Jeder Mensch kann den Zölibat leben, sagt indigener Priester der Amazonas-Synode

Pater Justino Sarmento Rezende in der Pressekonferenz vom 17.10.2019
Foto: Daniel Ibáñez / ACI Prensa
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Pater Justino Sarmento Rezende, ein Salesianer, der aus dem indigenen brasilianischen Volk der Tuyuka stammt und an der Amazonassynode teilnimmt, hat erklärt, dass jede Person aus jeder Kultur der Welt, wenn sie betet und sich bemüht, den Zölibat leben kann – auch die Ureinwohner seiner Heimat.

Bei seiner Ansprache vor den beim Heilgen Stuhl akkreditierten Medien im Briefing vom gestrigen 17. Oktoer im Presseamt des Heiligen Stuhles, bei dem über den Fortgang der synodalen Arbeiten berichtet wurde, betonte Pater Sarmenti, es sei "wichtig, dass die Menschen den Zölibat mit Einsatz, Gebet, und der Hilfe anderer Personen leben. Ihn auf eine so ausgeglichen wie mögliche Art und Weise leben."

Im Gegensatz zu dem, was der emeritierte Bischof Erwin Kräutler am vergangenen 9. Oktober vor der Presse erklärt hatte – nämlich dass "die indigenen Völker den Zölibat nicht verstehen" – versicherte Pater Sarmento, der "Zölibat ist eine Tugend, die von jeder Person, Mann oder Frau, gelebt werden kann."

Der indigene Priester unterstrich:

"An dem Tag, an dem ich denken würde, den Zölibat zu leben: das ist nichts für mich, an dem würde ich das Priestertum verlassen. Denn wenn ich an einem Tag in meinem Leben sehen würde, dass ich sehr darunter leide und dass ich kein Lebenszeugnis mehr bin für die Menschen in meiner Gemeinde, in meiner Kirche, dann hätte das keinen Sinn mehr für mich."

Der indigene Priester weiter: "Der Zölibat ist nichts, das mit dem Menschen geboren wird; es etabliert sich im Lauf der Geschichte."

"Niemand von uns hier, weder ich noch Sie, sind bereit, den Zölibat zu leben. Deshalb habe ich auch Artikel geschrieben, in denen ich sage, dass der Zölibat ein Geschenk Gottes ist", betonte er.

Er versicherte, "Menschen jeder Kultur, die es auf der Welt gibt, können den Zölibat leben –von dem Moment an, in dem sie frei, nicht gezwungenerweise, sagen: 'Ich möchte diesen Lebensstil annehmen'."

"Ich sage das aus eigener Erfahrung. Meine Mutter sagte nicht zu mir: 'Du wirst Priester, du wirst den Zölibat leben.' Im Gegenteil, als ich ins Seminar ging, weinte sie, weil sie einen verheirateten Sohn wollte, um die Freude zu erleben, ihre Enkelkinder großzuziehen. Mein Großvater, der ein Meister der großen Tuyuka-Zeremonien war, erklärte: 'Priester sein, das ist nichts für uns, die Tuyuka. Wie kommst du auf diese Idee?'"

Pater Sarmento erinnerte daran, dass "für uns, auch für mich, die einzigen, die fähig waren, Priester zu sein, die Weißen waren und nicht wir (die Tuyuka). Wenn wir Ureinwohner Priester werden, dann kommen Fragen oder Zweifel. Es heißt dann: Indigene Menschen haben Schwierigkeiten, den Zölibat zu leben. Ja, ich habe sie, weil ich ein normaler Mensch bin. Vielleicht haben andere Leute sie nicht."

Und doch sei der Zölibat, auch mit den Schwierigkeiten, die möglicherweise dazu gehören, "eine Tugend, die von jeder Person, Mann oder Frau, gelebt werden kann."

Übersetzt und redigiert aus dem spanischen Original von Susanne Finner.

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