„Homosexuelle Beziehungen sollten nicht Thema der Synode sein” – Erzbischof Gadecki

Exklusives Interview von EWTN mit Vorsitzendem der polnischen Bischofskonferenz

Erzbischof Stanislaw Gadeci ist Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz und Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre
Foto: Paterm CC via Wikimedia
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Die Familiensynode in Rom sollte nicht homosexuelle Beziehungen zum Thema haben. Das fordert der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki in einem exklusiven Interview mit dem katholischen Fernsehsender EWTN Deutschland, das am heutigen Samstag Abend um 20 Uhr ausgestrahlt wird. In dem ausführlichen Gespräch fordert der Erzbischof von Posen auch, dass die Beratungen der Bischöfe sich nicht auf den Umgang mit Geschiedenen konzentrieren, sondern auf die christliche Ehe und Familie.

Gadecki, der auch Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre ist,  sagte gegenüber EWTN Deutschland wörtlich: „Wenn es um homosexuelle Beziehungen geht, können diese niemals ‘Ehe’ genannt werden. Sie können sich nennen, wie sie wollen. Nach kirchlichem Verständnis gibt es nicht so etwas wie eine Ehe als Beziehung zweier Personen des gleichen Geschlechts, sei es zwei Frauen, sei es zwei Männern. Deswegen sollte dieses Thema nicht Gegenstand der Synode sein, denn die Synode beschäftigt sich mit der Familie im katholischen Verständnis. Dagegen haben wir hier eine Beziehung, die mit der Katholizität nichts zu tun hat.”

Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz betonte, dass dies keine Geringschätzung von Homosexuellen darstellt: „Wir können uns mit Wertschätzung gegenüber der Würde jedes Menschen verhalten, der in einer solchen Beziehung weilt, gegenüber seiner Menschenwürde, aber wir können dies auf keinen Fall eine Ehe nennen; und ein Staat, der solche Beziehungen „Ehe“ nennt, tut der Kultur sehr schaden, die sich über 2000 Jahre herausgebildet hat.”

Zur Frage nach dem Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten betonte der promovierte Bibelwissenschaftler: „Die Worte Christi gegen die Scheidungen und die erneuten Beziehungen bilden für die katholische Kirche nicht nur eine Richtschnur als Weg zur Heiligkeit sondern begründen das Sakrament.“

Eine deutliche Absage erteilt Erzbischof Gadecki auch Wünschen nach Sonderwegen für einzelne Länder oder Regionen, wie sie etwa das Zentralkomitee deutscher Katholiken und eine Reihe von Vorständen deutscher Laienverbände öffentlich fordern. Natürlich könne kirchliche Organisation in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein. Doch die Einheit der katholischen Doktrin sei unverzichtbar: „Die Kirche kann nicht mit 100 Stimmen singen, so wie sich die Postmoderne das wünschen würde. Auch wenn uns manchmal scheint, wir manchmal den Eindruck davontragen, dass diese Stimmen zerstreut sind und etwas untereinander anderes sagen, das sogar im Widerspruch zueinander steht.” Solche Forderungen, warnte Gadecki, führten zu einem Auseinanderbrechen der Kirche, die jedoch eine ist, „katholisch und apostolisch”.

Der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende sagte gegenüber EWTN Deutschland, solche Forderungen basierten oft auf einem falschen Verständnis von Tradition: „Die Tradition ist keine Konservendose. Die Tradition ist fortdauernde Entwicklung bei Unveränderlichkeit des Wesens. So wie es Vinzenz von Lerins gesagt hat: Die Tradition ist wie ein Kind. Es entwickelt sich an jedem Tag. Es wird klüger, größer, reifer, besser ausgebildet. Aber auf der anderen Seite verändert es sich gar nicht wesentlich.”  

Zuversichtlich blickt Gadecki auf die Familiensynode: „Ich denke, sie wird auf der einen Seite diejenige Lehre bestärken, die wir kennen, und die keine Erfindung dieses oder jenes Papstes ist, sondern diejenige der Kirche ist. Das ist der große Strom der intellektuellen Anstrengung der Kirche und des Glaubens der Kirche. Auf der anderen Seite wird sie zeigen, wie man auf neuen Wegen diese Berufung zur Ehe und Familie  in größerer Treue zu Christus verwirklichen kann und auf welche Weise die Kirche, die sich aus allen zusammensetzt, sich gegenseitig durch ihre Communio unterstützen kann, damit der Mensch, der heute stärkerem Druck ausgesetzt wird als früher, der sich in einem viel säkulareren Umfeld findet als früher, dass er sich in dem Ganzen nicht verliert. Denn das ist nicht nur eine Frage dessen, ob ich mich im Leben gut einrichte oder nicht, sondern das ist eine Frage der Ewigkeit”.

 

Den ersten Teil des Interviews von Erzbischof Gadecki mit Robert Rauhut von EWTN Deutschland sehen Sie heute, Samstag, Abend um 20 Uhr bei EWTN – Katholisches Fernsehen. (Sende-Wiederholung am Montag und Dienstag, 5. – 6. Oktober, jeweils um 20:30 Uhr).

Weitere Informationen: www.ewtn.de