die Kirche lehrt, dass jeder Mensch eine Würde hat, die wir als Menschen nicht anderen Menschen verleihen, sondern die vielmehr von Gott kommt, sagte der Erzbischof.

Sample ermutigte alle nachdrücklich, den Brief der US-Bischöfe über Rassismus zu lesen. Er wies die Pfarrgemeinden in Portland an, Gruppen zu organisieren, die den Brief vorbereiten, studieren und diskutieren sollten.

Das Schreiben trägt den Titel "Open Wide Our Hearts" und wurde 2018 veröffentlicht.

Demonstranten in Portland haben kommerzielle Feuerwerkskörper auf das Bundesgerichtsgebäude abgefeuert und Steine, Dosen, Wasserflaschen und Kartoffeln auf Bundesbeamte geworfen, berichtete die Agentur "AP". Am 26. Juli versuchten Demonstranten, das Gerichtsgebäude niederzubrennen, so die Polizei von Portland.

Jegliche Gewalt müsse "eindeutig" als ein weiteres Übel abgelehnt werden, erklärte Sample. Rassismus und andere Übel würden nicht durch noch mehr Übel gelöst.

Ein großes Vorbild sei Martin Luther King jr. – der mit gewaltlosen Widerstand friedlich Lösungen erzielte und sogar für seine Verfolger gebetet habe, wie es Jesus Christus lehrt. 

Sample prangerte Bemühungen in den USA an, "unsere gemeinsame Geschichte auszulöschen". Statt die Vergangenheit auf der Grundlage gegenwärtiger Sichtweisen zu verurteilen, könne man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

"Wenn mehr Menschen erkennen würden, dass sie zu Größe, zu Heiligkeit, zur Tugend, zur Ewigkeit und zum Himmel berufen sind, dann würden sie nicht nach anderen, weltlichen Wegen suchen, um die Leere im Herzen zu füllen, sagte Sample.

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