Französischer Kardinal gesteht verwerfliches Vergehen an 14-Jähriger „vor 35 Jahren“

Kardinal Jean-Pierre Ricard
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Ein emeritierter französischer Kardinal hat am Montag erklärt, er habe vor mehreren Jahrzehnten ein 14-jähriges Mädchen missbraucht und sich jetzt den Behörden gestellt.

Kardinal Jean-Pierre Ricard, der langjährige Erzbischof von Bordeaux, gab in einer Erklärung zu: „Vor 35 Jahren, als ich Pfarrer war, habe ich mich in verwerflicher Weise an einem 14-jährigen Mädchen vergangen. Mein Verhalten hat unweigerlich zu schweren und dauerhaften Konsequenzen für diese Person geführt.“

Kardinal Ricard sagte weiter, er habe mit dem Opfer über den Missbrauch gesprochen und sie um Vergebung gebeten: „Ich erneuere hier meine Bitte um Vergebung und bitte auch ihre gesamte Familie um Vergebung.“

Der 78-jährige Ricard war von 2001 bis 2019 Bischof von Bordeaux, im Südwesten Frankreichs. Vor 35 Jahren war er demnach 43 Jahre alt – dreimal so alt wie das Mädchen.

Die Erklärung wurde auf einer Pressekonferenz vom Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims, verlesen.

Der Erzbischof von Reims erklärte, dass als Reaktion auf das Geständnis von Kardinal Ricard bei der Generalstaatsanwaltschaft und der Glaubenskongregation Anzeige erstattet worden sei.

Nach Angaben von Moulins-Beaufort sind in Frankreich derzeit neun Bischöfe sowie zwei Bischöfe im Ruhestand Gegenstand einer zivilrechtlichen oder kirchlichen Untersuchung. Die französischen Bischöfe treffen sich derzeit in Lourdes zu ihrer Herbstvollversammlung.

Der gegenwärtige Erzbischof von Bordeaux, Jean-Paul James, erklärte: „Ich spreche dem betroffenen Opfer mein tiefstes Mitgefühl aus. Und ich teile den Schmerz all derer, insbesondere in der Diözese Bordeaux, die durch diese Enthüllungen verletzt werden. Ich denke besonders an diejenigen, die Opfer von Priestern und Ordensleuten hier in der Region Gironde geworden sind.“

Die öffentliche Bekanntmachung des Fehlverhaltens von Ricard, das sich „ereignet hat, bevor er Bischof wurde“, mache sein Erzbistum traurig. „Aber diese schmerzliche Ankündigung steht im Dienst des Lebens und der Wahrheit“, so James. „In der Prüfung, in Gedanken an die Menschen, die Opfer wurden, stellen wir uns weiterhin demütig in den Dienst des Evangeliums und unterstützen uns gegenseitig im Glauben und in der brüderlichen Gemeinschaft.“

Einem Ende 2021 veröffentlichten unabhängigen Bericht zufolge wurden zwischen 1950 und 2020 Hunderttausende von Kindern in der katholischen Kirche in Frankreich missbraucht.

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